|
Die Weigerung unserer biologischen Psychiater, von den
Patientenerfahrungen unserer seelisch verursachten Psychosen auszugehen,
z.B. als Aufbruch des eigenen Unbewussten, um vorausgegangene Lebenskrisen
zu lösen, die wir mit unseren bewussten Kräften nicht lösen konnten, und
die sie sponsernde mächtige Pharma-Industrie erfordern eine übergeordnete
Instanz und eine Person mit höchster Autorität an unserer Seite. Dies
kann nur Bundespräsident Köhler sein. Schon einmal erlebte ich 1989 die
schnelle Hilfe des damaligen Bundespräsidenten Richard v. Weizsäckers
in seiner Beendigung der Patientenversuche von Prof. Hanns Hippius und
seinem Team in der Münchener Universitätspsychiatrie. Als Psychiater und
Psychopharmakologe hatten er und seine Mitarbeiter für das Bundesinnenministerium
unter Dr. Wolfgang Schäuble Patienten durch Horror-Videos, Schlafentzug
und überhitzte Bäder in Panik versetzt, um an ihnen paniklösende Substanzen
für den Kriegs- und Katastrophenfall zu erproben.
Das Bundesinnenministerium hatte diese fälschlich als
"Therapie" deklarierten Patientenversuche seit 1986 mit jährlich 280 000,--
DM finanziert. In 4 Jahren bis Ende 1989 wären das 1 120 000,-- DM für
den Missbrauch in Panik versetzter Psychiatriepatienten, die soviel hilfreicher
in unseren Selbsthilfe-Projekten angewandt wären. Während die Regierung
Oberbayerns Proteste als "Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit" abwies,
reagierte Richard v. Weizsäcker auf meinen und meiner Schwester Protest
sofort. In der Ergänzung zur neuen Ausgabe meines Morgenstern-Buches findet
Ihr diesen Skandal beschrieben.
Und das ist mein Vorschlag:
Ein Antrag des BPE für eine Anhörung an einem "Tag der
Psychiatrie" beim Bundespräsidenten. Das Thema des Vormittags wäre die
Einführung einer auf den Erfahrungen und Bedürfnissen der PatientInnen
gründende Behandlung. Thema des Nachmittags wären die Heime und ihre Aufgabe,
die BewohnerInnen zu einem selbständigen Leben in betreuten eigenen Wohnungen
und kleinen Wohngemeinschaften zu befähigen. Prof. Klaus Dörner fordert
das schon lange.
Der Abend würde für die Planung einer Gedenkstätte für
die "mindestens 275 000 "Euthanasie"-Opfer" (nach dem Protokoll des Nürnberger
Ärzteprozesses) in der Berliner Tiergartenstraße 4 gelten. Dort hatten
namhafte Psychiatrie-Professoren von 1939-45 nur nach den in den Anstalten
beantworteten Fragebögen die Todesurteile über die zu vergasenden PatientInnen
mit einem roten Positivzeichen gefällt. Darum T4-Aktion.
Für den Vormittag sollten wir außer den Erfahrungsberichten
unserer BPE-Delegation solche Psychiater und Psychologen für kurze Erfahrungsberichte
einladen, die bereits von den Erfahrungen und Bedürfnissen der PatienInnen
ausgehen, die vor allem in Akutstationen Soteria-Elemente und Gespräche
anstelle der sofortigen Medikation mit Neuroleptika einführten.
Für die Heime am Nachmittag wären außer den Berichten
unserer Heimerfahrenen BPE-Experten die Erfahrungen solcher Fachleute
wichtig, die die Entlassung ihrer LangzeitbewohnerInnen aus Anstalten
und Heimen in eigene betreute Wohnungen und kleine Wohngemeinschaften
mit Zuverdienstfirmen in der Nähe und ihrer Integration in ihre Ortsgemeinden
seit Jahren erfolgreich durchführen, wie in Gütersloh.
Für den Abend mit der Planung einer Gedenkstätte für die
"Euthanasie"-Opfer sollten wir Ernst Klee einladen. Er kennt die Geschichte
der großen Beteiligung der Politiker, Psychiater, der 100 höchsten Juristen
und vieler Theologen an den rigorosen Zwangssterilisationen und den Patientenmorden
am besten. Ihre Voraussetzung war das psychiatrische Dogma von den nicht
seelisch, sondern erblich und körperlich verursachten und darum sinnlosen,
unheilbaren "endogenen Psychosen" und die völlig fehlenden Gespräche mit
uns. Wer außer uns sollte ein Interesse an einer Gedenkstätte mit einem
Dokumentationszentrum dieser Verbrechen haben? Und wer außer uns könnte
an einer Psychiatrie als einer auf unseren Erfahrungen gründenden Erfahrungswissenschaft
interessiert sein?
Noch am 20. April, 1979 prangerte die ZEIT auf der Titelseite
und im ZEIT-Magazin unmenschliche Zustände in deutschen Anstalten an.
Dieser jahrzehntelange Rückstand gegenüber Skandinavien, England, u.a.
ließ sich schon allein wegen der weiterlehrenden, an den Patientenmorden
selbst beteiligten Psychiatrieprofessoren und Anstaltsleiter bis heute
nicht wieder aufholen. Die Erforschung der seelisch verursachten Psychosen
in anderen Ländern fehlte bei uns ganz und wird auch heute nicht finanziert.
Der Umgang mit Medikamenten ließ sich am schnellsten erlernen.
Es geht bei der von mir vorgeschlagenen Aktion nicht um
die freiwillige Einnahme von Medikamenten, die viele von Euch als Hilfe
akzeptieren, sondern um die unter Zwang und angedrohten Spritzen erzwungene
sog. freiwillige Medikamenteneinnahme.
Der Eppendorfer fragt (Zitat):
"Ist die schwere Durchsetzbarkeit eines bedürfnisangepassten
Herangehens in Deutschland die Folge des Pharmasponsorings, wie Dr. Volkmar
Aderhold, UKE (Hamburg), in der Forumsabschlussdiskussion mutmaßte?" Wir
sind noch nicht so verkommen wie die amerikanische Psychiatrie, aber auf
dem Weg dahin." (Zitatende)
Ich wünsche Euch allen eine friedliche Jahrestagung!
Eure Dorothea Buck
Grußwort der DGSP
Sehr geehrte Damen und Herren!
Als Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für soziale
Psychiatrie, möchte ich im Namen des Gesamtvorstandes und der Geschäftsstelle
meine herzlichen Grüße ausrichten. Gerne wäre ich selber gekommen, um
Ihnen persönlich die Grußworte zu übermitteln. Aber zeitgleich findet
die Sitzung des erweiterten Vorstandes in Hannover statt.
Auf Ihrer Tagung wollen Sie sich mit psychischen Krisen
deren möglichen Ursachen und ebenso erfolgreichen Strategien befassen.
Als Psychiatrieerfahrene ein für wahr wichtiges Thema
- und für die Profis und Angehörigen? Auch für diese beiden Beteiligten
gilt ebenso das Lernen mit dem Umgang von Krisen der Psychiatrieerfahrenen
und das Annehmen von möglichen Lösungsstrategien.
Sie sind der Profi Ihrer Krankheit, Störung oder erlebten
Lebenssackgasse und wir nicht selten die Lernenden.
Ich wünsche Ihnen einen guten Verlauf und für Sie wichtige
Ergebnisse.
Günter Storck
|