Eine Reise nach Bregenz oder kein Urlaub für Forensiker?
Reisebericht von Siegfried Metzger
Zusammenfassung: Norbert Südland
Im Jahr 2003 gab es Weihnachtsurlaub. Am Montag, den
29.12.2003 fuhr ich in voller Urlaubsstimmung mit dem Zug von Bad Schussenried
über Lindau in Richtung Bregenz. Ich stieg eine Station zu spät aus und
war in St. Margarethen in der Schweiz. Bei der Passkontrolle gab es keine
Schwierigkeiten, weil ich einen Ausweis mit Reutlinger Adresse vorzeigte.
In einem Tabakladen merkte ich, dass ich meine €uros in
Schweizer Franken wechseln musste. Ich trank noch zwei Bier in St. Margarethen
und fuhr nach 19:00 Uhr zurück nach Bregenz. Um etwa 20:00 Uhr war ich
in Bregenz. Ich war am Ziel. Ich rief meinen Bruder in Zainingen und meine
Freunde in Reutlingen an, wobei ich die Vorwahl für Deutschland am Bahnhofsschalter
erfragen konnte. Meine Freunde in Reutlingen waren glücklich, mein Bruder
meinte, ich solle zurückgehen.
Ich genoss das Leben in Bregenz und suchte ab 23:00 Uhr
nach einem Nachtquartier. Im Jungendhaus war gerade eine Party. Nachdem
ich der letzte Gast bei einer Imbissbude gewesen war, ging ich wieder
zum Jugendhaus und fragte die jungen Leute, ob sie im Haus eine Liege
für einen Schlafsuchenden hätten. Einige meinten, das gehe schon. Ein
Junge interessierte sich besonders für mich. Ich erzählte ihm, dass ich
aus Deutschland kam und dort eingesperrt war, nur weil ich einen Jungen
verhauen hatte. Ich bekam von dem Jugendlichen ein Bier und Torten zum
Essen.
Der Junge brachte mich ins Kolpinghaus und sorgte dafür,
dass ich mitten in der Nacht ein Einzelzimmer bekam. Ich musste dazu nur
meinen Namen schreiben und sollte mich am nächsten Morgen bei der Aufsicht
melden. Ich schlief gleich fest ein. - Bei der "Reise nach Bregenz" hatte
alles geklappt.
Am nächsten Morgen gab es Frühstück. Dann durfte ich mich
mit einer Betreuerin, einer Psychologin, unterhalten. Ich gab an, dass
ich vom ZfP Bad Schussenried / Deutschland weg gegangen sei, um meinen
Winterurlaub in Bregenz zu nehmen. Ich sprach viel mit der Psychologin,
sie sagte, ich müsste nicht gleich zurück nach Bad Schussenried, theoretisch
könnte ich im Kolpinghaus bleiben. Sie gab mir die Erlaubnis, mit einem
österreichischen Arzt zu reden; dieser fragte mich über meine Vergangenheit
aus, die ich in Deutschland und England erlebt hatte. Um etwas zu erleben,
hatte ich auch einen schweren Autounfall, als ich aus einem fahrenden
Krankenwagen gesprungen war, der mich in die Psychiatrie bringen wollte.
Mit diesem Ereignis beginnend bis zu meiner Reise nach Bregenz tauschte
ich mich mit dem Arzt aus, viele psychiatrische Dinge waren dabei.
Die Psychologin sagte mir ihren Namen, sie hieß Catharina,
und lud mich zum Mittagessen ein. So verbrachte ich den ganzen Dienstag
im Kolpinghaus; nur morgens bin ich in einen Tabakladen gegangen und kaufte
mit meinem letzten Geld Zigarettentabak und Blättchen ein. Mit den paar
€uro, die ich noch hatte, ließ ich mir Capuccino am Kaffeeautomat raus,
es war ein interessanter Tag. Catharina erlaubte mir, noch eine Nacht
im Kolpinghaus zu verbringen. Ich bekam wieder dasselbe Zimmer wie die
Nacht zuvor und sogar ein Nachthemd. Ich war am Einschlafen und löschte
das Licht.
Plötzlich war lautes Getöse zu hören. Mein Zimmer wurde
fast aufgebrochen und eine Anzahl österreichischer Polizisten standen
mit einem Haftbefehl vor mir. Ich zog meine Hose ohne Gürtel an, meine
Uhr durfte ich anziehen, mein Hemd und meine Jacke samt Geldbeutel, Gürtel
und Zigarettentabak wurde in Gewahrsam genommen. Ich durfte in dem Bus
der Gendarmerie hinten unangeschnallt sitzen. Ich bestätigte durch Unterschrift,
dass ich auch Österreicher bin, was stimmt. Zur Festnahme kam es durch
einen deutschen Psychiater.
Ich übernachtete in einer Arrestzelle, wo ich Jacke und
Uhr anbehalten durfte. Ich war nüchtern und schlief sehr gut. Am nächsten
Morgen wurde mir mitgeteilt, dass man mich in eine Bregenzer Psychiatrie
bringen werde. Mit Handschellen wurde ich durch Bregenz gefahren. Meine
Wertsachen waren in meinem Hemd verstaut, das ich in dem Gebäude bekommen
sollte.
Dort erwarteten mich zwei Pfleger aus Bad Schussenried.
Wir waren uns alle freundlich gesinnt. Mit den Pflegern fuhr ich in einem
Taxi nach Bad Schussenried zurück. So wurde mein Winterurlaub in Bregenz
beendet.
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