Leserbrief vom 16. April 2015 an die Badische Zeitung


Sehr geehrte Redaktion,

im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den tragischen Flugzeugabsturz stellt sich mir die Frage, warum wir nicht erfahren, ob der Co-Pilot Andreas L. unter dem Einfluss von Psychopharmaka stand, und wenn ja, welche Substanzen er genommen hat. Wird diese Frage nicht gestellt? Oder ist mir als Nicht-jeden-Tag-Leser der entsprechende Artikel in Ihrer Zeitung nur entgangen?

Insbesondere die Selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) werden mit Suiziden, Amokläufen und Gewaltverbrechen in Zusammenhang gebracht. Fatal in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass in vielen Medien die medikamentöse "Behandlung" von Depression offen beworben wird.

Die Wirksamkeit dieser Medikamente ist mehr als fraglich (vor allem auf langfristige Sicht ist ein nicht-medikamentöser Umgang mit Depression erfolgversprechender und auch weitaus weniger schädlich). Dass weiterhin die Gefahren, die von diesen Substanzen ausgehen, verharmlost werden, die angebliche Wirkung schöngeredet wird, und dass weiterhin wider besseres Wissen behauptet wird, dass Antidepressiva nicht abhängig machen, ist ein Skandal! (Wer beim Absetzen einer Substanz mit Entzugs-Symptomatik rechnet, kann doch nicht guten Gewissens behaupten, diese Substanz mache nicht abhängig! Wir erinnern uns, dass die Hersteller von Heroin oder von Valium haben lange behauptet haben, dass ihre Produkte nicht abhängig machen.)

Zur weiteren Information hier noch der Hinweis auf die ARD-Doku "Gefährliche Glückspillen" https://www.youtube.com/watch?v=ohB0JUab4ys sowie einen Artikel von Kathrin Zinkant in der Zeit [Forscher wollen dem Prozac-Wahnsinn ein Ende bereiten: Mit einer umfassenden Analyse zeigen sie erneut, dass die beliebtesten aller Antidepressiva gar nicht wirken] http://www.zeit.de/online/2008/09/prozac-studie-usa

Der dänische Wissenschaftler Peter C. Gøtzsche gibt in seinem Buch "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Die Verbrechen der Pharmaindustrie" (riva Verlag 2014) erschreckende Einblicke über die Machenschaften, mit denen die Industrie die Zulassung dieser Medikamente bewirkt hat.

Ein Rezension dieses Buches finden Sie z.B. in der Huffington Post: http://www.huffingtonpost.de/peter-c-goetsche/warum-die-einnahme-von-psychopharmaka-verheerende-auswirkungen-haben-kann_b_6152880.html

Mit freundlichen Grüßen und Bitte um Antwort,
Mirko Ološtiak