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Presseinformation vom 9.12.2003
Generelle Bevollmächtigung der Angehörigen und Zuführung
zur ambulanten Zwangsbehandlung geplant!
Am 19.12.2003 soll der Entwurf des 2. Betreuungsrechtsänderungsgesetzes
den Bundesrat passieren. Es ist vorgesehen, das BGB um mehrere §§
zu ergänzen. So soll künftig den Angehörigen per Gesetz die Vermögens-
und Gesundheitssorge übertragen und die ambulante Zwangsbehandlung
der Betreuten ermöglicht werden.
Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE), einzige Selbsthilfeorganisation
ehemaliger und derzeitiger Psychiatrie-PatientInnen in Deutschland,
protestiert gegen
Gründe:
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Familiäre Spannungen aufgrund von Beziehungskonflikten - häufig
eine der Ursachen psychischer Erkrankungen - werden durch die
generelle Bevollmächtigung der Angehörigen manifestiert. Die
betroffenen Personen werden jedes Mitspracherechtes beraubt.
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Die Zuführung zur ambulanten Zwangsbehandlung hat schwerwiegende
Traumatisierungen zur Folge, denn Zwang kann niemals Heilung
bedeuten. Zudem nimmt diese Maßnahme den Betroffenen jede Möglichkeit,
andere Wege aus ihrer Erkrankung zu suchen.
Beide per Gesetz ermöglichten Bevormundungen nutzen weder den so
behandelten Menschen noch der Gesellschaft. Die von Zwangsmaßnahmen
betroffenen psychisch erkrankten Menschen werden tiefer in die Erkrankung
getrieben, der Weg aus jener mehr und mehr versperrt. Die Gesellschaft
hat die Kosten für Fehlbehandlungen und Spätfolgen zu tragen.
Wir fordern hiermit alle auf, sich unserem Protest anzuschließen.
Bedenken sie, dass jeder/jedem von Ihnen Gleiches widerfahren kann.
Wer weiß schon, mit welchen Symptomen er in besonders belastenden
Situationen reagiert. Und wer ist vor Demenz und Alzheimer Erkrankung
geschützt. Möchten Sie in solchen Situationen Ihren Angehörigen
ausgeliefert sein? Falls nein, empfehlen wir, vorsorglich zu verfügen,
wer im Falle der Fälle für Sie handeln darf. Einer Verschärfung
des Betreuungsrechtes bedarf es dazu nicht. Es grenzt schon an Sarkasmus,
wenn ausgerechnet im europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen
gesetzliche Regelungen geplant werden, die die Lage von Menschen
mit geistigen sowie psychischen Behinderungen drastisch verschlimmern.
Ursula Zingler
Vorstandsmitglied des BPE e.V.
Ginsterweg 7, 74348 Lauffen, ursula.zingler@arcor.de
Informative Links
www.bpe-online.de
www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de
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