Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.
 

Presseerklärung

Tagung »Geld und Recht in Krise und Alltag«
25.6. – 27.6.1999 in Kassel

»Weiterentwicklung in der Psychiatrie ist ohne das Hören auf die Psychiatrie-Erfahrenen nicht möglich!«,
sagte Staatssekretär Erwin Jordan (BMG) auf der Tagung des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V.

Vom 25. bis 27. Juni 99 trafen sich in Kassel die organisierten Psychiatrie-Erfahrenen zur Tagung »Geld und Rechte in Krise und Alltag«.

100 (ehemalige) Psychiatrie-PatientInnen aus der gesamten Bundesrepublik stellten ihre Projekte und aktuelle Selbsthilfearbeit vor.

Aktuelle Themen sind:

  1. Vorausverfügungen für einen eventuellen Psychiatrieaufenthalt

  2. Aufbau von unabhängigen Beschwerdestellen und Einstellung von unabhängigen Ombudspersonen

  3. Verbreitung sogenannter Psychose-Seminare (Austausch über verrücktes oder niedergeschlagenes Erleben zwischen Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen, Bürgerhelfern und Professionellen).

  4. Beachtung der Menschenrechte von Psychiatrie-Betroffenen

  5. Schaffung nichtpsychiatrischer Alternativen wie z.B. Weglaufhäuser.

Staatssekretär Erwin Jordan aus dem Bundesministerium für Gesundheit trat in seinem Grußwort dafür ein, »gemeinsam daran zu arbeiten, dass Psychiatrie-Erfahrene stärker in Entscheidungen innerhalb der Psychiatrie einbezogen werden«, und stellte die Wichtigkeit unabhängiger Beratung von Patienten für Patienten (nicht nur im Bereich der Psychiatrie) heraus. Er würdigte die bisher geleistete Aufbauarbeit des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V.: »Die Selbsthilfe ist aus dem Bereich Psychiatrie nicht mehr wegzudenken.«

Forderungen des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener

beschlossen auf der Tagung »Recht und Geld in Krise und Alltag« Kassel, 27. Juni 1999


Unterstützung der Selbsthilfearbeit
  • Aufbau von Beratungsmöglichkeiten von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene

  • Unabhängige Beschwerdestellen, Sicherung der Patientenrechte

  • Verpflichtung der psychiatrischen Einrichtungen, auf den Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen als Selbsthilfeorganisation hinzuweisen

Aufbau einer organisatorischen Unterstützungsstruktur zur Sicherstellung der Arbeit und der Projekte des Bundesvorstandes Verbesserung der beruflichen Situation von Psychiatrie-Erfahrenen
  • Erhöhung der Abgabe für Schwerbehinderte

  • Addition des WfB-Lohnes zum Taschengeld für Heimbewohner

  • Schaffung von Teilzeitumschulungsmöglichkeiten, modularisierte Ausbildung und Umschulung

  • Aufbau von Integrations- und Zuverdienstfirmen für Psychiatrie-Erfahrene

Anhörung bei Gesetzesänderungen im Gesundheits- sowie im juristischen Bereich
  • Einbeziehung in alle entscheidene auf Bundesebene arbeitende Gremien zu psychiatrischen Themen

  • (z.B. Arbeitskreis zur Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung des BMG)

Gewährleistung von adäquater menschlicher, psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung im Krankheitsfall
  • Beachtung des in der PsychPV vorgegebenen Personalschlüssels

  • Anerkennung weiterer psychotherapeutischer Verfahren

  • Möglichkeit zur Weiterbehandlung mit atypischen Neuroleptika im ambulanten Bereich

  • Berücksichtigung der Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen

Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen bei der Entwicklung von Qualitätskriterien und Instrumenten der Qualitätskontrolle