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Rundbrief

Neu: Online Ausgabe 4/2005

Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V

Neue Anschrift
BPE e.V. , Wittener Str. 87, 44789 Bochum
c/o Ruth Fricke
Mozartstr. 20 b
32049 Herford
Tel. + Fax: 05221/86410
e-mail: Ruth.Fricke@t-online.de oder: vorstand@bpe-online.de

19.10.2005

An die

DGPPN

z.Hd.

 

Betr.: S3 Leitlinien Schizophrenie

Sehr geehrte Damen und Herren.

Nach Durchsicht des Entwurfes der S3 Leitlinien Schizophrenie, muß ich Ihnen leider mitteilen, dass sich dieser in einigen grundsätzlichen Punkten nicht mit dem Erfahrungswissen der Mitglieder des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V. deckt.

Dies ist auch nicht verwunderlich, da alle Punkte die mindestens 50% Zustimmung erhielten, in die Leitlinie aufgenommen wurden, der BPE e.V. aber nur mit einer Stimme in den Konsensusrunden vertreten war.

Insbesondere das zugrundeliegende Krankheitsverständnis sowie die daraus resultierend einseitige Schwerpunktsetzung in Richtung medikamentöse Therapie entspricht nicht dem Erfahrungswissen der BPE-Mitglieder.

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen des BPE e.V., die sich mit Ihrer eigenen Krankheits- und Lebensgeschichte intensiv auseinandergesetzt haben, kommen nahezu übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass für sie traumatische Ereignisse und Erfahrungen, Ursache Ihrer Psychosen waren. Dass die sogenannte schizophrene Psychose etwas mit Traumaerfahrung zutun hat, erkennt man auch daran, dass vergleichbare Situationen als Trigger für den Ausbruch einer erneuten Psychose wirken und dass nach Ausbruch der erneuten Psychose das Ursprungstrauma wieder in der Vordergrund drängt, so dass der aktuelle Konflikt dahinter verschwindet.

Wir sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass Medikamente ausschließlich die Symptome bekämpfen die Krankheitsursache aber nicht beseitigen können und daher letztlich auch keine heilende Wirkung entfalten können. Für eine Heilung ist die therapeutische Aufarbeitung des Ursprungstraumas nach unseren Erfahrungen zwingend erforderlich. In der Akutphase hat sich hier eine spezielle Psychosen-Psychotherape als hilfreich erwiesen. Die eigentliche therapeutische Aufarbeitung sollte erst erfolgen, wenn der/die Betroffene wieder einen stabilen psychischen Zustand erreicht hat. Dieser Prozess der Aufarbeitung kann oft Jahre dauern. Psychotherapie kommt in den Leitlinien aber nur als Verhaltenstherapie vor, die das Ziel verfolgt, eine bessere Compliance der Patienten bei der Medikamenteneinnahme zu erreichen.

Vor dem Hintergrund dieser Meinungsunterschiede, begrüßen wir zum einen die vielen Soll- und Kannbestimmungen im vorliegenden Leitlinienentwurf zum anderen die Tatsache, dass die Leitlinien nur bis zum Jahr 2008 Geltung haben soll. Wir hoffen dass sich im Nächsten Entwurf die Positionen der Psychiatrie-Erfahrenen und der professionell in der Psychiatrie tägigen weiter annähern.

Positiv bewerten wir am vorliegenden Leitlinienentwurf, dass

  • die Bedeutung der Psychiatrie-Erfahrenen-Selbsthilfe erstmals in den Leitlinien verankert wurde und die Ärzte somit aufgefordert sind, ihren Patienten den Besuch einer Selbst-hilfegruppe zu empfehlen.
  • die Aufklärungspflicht der Ärzte über die Erkrankung sowie über Wirkung und Neben-wirkungen (incl. irreversibler Schädigungen) von Medikamenten deutlich hervorgehoben wird.
  • die medikamentöse Monotherapie eindeutig befürwortet und Medikamentencocktails, bestehend aus einer Vielzahl von Medikamenten, eine deutliche Absage erteilt wird.
  • klare Hinweise auf unverträgliche bis schädliche Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten enthalten sind.
  • die Notwendigkeit von Kontrolluntersuchungen, um Schädigungen durch Psychopharmaka zu vermeiden, deutlich hervorgehoben wird.
  • es Weiteren möchte ich nochmals darum bitten, den Eigennamen unseres Verbandes im Vorspann zu den Leitlinien richtig zu schreiben.

Unser Verband heißt nicht "Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen" wie sie auf den Seiten 11 und 13 schreiben sondern er heißt richtig: "Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V." (siehe auch Briefkopf).

Mit freundlichen Grüßen

Ruth Fricke
Mitglied des geschäftsführenden
Vorstandes des BPE e.V.

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