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Rundbrief

Neu: Online Ausgabe 4/2005

Gemeinsam statt einsam - 10 Jahre LPEN !!!
Ein Blick auf die Gründung im Jahr 1995

Rede von Christoph von Seckendorff am Samstag, den 22. Oktober 2005
im "Kulturtreff" Hainholz in Hannover

Liebe LPEN'ler, liebe Gäste, liebe Anwesende,

die LPEN besteht anno 2005 schon 10 Jahre. Das ist ein Datum, dass beachtet werden muss. Traute man doch Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhundert psychiatrieerfahrenen Menschen es nicht zu, sich zusammen zuschließen, zu organisieren und die eigenen Interessen zu vertreten. Es gab seinerzeit nur wenig Psychiater in Deutschland, die einer organisierten Interessenvertretung von Psychiatrieerfahrenen Überlebenschancen gaben.

Das dem anders ist, wurde mit der Gründung des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener 1992 in Bedburg-Hau eindrucksvoll bewiesen. In Bedburg-Hau waren schon einige Niedersachsinnen und Niedersachsen anwesend, die sich von einem gemeinsamen Verband viel versprachen, denn in Ihren Heimatorten waren sie meist allein oder hatten nur wenig Gleichgesinnte im Bekanntenkreis. Der BPE musste laufen lernen. Zwei Mitglieder des Verein Psychiatrie-Erfahrener Hannover wurden in den Vorstand des BPE in den ersten Jahren gewählt und dort begab man sich zunächst in einen Selbstfindungsprozess, um eine lobbyistisch orientierte organisierte Selbsthilfearbeit aufzubauen. Die Zeit der Unmündigkeit war vorbei.

Bereits 1993 hatten weitere niedersächsische BPE-Mitglieder den Gedanken an eine niedersächsische Organisation mit getragen. Ihr seht: Die wesentlichen Wurzeln der LPEN liegen im BPE! Man wollte selbstverantwortlich die Bedürfnisse der Psychiatrie-Erfahrenen artikulieren und vertreten. Anfang 1994 nahm der Landesfachbeirat Psychiatrie am Niedersächsischen Sozialministerium seine Arbeit auf. Die Teilhabe der Betroffenen sollte dort verankert werden, das heißt, erstmals wurden Psychiatrie-Erfahrene politisch ernstgenommen. Der damalige niedersächsische Sozialminister Walter Hiller berief ein Mitglied des VPE Hannover als niedersächsischen Vertreter des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener in dieses beratende Gremium. Doch schnell merkte man dort trotz Rückhalt durch den Vorstand des 1991 gegründeten Verein Psychiatrie-Erfahrener Hannover e.V., dass man im Landesfachbeirat allein auf weiter Flur stand und eine niedersächsische Organisation von Psychiatrie-Erfahrenen dringend notwendig war, um übergreifende, überregionale und gemeinsame Positionen zur stationären Psychiatrie und zur psychosozialen Versorgung im Bundesland zu formulieren.

Am 23.November 1994 fand in den Räumen der Landesversicherungsanstalt Hannover in Laatzen auf Einladung des Landesfachbeirates Niedersachsen ein landesweites Forum über den sozialpsychiatrischen Verbund statt. Zu diesem Forum wurden alle damaligen niedersächsischen Mitglieder des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener von einem hannoverschen BPE-Vorstandsmitglied eingeladen und es kamen auch einige. Schnell wurden alle sich in den Pausen der Veranstaltung einig, dass man gemeinsam eine Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Niedersachsen gründen möchte und muss. Es wurden Verabredungen getroffen für vorbereitende Treffen in Osnabrück in den Räumen des Treff `82 am Heger Tor für den Jahresanfang 1995.

Liebe Leute, dort wurde gemeinsam von verschiedenen niedersächsischen Psychiatrie-Erfahrenen der 20. Mai 1995 als Termin für die Gründung der LPEN ausgemacht. Ein Vorstandsmitglied des VPE Hannover organisierte dafür Räumlichkeiten im Haus der Jugend in Hannover, wohin sie dann auch die Verpflegung orderte. Weitere Mitglieder des Verein Psychiatrie-Erfahrener Hannover bereiten das Treffen vor. Die genaue Teilnehmerzahl der Gründungsveranstaltung liegt mir jetzt hier nicht vor, jedenfalls waren aus vielen Landesteilen von Niedersachsen Leute angereist. Das erste sich selbst bildende Sprechergremium bestand unter anderem aus Leuten, die aus Hannover, Stade, Osnabrück und Südniedersachsen kamen. Die später lange währenden Strukturen wurden bereits 1995 festgelegt: Das Sprechergremium der LPEN koordinierte die Aktivitäten und traf sich mehrmals jährlich. Daneben gab es Vollversammlungen für alle. Der Sitz der LPEN wurde 1995 nach Osnabrück vergeben. Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener steuerte 300,- DM für die Gründungsveranstaltung der LPEN in Hannover bei.

Das war alles vor 10 Jahren und wir wissen, wo wir heute stehen mit der LPEN: in einem vereinsrechtlich eingetragenen Verband mit räumlich breit gestreuter Mitgliedschaft und engagierten Leuten im Vorstand, im Sprecherkreis und an der Basis. Ich danke im Namen der LPEN allen ganz ausdrücklich, die in den letzten 10 Jahren an der Arbeit der LPEN viel oder wenig beteiligt waren. Leute, ihr habt was geschafft. Und jetzt ist Schluss mit reden, jetzt wird weitergefeiert. Danke für Eure Aufmerksamkeit.

Grußworte des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V., BPE

Liebe Freunde,

ich möchte Euch aus dem Anlaß der 10-Jahresfeier im Namen vom geschäftsführenden Vorstand des BPE herzlich grüssen.

Ich bin selbst in dem geschäftsführenden Vorstand noch nicht so lange und habe mit den Grußworten auch keine große Übung.

Ich finde aber, dass für unseren Bundesverband die Arbeit an der Basis sehr wichtig ist. Der Bundesverband kann nur dann stark werden und richtig funktionieren, wenn auch seine Gliederungen und Ortsorganisationen und Selbsthilfegruppen dazu in der Lage sind und ihren Mitgliedern und anderen Psychiatrie-Erfahrenen echte Hilfe und Unterstützung bieten können.

Ich finde, die Menschen, die trotz eigener Betroffenheit und schwieriger sozialen und finanziellen Lage oft schwierige und undankbare freiwillige Arbeit leisten, verdienen unsere besondere Anerkennung. Ich denke dabei an zahlreiche Aktiven von LPEN.

Leider ist diese Arbeit oft auf sehr wenige Schultern verteilt. Deswegen ist es für uns alle wichtig neue Mitglieder zu gewinnen und sie auch überzeugen, dass wir nichts geschenkt bekommen, sondern nur durch eigenen Einsatz und Engagement etwas für uns und andere Psychiatrieerfahrene erreichen können.

Auch um die Menschen zu gewinnen, die bei uns schon Mitglieder sind, aber (noch) keine aktive Arbeit leisten, wäre Überzeugungsarbeit sinnvoll und wichtig.

Die Kollegen, die oft keine Möglichkeiten haben ihren Beruf auszuüben und Sozialhilfe oder Grundsicherung, Hartz 4 oder einer kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente leben müssen, können bei unserer freiwilligen Arbeit eine sinnvolle Aufgabe, manchmal Lebensaufgabe und Erfüllung finden. Damit das auch wirklich geschieht brauchen Menschen aber auch Anerkennung und auch Entspannung von dem täglichen Streß.

Dazu gehört auch, dass solche Anlässe, wie 10 Jahre erfolgreiche Arbeit in Niedersachsen gebührend gefeiert werden.

Und in dem Sinne wünsche ich Euch eine erfolgreiche Feier mit schönen Erinnerungen, netten Gesprächen und nicht zuletzt auch gutes Essen und auch weitere Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit.

Vielen Dank !

Jurand Daszkowski

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