| Fortbildung zu Erfahrungsexperten |
zuletzt aktualisiert am 30. November 2012
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Qualifizierung von Betroffenen zu Experten ist nicht neu, allerdings
wurde dieses Thema im BPE bisher eher vernachlässigt. In Großbritannien
gibt es bereits seit 20 Jahren Erfahrungen mit der Qualifizierung
von Betroffenen zu ExpertInnen, die dann auch gut bezahlte Arbeit
im psychosozialen Bereich finden. Peer (= 'Gleiche') Training,
d.h. Training von Betroffenen zwecks Tätigkeit für den Einsatz,
als ehemals Betroffene akut Betroffene zu unterstützen, gibt es
auch seit Jahren in den USA, wie auch Fortbildung von Betroffenen
zu Fortbildnern ('Consumers as trainers' 'Betroffene als
Trainer'). Ein Ergebnis des 'Harassmentprojekts' ('Diskriminierung
von Psychiatriebetroffenen im Gesundheitswesen. Eine europäische
Studie'), an der der BPE beteiligt war, bestand in der Forderung
nach (ausgebildeten) Betroffenen, die ihr Erfahrungswissen in
die Ausbildung von Profis einbringen, siehe www.peter-lehmann-publishing.com/articles/enusp/empfehlungen.pdf.
Parallel zur Erarbeitung dieser Empfehlungen wurden in Oberösterreich
zuerst von Oase Power to the People', später von Netzwerk
Spinnen unterschiedliche Konzepte zur Peer-Ausbildung entwickelt.
Mittlerweile werden Pilotprojekte aus dem europäischen Programm
Leonardo da Vinci gefördert. Ziel des Projektes ist die Qualifizierung
von Psychiatrie Erfahrenen, um als DozentIn oder als MitarbeiterIn
in psychiatrischen Diensten tätig zu werden. In Deutschland bietet
beispielsweise die Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V.
(Bremen), im Rahmen ihrer F.O.K.U.S.-Fortbildung 'ExpertIn durch
Erfahrung in der Gesundheitsversorgung' Basismodule an.
Manche Fortbildungen sind von den Betroffenen zu bezahlen, manchmal
gibt es Geld für die Teilnahme an der Fortbildung. Manchmal bestimmen
die Betroffenen selbst, wer sie zu welchen Themen fortbildet,
manchmal bestimmen die Profis Themen und Fortbilder. Teilweise
gilt die spätere Tätigkeit als Beitrag Richtung Systemwechsel,
teilweise als Ergänzung psychiatrischer 'Angebote', dann werden
nicht nur psychiatrische Strukturen und Gesetze gelehrt, sondern
es gibt auch eine 'Krankheits- und Typenlehre'. (Peter Lehmann,
Bericht der AG 1: "Die im Dunkeln sehen einander nicht? Die
eigene Erfahrung Schatz oder Brett vor dem Kopf" bei
dem Jahrestreffen des BPE in Kassel, 7. Oktober 2006)