Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.
   

Presseinformation vom 12.5.2002

Forschung am Ziel vorbei

Bonn, 12. Mai 2002. Seit 1999 fördert das BMBF die Erforschung der psychiatrischen Krankheitsbilder Depression und Schizophrenie mit 25 bzw. 16 Millionen DM. Anschlussförderung ist zugesagt. Antragsteller und Projektträger für die Kompetenznetze "Depression, Suizidalität" und "Schizophrenie" sind namhafte Professoren aus dem Bereich der Psychiatrie. Der Schwerpunkt der Forschung liegt jeweils auf den biologischen, chemischen und genetischen Komponenten. Für den BPE e.V. geht das an sinnvollen Forschungsansätzen vorbei. Das Kooperationsangebot des Kompetenznetzes Schizophrenie hat der BPE-Vorstand ernsthaft geprüft. Er sah eine Chance, auf biologisch-psychiatrische Denkweisen Einfluss nehmen zu können. Einige Bedingungen für eine evtl. Mitarbeit wurden gestellt: z.B. Berufung in Fachbeirat und Qualitätsbeirat, Vetorecht in Bezug auf Auswahl der zu fördernden und abzuwählenden Projekte sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Das Kompetenznetz Schizophrenie hat sich darauf nicht eingelassen. Der BPE hat das Angebot nicht angenommen. Zu gering wäre seine Möglichkeit der Einflussnahme als Mitglied des erweiterten Vorstandes. Beratung nur einmal im Jahr! Kein Stimmrecht! Feigenblattfunktion will er nicht einnehmen. Das BMBF wurde erneut auf den Missstand hingewiesen. Eigene Anträge sollen formuliert werden.

Was trennt biologisch-psychiatrisch orientierte Ärzte von uns, den Psychiatrie-Erfahrenen? Erstere plädieren bereits bei der Erstmanifestation einer Depression, Schizophrenie oder schweren Angsterkrankung primär für die medikamentöse Behandlung. Die Interessenvertretung der Psychiatrie-Erfahrenen hingegen primär für das Auffangen und Bearbeiten des Auslösers einer Erkrankung. Der 1992 gegründete Verband hat seine Mitglieder 1995 befragt. 90% gaben bezeichnenderweise an, dass auf die speziellen Probleme, die zur Aufnahme in psychiatrische Kliniken führten, nicht eingegangen wurde. In der Regel wird zudem vermittelt, man sei unheilbar krank. Ein anderer als der psychopharmakologische Weg wird kaum aufgezeigt. So werden die Patienten vom System abhängig und lernen nicht mit ihrer besonderen Sensibilität (Vulnerabilität) in belastenden Lebenssitutationen umzugehen. Die Kostenträger stöhnen nicht ohne Grund. Eine Änderung kann nur erfolgen, wenn auch die Gruppe der ehemaligen und jetzigen Psychiatrie-Patienten als Experten in eigener Sache angehört und einbezogen werden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die BPE-Vorstandsmitglieder

Ruth Fricke, Mozartstr. 20 B, 32049 Herford

Ursula Zingler, Ginsterweg 7, 74348 Lauffen

Tel./FAX 05221-86410

Tel. 07133-139762, Fax. 07133-139763

Ruth.Fricke@t-online.de

Ursula.Zingler@arcor.de