zurück zum Inhalt der Online Ausgabe 4/2005

Rundbrief

Neu: Online Ausgabe 4/2005

 

Die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen
verstehen und bewältigen

Rezension von: Susanne Fricke / Iver Hand,
Zwangsstörungen verstehen und bewältigen - Hilfe zur Selbsthilfe

Anleitung zur Selbsttherapie mit vielen Beispielen und praktischen Tipps. Geeignet für Leute, die mit ihren Zwängen nicht mehr zurecht kommen, keine andere Möglichkeit der Abhilfe sehen und sich weder durch den etwas lehrerhaften Ton, angesiedelt zwischen Herablassung und Kumpelhaftigkeit, stören lassen noch durch die Tatsache, dass das aktuelle Forschungsprojekt der "Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen" (DGZ), dessen Gründungsvorsitzender Iver Hand ist und dessen Wissenschaftspreis 2003 Susanne Fricke erhielt, laut der im Buch angegebenen DGZ-Website aus stereotaktischer Tiefenhirnstimulation besteht, siehe Anmerkung am Ende des Rezensionstextes. Diese 2. Auflage begnügt sich mit dem Hinweis auf Selbsthilfegruppen (ausschließlich den eigenen Verband), Psychotherapie und natürlich synthetische Psychopharmaka, speziell die marktaktuellen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Diese werden trotz ihrem Risikoreichtum und der bekannten möglichen Schäden verharmlosend dargestellt ("meistens gehen die Nebenwirkungen nach ein bis zwei Wochen wieder weg"), paradoxe Reaktionen wie z.B. suizidale Wirkungen oder Rezeptorenveränderungen (Downregulation) und demzufolge körperliche Abhängigkeit, steigende Dosierungen zwecks Beibehaltung der Wirkung und Entzugsprobleme beim Absetzen werden gar nicht erwähnt - Pharmasponsering lässt grüßen. Wer sich über den Sinn und Zweck der Einnahme von Psychopharmaka informieren will, für den bzw. die wird der Hausarzt oder die Psychiaterin als einzig "richtiger Ansprechpartner" empfohlen. Die Geringschätzung des Erfahrungsschatzes von Betroffenen könnte kaum deutlicher zum Vorschein kommen. Anmerkung: Unter www.zwaenge.de/aktuelles/media/Tiefenhirnstimulation.pdf, quasi im Anhang des Buches, finden Interessierte Adressen von Ansprechpartnern der DGZ, wenn sie sich ihre Schädeldecke aufbohren und eine Stimulationselektrode in den rechten Nucleus accumbens, eine spezielle Hirnregion, einsetzen lassen wollen. Da der Neurochirurg nach der Operation den Impulsgenerator, der unterhalb des Schlüsselbeins in den Körper eingebaut wird, auf die geeignete Stimulationsintensität und -frequenz programmiert, um Zwangssymptome zu unterdrücken, wäre die Bedienung des Impulsgenerators durch den auf die Haut aufgelegten Programmierkopf ein weitergehender Schritt zur sozialpsychiatrischen Selbsthilfe. Die Betroffenen könnten auf diese (elektromagnetische) Weise die Fernsteuerung in ihrem Gehirn selbstbestimmt und gemeindenah ein- und ausschalten. Da es sich um ein aktuelles Forschungsprojekt der DGZ handelt, ist dieses Thema in der vorliegenden zweiten Auflage des Buches leider noch nicht ausgeführt, man darf also auf die nächste Auflage gespannt sein.

Kartoniert, 125 Seiten, ISBN 3-88414-365-4. Bonn: Psychiatrieverlag, 2. Auflage 2005. € 12.90 / sFr 23.50

oben

zurück zum Inhalt der Online Ausgabe 4/2005