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Rundbrief

Neu: Online Ausgabe 4/2005

Eine Reise nach Bregenz oder kein Urlaub für Forensiker?

Reisebericht von Siegfried Metzger
Zusammenfassung: Norbert Südland

Im Jahr 2003 gab es Weihnachtsurlaub. Am Montag, den 29.12.2003 fuhr ich in voller Urlaubsstimmung mit dem Zug von Bad Schussenried über Lindau in Richtung Bregenz. Ich stieg eine Station zu spät aus und war in St. Margarethen in der Schweiz. Bei der Passkontrolle gab es keine Schwierigkeiten, weil ich einen Ausweis mit Reutlinger Adresse vorzeigte.

In einem Tabakladen merkte ich, dass ich meine €uros in Schweizer Franken wechseln musste. Ich trank noch zwei Bier in St. Margarethen und fuhr nach 19:00 Uhr zurück nach Bregenz. Um etwa 20:00 Uhr war ich in Bregenz. Ich war am Ziel. Ich rief meinen Bruder in Zainingen und meine Freunde in Reutlingen an, wobei ich die Vorwahl für Deutschland am Bahnhofsschalter erfragen konnte. Meine Freunde in Reutlingen waren glücklich, mein Bruder meinte, ich solle zurückgehen.

Ich genoss das Leben in Bregenz und suchte ab 23:00 Uhr nach einem Nachtquartier. Im Jungendhaus war gerade eine Party. Nachdem ich der letzte Gast bei einer Imbissbude gewesen war, ging ich wieder zum Jugendhaus und fragte die jungen Leute, ob sie im Haus eine Liege für einen Schlafsuchenden hätten. Einige meinten, das gehe schon. Ein Junge interessierte sich besonders für mich. Ich erzählte ihm, dass ich aus Deutschland kam und dort eingesperrt war, nur weil ich einen Jungen verhauen hatte. Ich bekam von dem Jugendlichen ein Bier und Torten zum Essen.

Der Junge brachte mich ins Kolpinghaus und sorgte dafür, dass ich mitten in der Nacht ein Einzelzimmer bekam. Ich musste dazu nur meinen Namen schreiben und sollte mich am nächsten Morgen bei der Aufsicht melden. Ich schlief gleich fest ein. - Bei der "Reise nach Bregenz" hatte alles geklappt.

Am nächsten Morgen gab es Frühstück. Dann durfte ich mich mit einer Betreuerin, einer Psychologin, unterhalten. Ich gab an, dass ich vom ZfP Bad Schussenried / Deutschland weg gegangen sei, um meinen Winterurlaub in Bregenz zu nehmen. Ich sprach viel mit der Psychologin, sie sagte, ich müsste nicht gleich zurück nach Bad Schussenried, theoretisch könnte ich im Kolpinghaus bleiben. Sie gab mir die Erlaubnis, mit einem österreichischen Arzt zu reden; dieser fragte mich über meine Vergangenheit aus, die ich in Deutschland und England erlebt hatte. Um etwas zu erleben, hatte ich auch einen schweren Autounfall, als ich aus einem fahrenden Krankenwagen gesprungen war, der mich in die Psychiatrie bringen wollte. Mit diesem Ereignis beginnend bis zu meiner Reise nach Bregenz tauschte ich mich mit dem Arzt aus, viele psychiatrische Dinge waren dabei.

Die Psychologin sagte mir ihren Namen, sie hieß Catharina, und lud mich zum Mittagessen ein. So verbrachte ich den ganzen Dienstag im Kolpinghaus; nur morgens bin ich in einen Tabakladen gegangen und kaufte mit meinem letzten Geld Zigarettentabak und Blättchen ein. Mit den paar €uro, die ich noch hatte, ließ ich mir Capuccino am Kaffeeautomat raus, es war ein interessanter Tag. Catharina erlaubte mir, noch eine Nacht im Kolpinghaus zu verbringen. Ich bekam wieder dasselbe Zimmer wie die Nacht zuvor und sogar ein Nachthemd. Ich war am Einschlafen und löschte das Licht.

Plötzlich war lautes Getöse zu hören. Mein Zimmer wurde fast aufgebrochen und eine Anzahl österreichischer Polizisten standen mit einem Haftbefehl vor mir. Ich zog meine Hose ohne Gürtel an, meine Uhr durfte ich anziehen, mein Hemd und meine Jacke samt Geldbeutel, Gürtel und Zigarettentabak wurde in Gewahrsam genommen. Ich durfte in dem Bus der Gendarmerie hinten unangeschnallt sitzen. Ich bestätigte durch Unterschrift, dass ich auch Österreicher bin, was stimmt. Zur Festnahme kam es durch einen deutschen Psychiater.

Ich übernachtete in einer Arrestzelle, wo ich Jacke und Uhr anbehalten durfte. Ich war nüchtern und schlief sehr gut. Am nächsten Morgen wurde mir mitgeteilt, dass man mich in eine Bregenzer Psychiatrie bringen werde. Mit Handschellen wurde ich durch Bregenz gefahren. Meine Wertsachen waren in meinem Hemd verstaut, das ich in dem Gebäude bekommen sollte.

Dort erwarteten mich zwei Pfleger aus Bad Schussenried. Wir waren uns alle freundlich gesinnt. Mit den Pflegern fuhr ich in einem Taxi nach Bad Schussenried zurück. So wurde mein Winterurlaub in Bregenz beendet.

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