Harald Seidmann (Zürich)
Schleudertest für Psychiater
Spüren
Sie, das Sie krank sind?
Wissen Sie, dass Sie unter Hypnose stehen?
Glauben
Sie, dass, was Sie wahrnehmen, die Wirklichkeit ist?
Glauben Sie, dass die
Normalität, in der wir uns bewegen, der Wirklichkeit entspricht?
Hatten
Sie als Kind eine bestimmte Vorstellung, was Sie einmal werden wollten?
Wenn
ja, welche? Und was ist aus Ihnen geworden?
Wenn nein, können Sie sich
vorstellen, dass Sie gehindert werden, sich daran zu erinnern?
Können
Sie sich vorstellen, dass die Wahrnehmung für gewisse Teilaspekte der Wirklichkeit
während unserer Normalisierung unmerklich betäubt worden ist?
Ist
es denkbar, dass eine solche Betäubung bei bestimmten Individuen unwirksam
bleibt und dass diese Betäubungsresistenten weiterhin jene Teilbereiche der
Wirklichkeit wahrzunehmen vermögen, für die die betäubte Mehrheit
ihren Sinn verloren hat?
Könnte es sein, dass die Wahrnehmung dieser
Teilbereiche für den Menschen überlebenswichtig ist? Dass die Betäubten
also einerseits auf die Kunde aus den toten Winkeln angewiesen sind, um sich vor
einem Blindensturz vorzusehen, andererseits diese Kunde als Betäubungsbedrohung
abwehren, indem sie Betäubungsresistenz zur Geisteskrankheit und der Krankheit
den Krieg erklären?
Wäre es möglich, dass die Betäubten
unwissentlich im Grunde unter ihrem Wirklichkeitsverlust leiden, während
die Betäubungsresistenten diese mundtot gemachte Qual je nach Empfindlichkeit
in unmittelbarer Wucht wahrnehmen?
Werden schliesslich die Betäubungsresistenten
als Angehörige der Fremdmacht »Krankheit« deshalb mit allen Mitteln
zum Verstummen gebracht, um die gelöschte Erinnerung an die Wirklichkeit
jenseits aller Normalität unter Verschluss zu halten?
Muss, um zum Anfang
zurückzukehren, davon ausgegangen werden, dass, wer kurz vor der Einsicht,
wahnsinnig zu sein, zurückweicht und sich ein Umfeld schafft, wo die Unterscheidung
zwischen krank und gesund stets zu seinen Gunsten ausfällt, für die
Verlockungen einer Psychiaterkarriere besonders anfällig ist?
Spüren
Sie jetzt, dass Sie krank sind?
Wären Sie allenfalls bereit, sich von
Ihren »Patienten« kurieren zu lassen?