Verbände
unterstützen BPE-Forderungen
Gleichstellung der Euthanasieopfer auf gutem
Wege Im letzen Rundbrief war der Brief unseres Verbandes an die Parteivorsitzenden
abgedruckt, in dem wir die Gleichstellung der Opfer der Erbgesundheitsgesetze
und des Euthanasieerlasses mit den anderen Opfern des NS-Regiemes gefordert
hatten. Im Einzelnen bedeutet dies:
- " Anullierung des Gesetzes Zur Verhütung erbkrankenNachwuchses
- " Anerkennung der Opfer als Verfolgte des Naziregimes
- " Errichtung einer nationalen Gedenkstätte in Form
eines Dokumentations- und Bildungszentrums
Alle Parteien haben noch vor der Bundestagswahl geantwortet
und zwar durchweg positiv, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Beim letzten Kontaktgespräch der Verbände wurde auch unsere Aktion thematisiert.
Im Ergebnis werden alle beteiligten Verbände (evangelische Behindertenhilfe,
Psychiatrie in der Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverbande, Arbeiterwohfahrt,
DGSP, Dachverband Gemeindespychiatrie und AKP), die in unserem Brief erhobenen
Forderungen unterstützen. Da das Ganze in den Verbänden noch durch die
Gremien gehen muss, wird die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung
allerdings erst beim nächsten Kontaktgespräch im Frühjahr 2006 erfolgen.
Die Vertreter der Verbände haben weiterhin zugesagt, dass sie sich dafür
einsetzen werden, am 1.September 2006 zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung
mit dem Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. und dem Bund der "Euthanasie"-Geschädigten
und Zwangssterilisierten e.V. aufzurufen, die im Tiergarten 4 in Berlin
stattfinden soll. Die DGPPN hat zugesagt unsere Forderungen mit einem
eigenen Brief zu unterstützen und bei Realisierung der Gedenkstätte Ihr
Aktenbestände in das Dokumentationszentrum einzubringen. Wir selbst werden
uns nach der Regierungsbildung noch einmal an die neue Bundesregierung
wenden und uns dabei auf die Antwortschreiben von CDU und SPD beziehen.
Des Weiteren sich Schreiben an den Bundespräsidenten, die Deutsche Bischofskonferenz
und den Kirchentagspräsidenten geplant.
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Neue Westfälische 9.9.2005
Das NS-Rassegesetz ist nicht für nichtig erklärt
Ehrung für die Euthanasie-Opfer
m Kreis Herford (bra). Das
Rassegesetz der Nazis, das die Sterilisation oder gar die Tötung Behinderter
möglich machte, ist nur ausgesetzt, nicht aber für nichtig erklärt worden.
Diesen juristischen Tatbestand machte Ruth Fricke von der Gruppe "Hilfe
für verletzte Seelen" öffentlich bei der Ehrung für die Euthanasie-Opfer.
Am Mahnmahl auf dem Deichtorwall in Herford hatten der Kreis Herford,
die Stadt Löhne und die Selbsthilfegruppe Kränze niedergelegt. Die Feierstunde
war von kontrastreicher Art. Während sich mehr als 30 Leute mit einem
ernsten Thema auseinander setzten, nutzten Jogger und Radler den warmen
Spätsommerabend für eine lockere Wallrunde - vorbei am Mahnmal.
Ein zentrales Mahnmal fordert indes der Bundesverband für Psychiatrie-Erfahrene
im Gedenken an insgesamt 400.000 Menschen, die sterilisiert und 300.000,
die ermordet wurden.
Im Kreis Herford gab es 415 Fälle von Zwangssterilisation. "Und das öffentliche
Gesundheitswesen hat ermittelt und begutachtet, war also direkt beteiligt",
erklärte die Landrätin Lieselore Curländer.
Bürgermeister Bruno Wollbrink nannte das Beispiel einer städtischen Kindergartengruppe
mit 80 "schwer Erziehbaren". Sie wurde am 14. Juli 1933, also fünf Monate
nach der so genannten Machtergreifung geschlossen. Dieses geschah gegen
den ausdrücklichen Willen der Eltern.
Der
damalige Oberbürgermeister Kleim begründete die Schließung damit dass,
"der nationalsozialistische Staat mit Recht ablehnt, teure Einrichtungen
für wenige erblich belastete Kinder zu unterhalten." Auf der "Erbkrankenliste"
die im Kommunalarchiv bewahrt wird, stehen 1.510 Namen. Die Betroffenen
waren angezeigt worden vom Gesundheitsamt, dem Kreiswohlfahrtsamt, von
Amtsbürgermeistern aber auch von Ärzten und der Wehrmacht, die durch Tauglichkeitsuntersuchungen
auf Behinderungen aufmerksam geworden waren.
85 Prozent der Vorgeladenen wurden zur Zwangssterilisation verurteilt.
Die Täter wurden kaum verfolgt. Der damalige Amtsarzt für das Stadt-Gesundheitsamt,
Dr. Sieber, behielt seinen Posten bis lange nach Kriegsende.
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Gedenken: Herfords Bürgermeister
Bruno Wollbrink, Landrätin Lieselore Curländer und Ruth Fricke
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