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Ausgabe 4/2005 |
Themenschwerpunkt Jahrestagung Kassel |
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AG 1:Krisen Psychiatrie-Erfahrener Mütter |
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Angelika Schaumburg Protokoll: 11.30 bis 13.00 Uhr
14.30 bis 16.00 Uhr (noch 3 Frauen)
Ich bedanke mich bei den Teilnehmerinnen für ihre Mitarbeit in dieser Arbeitsgruppe. |
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AG 2: SEELISCHE TRAUMATISIERUNG DURCH ZWANGSBEHANDLUNG |
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Moderation: xy Das Thema Gewalt ist in psychiatrischen Einrichtungen ein großes Tabu. Aber Gewalt und Zwangsbehandlungen stellen einen massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und Autonomie von uns Psychiatrie-Erfahrenen (PE) dar. Diese werden in der BRD und von Klinik zu Klinik höchst unterschiedlich geregelt und gehandhabt. Ärzte und Richter, die diese veranlassen, sind neben den Ansprüchen und Erwartungen des eigenen Vorgesetzten auch mit den Forderungen der Angehörigen, des direkten sozialen Umfeldes, der Gemeinde, der Politik und der Medien nach vermeintlicher Sicherheit und Ordnung konfrontiert (Stichworte: Mikrokosmus Psychiatrie, Ordnungsmacht Psychiatrie hierzu § 32 StGB Notwehr u. § 34 StGB Rechtfertigender Notstand, aber auch Psychiatrie zwischen Fürsorge und Ausgrenzung). In einer repräsentativen Befragung in der Schweiz kam heraus, dass 98,9 % der Psychiater und 72,2 % der Allgemeinbevölkerung befürworten, dass jemand unter Umständen auch gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und, wenn nötig, dort behalten werden sollte. In Deutschland dürfte das Meinungsbild kaum anders sein. Daraus folgert, dass sämtliche Antistigma-Kampagnen fruchtlos bleiben, wenn sich an diesem Bild von Psychiatrie und Einstellung der Psychiater nichts ändert. Der Leiter der Tagesklinik Siegburg, der Psychiater Dr. Wilhelm Engelke, gesteht selbst ein, dass "der Aspekt der Sicherung und Kontrolle in der Aufnahmesituation überwiegt vor der eigentlich therapeutisch wirksamen Beziehungsaufnahme und Gestaltung" . Wir PE werden durch diese in unseren Augen meist ungerechtfertigten Maßnahmen traumatisiert und stigmatisiert. Danach ist nichts mehr so wie vorher. Dazu die amerikanische Psychiaterin Judith Hermann in ihrem Buch Die Narben der Gewalt: "Traumatische Ereignisse erschüttern zwischenmenschliche Beziehungen in den Grundfesten. Sie zersetzen die Bindungen an Familie, Freunde, Partner und Nachbarn, sie zerstören das Selbstbild, das im Verhältnis zu anderen entsteht und aufrechterhalten wird. Sie untergraben das Wertesystem, das der menschlichen Erfahrung Sinn verleiht. Sie unterminieren das Vertrauen des Opfers in eine natürliche und göttliche Ordnung und stoßen es in eine existentielle Krise.... Im Augenblick der Angst wenden sich die Opfer spontan an die Quelle, die ihnen zuerst Trost und Schutz bot. Verwundete Soldaten und vergewaltigte Frauen schreien nach ihren Müttern oder nach Gott. Bleibt dieser Schrei unbeantwortet, ist das Urvertrauen zerstört. Traumatisierte fühlen sich extrem verlassen, allein und ausgestoßen aus dem lebenserhaltenden Rahmen von menschlicher und göttlicher Fürsorge und Schutz." Der Blick in das menschliche Antlitz und das trauernde Herz des leidenden Gegenübers wird bewusst gemieden - aus eigener Abwehr von Angst und Ohnmacht? Dort, wo Vertrauen, Verständnis und Empathie gefordert sind, wird eingesperrt, gefesselt und weggespritzt. Solche ersten Erfahrungen mit der Psychiatrie sind für das weitere Leben prägend. Zwangsmaßnahmen jeglicher Art sind aus psychologisch-psychotherapeutischer Sicht absolut kontraindiziert und führen zu weiteren Schäden durch Retraumatisierung. Die Anwendung von Gewaltmaßnahmen in der Psychiatrie führt zu Stigmatisierung und Etikettierung, womit sie ein wesentliches Handikap für die Rehabilitation und Wiedereingliederung in ein normales Leben von uns PE darstellt. Gewalt und Zwangsbehandlungen an PE sind Alltag in psychiatrischen Kliniken. In manchen Kliniken ist jeder 5. Patient davon betroffen, insbesondere treffen sie in erhöhtem Maße die als schizophren, schizoaffektiv oder manisch diagnostizierte PE. Die allgemeine Datenlage dazu ist höchst lückenhaft und unzureichend. Untersuchungen und Befragungen darüber, wie und was psychiatrische Gewalt und Zwangsbehandlungen in unseren Seelen anrichten und welche langfristigen Folgen sie haben, gibt es nur sehr vereinzelt. Die Medizin, die Politik und die Öffentlichkeit schweigen darüber noch weitgehend, eher wird uns PE die Schuld und mangelnde Einsicht zur Notwendigkeit solcher Zwangsmaßnahmen zugeschrieben. In einer der wenigen Untersuchungen fragte man sich, was der eigentliche Grund für die Anwendung von Zwangsmaßnahmen ist und kam zu dem Ergebnis, dass sie zumeist aus einer Ohnmachtsreaktion und mehr aus Gewöhnung als aus Notwendigkeit erfolgen. Aber Zwangsbehandlungen stellen eine denkbar ungünstige Voraussetzung für den Aufbau einer therapeutischen Beziehung dar. Es ist eigentlich unerklärlich, dass über "Risiken und Nebenwirkungen" dieser Behandlungsmethoden bisher so wenig geforscht wurde. Handlungsansätze zur Reduzierung von Gewalt und Zwang existieren kaum in den psychiatrischen Kliniken. Es mangelt an Fertigkeiten, die Eskalation von Aggression rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu deeskalieren. In einer ausführlichen Vorstellungsrunde unserer AG kamen z. T. erschütternde traumatische Erfahrungen zur Sprache und jede/r hat mit unterschiedlicher Gewichtung davon berichtet, wie er/sie Zwangsbehandlungen und Gewalt in verschiedenen Formen (Zwangseinweisung, geschlossene Station, Zwangsmedikation, Fesselung, Isolierung, gesetzliche Betreuung) erlebt hat. Wir haben uns den Fragen gestellt, wie man Zwangsbehandlungen/Gewalt hätte vermeiden können, wie anders hätte man helfen können und welche Deeskalationsstrategien z. B. hätten wirken können. Zur Sprache kam auch, ob Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung einen präventiven Schutz bieten könnten. Teilweise wurden Nachgespräche mit den an der Zwangsbehandlung Beteiligten geführt, die aber selten zu einer Revision der Sichtweise über die erlittene Zwangsbehandlung/Gewalt auf Seiten der Gewaltanwender führte. Festgestellt wurde auch, dass die jetzt teilweise in einigen Kliniken erarbeiteten Handlungsanweisungen, Richtlinien, Durchführungsstandards oder sog. Guidelines zu Zwangsbehandlungen eine Möglichkeit zu deren Reduzierung darstellen könnten. Der BPE sollte aber auf keinen Fall an deren Erarbeitung mitwirken bzw. Einfluss nehmen. Ein Teilnehmer meinte dazu, das käme ihm dann so vor, als wenn ein Vergewaltiger sein Opfer vorher frage, wie er es dann gern hätte. Die letzte, aber entscheidende Frage für bereits Traumatisierte blieb natürlicherweise unbeantwortet bzw. jeder suchte nach individuellen Lösungen und fand für sich gehbare Wege: Wie kann man massive Erinnerungen (Traumen) verändern, so dass sie nicht mehr die Innenwelt, die Seele, beherrschen? Wie können die Schmerzen der auch häufig schuld und schamhaft, immer aber auch demütigend erlebten psychiatrischen Gewalt heilsam vernarben? Wie können wir unsere seelischen Verletzungen überwinden? Wir waren uns einig, dass es an der Zeit ist,, dass wir PE unser Wort erheben darüber, wie die Anwendung von Gewalt und Zwang auf Seiten PsychiatrieProfessioneller bei uns nachhaltig wirkt und welche akuten und langfristigen Folgen eine von uns schmerzlich erfahrene Zwangspsychiatrie verursachen. Und es sei ebenso endlich an der Zeit, dass sich PsychiatrieProfessionelle über diese ihre Anwendung von Gewalt und Zwang intensiver als bisher auseinandersetzen und Kenntnisse und Fähigkeiten sich aneignen, behutsamer, sanfter, verständnis und vertrauensvoller den ihnen Ausgelieferten zu begegnen. Wir von Gewalt und Zwang betroffenen PE dürften nicht alleingelassen werden, unser Leiden an dieser Art von malträtierender Psychiatrie muss aufgedeckt und aus der Grauzone des Heimlichen herausgeholt und nicht weiter verharmlost und bagatellisiert werden. Jedenfalls steht die systematische wissenschaftliche Erforschung nachwirkender Erfahrungen von psychiatrisch traumatisierten Menschen noch aus. PE möchten sich ihre Sehnsucht, einmal fernab von den "Segnungen" einer Zwangspsychiatrie zu leben und nicht mehr in ihre Hände zu fallen, nicht nehmen lassen. Wir brauchen in der Psychiatrie nicht gefühllose Analphabeten und seelen und herzlose Psychiatriemanager mit einem inhumanen Menschenbild aus Strafe, Vergeltung und Absonderung sondern eine Kultur des Verstehens, ein Klima des Wohlwollens und ein Milieu von Wärme und Vertrauen. Literaturhinweise
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AG 3: DAS ATELIER: SELBSTHILFE UND KUNST |
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Moderation: Armin Pangerl / Michael Goetz-Kluth 11.30 - 13.00 Uhr Die Moderatoren entschieden, den Vormittag mit der Vorstellung des Projektes und der Beantwortung der dazu gehörigen Fragen zu füllen. Entstehung und Geschichte des Projektes: Seit Februar 2004 gibt es in kostenlos zur Verfügung stehenden Räumen der Psychologischen Beratungsstelle Lahr ein Atelier für Menschen mit und ohne Psychiatrieerfahrung. Das Projekt wird von zwei Lahrer Künstlern geleitet und finanziell unterstützt von der Brücke e.V., der Lahrer Hilfsgemeinschaft für Menschen in psychischer Not. Das Leitungsduo wird professionell supervidiert, ansonsten organisiert sich das Projekt völlig selbständig. Die TeilnehmerInnenzahl wuchs beständig bis auf momentan 20. Zur Zeit wird die erste Ausstellung vorbereitet, die ab 22.9.05 in der Psychologischen Beratungsstelle zu sehen sein und im Oktober weiter ins Zentrum für Psychiatrie nach Emmendingen wandern wird. Den größten Erfolg jedoch erlebte das Projekt im Frühjahr diesen Jahres mit der Nominierung für den internationalen Preis der Bodenseekonferenz für Initiativen im sozialen und Gesundheitsbereich. Inzwischen gibt es Vernetzungen mit der Heidelberger Prinzhornsammlung und dem Wiener Kunstprojekt "crazy industries". 14.30 - 16.00 Uhr
Gegen Schluss wurde die vorbereitete Performance präsentiert (Applaus, Applaus!!!) und die AG schließlich mit einer Auswertungsrunde beendet. |
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AG
4 : LEBEN MIT DEPRESSIVER VERANLAGUNG!
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von Ursula Zingler Im Januar 2005 hatte ich mich beim Vorstand um ein Referat und/oder Moderation einer Arbeitsgruppe beworben. Grund: Die Depression zählt mit wachsender Tendenz zu den sog. Volkskrankheiten. Die von ihr betroffenen Menschen melden sich weder öffentlich noch mit Beiträgen im BPE-Rundbrief selten zu Wort. Darum wollte ich referieren über
All das konnte ich mir vorstellen, auch gemeinsam mit anderen in einer AG zu beleuchten. Die Moderation einer AG wurde mir zugestanden, als Ersatzreferentin für Hannelore Klafki wurde ich vorgesehen. Die uns alle völlig unerwartet erreichende Nachricht von Hannelores Tod führte dazu, dass ich während der Jahrestagung moderierte und referierte. Beim deckungsgleichen Thema sind Aussagenüberschneidungen darum nicht ganz zu vermeiden. Zusammensetzung der AG - Erfahrungen der Teilnehmer
Ich halte fest, dass die von der Ärzteschaft aus bürokratischen Gründen erstellte Diagnose für die Gruppenarbeit unwichtig ist. Wichtig sei - so mein Hinweis - festzustellen, was die/den Einzelnen aus dem Gleis gebracht und in psychiatrische Behandlung geführt hat. Ich berichte ein wenig von meinen Erkenntnissen. Es gibt - so meine Überzeugung - zumindest vor dem ersten seelisch bedingten Zusammenbruch ein gravierendes Lebensbewältigungsproblem, an dem die/der Einzelne zerbricht. Dieser Auslöser kann längere Zeit zurückliegen. Zudem gibt es Gründe, warum der/die Auslöser zum Auslöser werden konnte. Bei mir - so berichte ich - haben die länger anhaltenden schikanösen Maßnahmen meines Vorgesetzten (= Mobbing) zum Zusammenbruch geführt. Weil ich mich danach mit meiner Persönlichkeitsstruktur und denen meiner wichtigsten Bezugspersonen auseinander setzte und eine andere Lebenseinstellung zulegte, ist es mir gelungen, ein neues seelisches Gleichgewicht zu erlangen. Ich berichte ein wenig von meinem Weg, der im Referat ausführlicher beschrieben ist. Persönlichkeitsstruktur
Wir erarbeiten, dass es sich hierbei um eine erworbene und nicht um eine angeborene Persönlichkeitsstruktur handelt. Es zeigt sich deutlich, dass Beziehungsstörungen zum seelisch bedingten Zusammenbruch und in psychiatrische Behandlung führen. Das Problem ist: Der so ausgestattete Mensch hat es schwer, sich zu erlauben, eine Veränderung herbeizuführen. Er hat nicht gelernt, seine Bedürfnisse durchzusetzen. Es wird festgestellt, dass allgemein ein Schlüssel zur Bewältigung der Depression und deren Folgen die Suche nach dem eigenen Selbst ist. Wichtig ist herauszufinden, wann und in welchem Zusammenhang z.B. Verletzungen auftraten. Nur so ist es nach meiner Überzeugung nachhaltig möglich, ein anderes Verhalten anzutrainieren und eine andere Einstellung zum Leben zu erlangen, was langfristig dazu führt, Symptomverdrängung durch Medikamente zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Lösungsstrategie
Öffentlichkeitsarbeit In eigener Sache
Bei den Teilnehmern der AG bedanke ich mich auf diesem Weg nochmals für die konstruktive Mitarbeit. Anke Griesel sowie Pierre Heinecke danke ich herzlich für Protokoll und Ergänzungen, die für die Erstellung dieses Berichtes sehr nützlich waren. Ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit. |
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AG5:
"ABSETZEN VON PSYCHOPHARMAKA -
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Moderation: Peter Lehmann Thema der AG sollte der Entschluss zum Absetzen psychiatrischer Psychopharmaka - Motivation, Zeitpunkt, Umfeld etc. - sein, positive und negative Erfahrungen sollten zusammengetragen und die Möglichkeiten eines relativ gefahrlosen Absetzens ausgelotet werden. Bei ca. 60 TeilnehmerInnen von einer Arbeitsgruppe zu sprechen, wäre kühn, eher war es eine Podiumsdiskussion. Die große Zahl der TeilnehmerInnen hatte mit dem für viele existentiellen Thema zu tun, zum anderen hatte sich der Hauptreferent Marc Rufer, der wie ich und mit mir schon seit 20 Jahren am selben Thema arbeitet, der Gruppe als Co-Moderator angeschlossen. Die Interessen waren vielfältig, die Diskussion lebhaft. Zuerst ging Marc Rufer auf Fragen ein, die nach seinem Vortrag noch offen waren, dann widmeten wir uns dem umfangreichen Thema "Absetzen" von allen Seiten und in all seinen Nuancen, Ausprägungen und Verästelungen. Von der Frage der genetischen Verursachung psychischer Probleme über den Sinn der Diagnostik, insbesondere der umstrittenen "Schizophrenie", über das so genannte Kompetenznetz Schizophrenie (incl. der geplanten vorbeugenden Neuroleptika-Verabreichung an später möglicherweise als psychisch krank diagnostizierter Kinder) stießen wir auf unmittelbar absetzbezogene Themen wie Schlafstörungen, die sowohl Entzugsprobleme wie auch erste ernstzunehmende Anzeichen wiederkehrender psychischer Notlagen sein können. Wir sprachen über Vorausverfügungen aller Art, mit der sich Psychiatriebetroffene rechtlich gegen unerwünschte Behandlungen und Betreuer abzusichern versuchen können für den Fall befürchteter unerwünschter psychiatrischer Maßnahmen bei Wiederauftreten psychischer Probleme. Lithium sowie Rezeptorenveränderungen bei herkömmlichen und so genannten atypischen Neuroleptika waren ebenso Thema wie die Frage, wie Abhängigkeit eigentlich definiert ist. Dass die ursprünglichen Probleme, die zur Psychopharmaka-Einnahme geführt hatten, mit dem Absetzen der Substanzen nicht verschwunden sind, war unstrittiger Konsens wie auch die Einsicht, dass insbesondere nach längerer Zeit der Einnahme das Absetzen langsam und stufenweise stattfinden sollte, begleitet von Reflexion evtl. in einer Selbsthilfegruppe (ohne Besserwisserei) oder in Therapie. Angesprochen wurde, dass Ärzte oft uninformiert sind und es von daher notwendig ist, sich selbst über mögliche Entzugsprobleme zu informieren, z.B. im Internet unter frei zugänglichen Medikamentenverzeichnissen, siehe www.peter-lehmann.de/medikamente.htm, über vorhandene Fachliteratur. Kostenfreies Infomaterial kann angefordert
werden:
Nach der Pause war die Zahl der TeilnehmerInnen nahezu unverändert. Der vorgegebene Zeitrahmen wurde bis zur allerletzten Minute ausgeschöpft, und hätte ich Marc Rufer nicht rasch zum Bahnhof fahren müssen, würden wir vermutlich heute noch mit rauchenden Köpfen in Kassel diskutieren. oben |
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AG 6: ÖFFENTLICHE DARSTELLUNG DES BPE |
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Von Jurand Daszkowski In unserer Arbeitsgruppe unter der Leitung
von Karl-Heinz Eßer haben uns Gedanken gemacht über Image des BPE. Als Fazit: Man hat in der Gruppe
vorgeschlagen, eine Befragung über das Außenbild und Außendarstellung
des BPE durchzuführen bei einer größeren Zahl von Personen, die Nichtmitglieder
sind: beispielsweise Professionelle, Angehörige und Betroffene. |
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AG7:
"WAS HAT DAS PERSÖNLICHE BUDGET
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Moderation: Franz-Josef Wagner In der Arbeitsgruppe waren 12 Teilnehmer anwesend, wobei nur ca. 80% Psychiatrie Erfahrene bzw. Angehörige waren und der Rest Professionelle von Organisationen. Ich hatte die Vormittags-Arbeitsgruppe in 5 Blöcke aufgeteilt.
Am Nachmittag bestand die Diskussion in der Möglichkeit
der Kombination des Persönlichen Budgets mit der Arbeit. Hier wurde verstärkt
auf Alternativen im Ausland hingewiesen und der evtl. Umsetzung in einem
deutschen Bundesland. |
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AG
8: SCHREIBEN ALS ALTERNATIVE THERAPIE
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Leitung/Referent: Gangolf Peitz, Schriftsteller & Künstler/Altenpflegehelfer Gedichte schreiben hilft "Am Anfang war das Wort..." - Schreiben, das festgehaltene persönliche Wort, ob konkret oder verschlüsselt verfasst, hat enorme Wirkkraft und kann ein gutes Stück Klärung, Selbsthilfe und Genesung verschaffen. Schreiben ist Ausdruck und Mitteilung von Gedanken und Gefühlen, ist Kommunikation nach innen und außen, Gespräch mit sich selbst, mit den Anderen, mit der Umwelt. In Gedichten be-schreiben, ver-dichten, kompri-mieren wir Erlebnisse, Erfahrungen, Wünsche, Hoffnungen ... und lassen diese heraus. Die von mir initiierte und geleitete, insgesamt 3stündige
Arbeitsgruppe fasse ich wie folgt zusammen. 9 TeilnehmerInnen (TN) -7
Herren und 2 Damen- fanden sich ein, was von selbigen als ideale Größe
für die-ses Seminar empfunden und bezeichnet wurde. Durchschnittsalter
der Gruppe: Mitte 30, die bildungsbezogene bzw. berufliche Zuordnung/Herkunft
war (angenehm) "quer Beet" verteilt: von Hausfrau, Handwerker bis zum
Akademiker. Gemeinsam stellten wir fest, dass das Verarbeiten eigener Erlebnisse und Bewegnisse mittels des "Vehikels" Gedicht für das seelische Befinden des Autors positiv nutzbar ist. Lyrikarbeit bietet sich vor allem bei persönlichen, sozialen Krisen- und Krankheitssituationen an. Voraussetzungen sind primär, wenn nicht einzig: Interesse & Spaß an Literatur bzw. Beschäftigung mit Text - was auch geweckt und angeregt werden kann- sowie ei-ne nicht zu stark eingeschränkte Konzentration fürs Schreiben und Lesen (was hier bedauerlicherweise - auch kontraproduktiv- leider Medikamente mitunter leisten.) Im Einzel-Gedicht, welches inhaltlich ja meist auf e i n Thema fokussiert ist, können wir uns (selbst) z.B. gezielt Trost spenden, Mut machen, uns beruhigen, Kritik äußern, "Dampf ablassen" (also Aggressionen entspannen), biografische Probleme bewusst machen, den poetischen Humor als Medizin nutzen, Glückserlebnisse der Vergangenheit herausfischen und verstärkt wirken lassen etc. Ich illustrierte dies per Rezitation an Beispielen konkreter Gedichte aus meinem Buch "Kaleidoskop". Mit einem Gedicht eine anspruchsvolle, wertvolle - und auch mitteilbare allgemeinere - (zeitlose) kulturelle Leistung zu vollbringen, ist sinnvoller therapeutischer Ansatz und Ansporn überdies. Im praktischen 2. Teil des Seminars am Mittag wurde aktiv gearbeitet. Jeder schrieb (s)ein Gedicht. Dabei ent-flossen der Feder der AG-TeilnehmerInnen ausgesprochen gelungene, gehaltvolle Gedichte - ernst wie heiter, gereimt wie ungereimt vom Genré -, eines auch in sym-pathischer Mundart. Der Vortrag eines dieser Gedichte beim AG-Resümee am Sonntag erntete im Plenum großen Beifall. Unter dem Titel "Kasseler Lyrikmosaik" ist jetzt ein attraktives Lyrik-Faltblatt mit dem poetischen Ergebnis der AG entstanden, welches jeder TN erhält. Positiv bewertet wurde von der Gruppe, dass hier eine AG angeboten wurde, die seelische Probleme, Krisen und Fragen nicht in medizinisch-therapeutischen, (ver-) wissenschaftlich(t)-en Kategorien -und deren Vokabular/Fachsprache- angeht, sondern über einen anderen, alternativen, kreativen Weg, - den der Literatur. Zugestimmt wurde meinem Wunsch, meiner Forderung, aktive Literatur- und Poesiearbeit mit und für Patienten - zu deren Hilfe und Selbsthilfe - mehr (bzw. überhaupt erst!) anzubieten und zu fördern, auch in Kliniken und Einrichtungen. Dies gibt es viel zu wenig, bei nachweisbar guten Erfolgen im individuellen persönlichen ‚Fall'. Handwerkliche Fertigkeiten fürs Texten sind lernbar und kreatives Potential steckt gerade im erkrankten, gehan-dicapten Mensch. Schreibprobleme, Schreibhemmungen sind - vorteilhaft in einer Gruppe- überwindbar. Aus meiner Sicht und Erfahrung sind bei literarischer Patientenarbeit Autoren und Schriftsteller die richtigen bzw. auch besseren "Wegbegleiter" als Professionelle aus medizinischen, therapeutischen oder gar medien-kaufmännischen Berufen. Vielleicht ist hier ein Weg über die Selbsthilfeverbände ein gangbarer, lohnenswerter und Erfolg versprechender. Immerhin empfehlen auch unsere Krankenkassen Schreiben und Lesen adäquater Literatur bei Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatischen Beschwerden oder bei Blutdruck- und Pulsproblemen. Auf Anfrage mehrerer Tagungsbesucher hin verfasse ich nach meinem AG-Skript ein kleines Büchlein zum Thema, da Mangel und offenbar auch Bedarf an spezieller Literatur fehlt. Wenn wir Zustände, Ängste, Sorgen, Erinnerungen, Wünsche, Hoffnungen, Spuren im Gedicht transportieren, uns frei, sprich Ballast von der Seele schreiben, können seelische Probleme als Selbsthilfe individuelle Entspannung erfahren und Lösungswege wie Ziele gefunden werden. Gedichte schreiben kann sinnvoll und erfolgreich auch in therapeutisches Gespräch sowie heilende Gesamtkonzepte integriert werden. Gedichte schreiben hilft. So lautete schließlich das übereinstimmende Fazit unserer AG, die allen großen Spaß bereitet hat. Allgemeine und spezielle Fragen konnten von mir beantwortet werden. Es wurde angeregt diskutiert, sehr interessiert und engagiert gearbeitet. In der Feedback-Schlussrunde hieß es, man habe Neues erfahren und mitnehmen können. Eine Fortsetzung dieser AG-Arbeit wurde ausdrücklich gewünscht. Worte heilen. - Mein Fazit in einem Wortspiel: Wenn sich unser Leben reimen soll, brauchen wir Reime. |
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AG
9: DAS LONDONER WESTMINSTER UND CHELSEA CRISIS RESOLUTION TEAM ALS PUFFER
ZWISCHEN KLINIK UND ZUHAUSE
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Zusammenfassung einiger Grundideen aus
der Arbeitsgruppe 9, geleitet von Ronald John Bartle und Karin Roth, Nachdem Ronald John Bartle vormittags über
seine Erfahrungen mit dem Londoner Westminster und Chelsea Crisis Resolution
Team berichtet hatte, stellte Karin Roth nachmittags ein paar Grundannahmen
der Theorie des "Sozialen Konstruktionismus" vor und ihre Implikationen
für unser Verständnis von Krisen und Krisenbegleitung. Die erste Annahme des Sozialen Konstruktionismus
besagt: Auf die Fragen "Was ist eine "Krise", was
ist "Liebe", was ist "Glück"?" kann es jeweils viele verschiedene Antworten
geben. Unsere Beschreibungen und Erklärungen sind dabei abhängig von der
Wissenstradition, in der wir uns gerade bewegen. Eine zweite Grundidee des Sozialen Konstruktionismus
ist folgende: Die Bedeutung des Wortes "Liebe" zum Beispiel,
ergibt sich aus der Art und Weise, in der dieses Wort in Beziehungen verwendet
wird. In meiner Beziehung zu meinem Kater hat das Wort "Liebe" eine andere
Bedeutung als in meiner Beziehung zu meiner Freundin oder zu meinem Nachbarn.
Was wir über uns und die Welt für wahr halten, ist kein Produkt des individuellen
Geistes. Der individuelle Geist erschafft weder Sinn und Bedeutung, noch
Sprache und entdeckt auch nicht die wahre Beschaffenheit der Welt. Sinn
und Bedeutung ergeben sich aus aufeinander bezogenen Interaktionen zwischen
Menschen, aus Diskussionen, Verhandlungen und Übereinstimmungen. Eine weitere wichtige Grundidee des Sozialen
Konstruktionismus ist folgende: Nicht nur unsere Sprache, auch unser übriges
Verhalten - Rituale, Traditionen, "Lebensformen" - ist an Beziehungen
gebunden. Z.B. Wörter wie "Krankheitsuneinsichtigkeit", "Zeuge", "Gesetz"
sind für die Rechtsprechung unverzichtbar. Unser psychosoziales System
ist auf Begriffe wie "Betreuer", "Wohntraining", "Prävention", "Zwangsbehandlung"
angewiesen. Ohne solche - von vielen Personen geteilte - Beschreibungs-
und Erklärungsformen hätten Institutionen nicht ihre gegenwärtige Form.
Es wäre schwierig, eine Liebesbeziehung aufrechtzuerhalten ohne Worte
wie "Liebe", "Begehren", "Hoffnung", "Zuneigung". Unsere eigenen Veränderungen und die unserer
Beziehungen und unserer Kultur, bedürfen nicht des Eingriffs von Expertinnen,
Gesetzen, öffentlichen Maßnahmen etc. Eine vierte Grundannahme der Sozialen Konstruktionismus
ist: Jede Tradition verschießt die Tür zu Neuem
und jede Neuschöpfung untergräbt eine Tradition. Was sollen wir bewahren?
Die Erzeugung "guter Gründe" für oder gegen etwas, vollzieht sich immer
innerhalb einer Tradition. In dieser Tradition enthalten sind bestimmte
Konstruktionen des Wahren und des Guten und die stillschweigende Ablehnung
von Alternativen. Unsere "wohlüberlegten Urteile" sind meist blind gegenüber
Alternativen, die außerhalb unserer Tradition liegen. Kritische Reflexion muss nicht notwendig in der Ablehnung von Traditionen enden, vielmehr sollen Traditionen als solche erkannt werden, als Produkte eines spezifischen historischen und kulturellen Kontextes. Es geht auch um die Anerkennung der Legitimität anderer Traditionen. Letztendlich soll ein Dialog gefördert werden, der die Grenzen zwischen Wissenden und Unwissenden und zwischen Lehrenden und Lernenden, Betreuern und Betreuten, Therapeutinnen/Sozialarbeitern und Klientinnen/Nutzern/Patientinnen verwischt. Wir werden eingeladen, uns unserer Prägung auf bestimmte Wertetraditionen bewusst zu werden. |
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