Die
Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen
verstehen und bewältigen
Rezension von: Susanne Fricke / Iver Hand,
Zwangsstörungen verstehen und bewältigen - Hilfe zur Selbsthilfe
Anleitung
zur Selbsttherapie mit vielen Beispielen und praktischen Tipps. Geeignet
für Leute, die mit ihren Zwängen nicht mehr zurecht kommen, keine andere
Möglichkeit der Abhilfe sehen und sich weder durch den etwas lehrerhaften
Ton, angesiedelt zwischen Herablassung und Kumpelhaftigkeit, stören lassen
noch durch die Tatsache, dass das aktuelle Forschungsprojekt der "Deutschen
Gesellschaft für Zwangserkrankungen" (DGZ), dessen Gründungsvorsitzender
Iver Hand ist und dessen Wissenschaftspreis 2003 Susanne Fricke erhielt,
laut der im Buch angegebenen DGZ-Website aus stereotaktischer Tiefenhirnstimulation
besteht, siehe Anmerkung am Ende des Rezensionstextes. Diese 2. Auflage
begnügt sich mit dem Hinweis auf Selbsthilfegruppen (ausschließlich den
eigenen Verband), Psychotherapie und natürlich synthetische Psychopharmaka,
speziell die marktaktuellen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Diese werden
trotz ihrem Risikoreichtum und der bekannten möglichen Schäden verharmlosend
dargestellt ("meistens gehen die Nebenwirkungen nach ein bis zwei Wochen
wieder weg"), paradoxe Reaktionen wie z.B. suizidale Wirkungen oder Rezeptorenveränderungen
(Downregulation) und demzufolge körperliche Abhängigkeit, steigende Dosierungen
zwecks Beibehaltung der Wirkung und Entzugsprobleme beim Absetzen werden
gar nicht erwähnt - Pharmasponsering lässt grüßen. Wer sich über den Sinn
und Zweck der Einnahme von Psychopharmaka informieren will, für den bzw.
die wird der Hausarzt oder die Psychiaterin als einzig "richtiger Ansprechpartner"
empfohlen. Die Geringschätzung des Erfahrungsschatzes von Betroffenen
könnte kaum deutlicher zum Vorschein kommen. Anmerkung: Unter www.zwaenge.de/aktuelles/media/Tiefenhirnstimulation.pdf,
quasi im Anhang des Buches, finden Interessierte Adressen von Ansprechpartnern
der DGZ, wenn sie sich ihre Schädeldecke aufbohren und eine Stimulationselektrode
in den rechten Nucleus accumbens, eine spezielle Hirnregion, einsetzen
lassen wollen. Da der Neurochirurg nach der Operation den Impulsgenerator,
der unterhalb des Schlüsselbeins in den Körper eingebaut wird, auf die
geeignete Stimulationsintensität und -frequenz programmiert, um Zwangssymptome
zu unterdrücken, wäre die Bedienung des Impulsgenerators durch den auf
die Haut aufgelegten Programmierkopf ein weitergehender Schritt zur sozialpsychiatrischen
Selbsthilfe. Die Betroffenen könnten auf diese (elektromagnetische) Weise
die Fernsteuerung in ihrem Gehirn selbstbestimmt und gemeindenah ein-
und ausschalten. Da es sich um ein aktuelles Forschungsprojekt der DGZ
handelt, ist dieses Thema in der vorliegenden zweiten Auflage des Buches
leider noch nicht ausgeführt, man darf also auf die nächste Auflage gespannt
sein.
Kartoniert, 125 Seiten, ISBN 3-88414-365-4. Bonn: Psychiatrieverlag,
2. Auflage 2005. € 12.90 / sFr 23.50
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