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 Rundbrief
Ausgabe 4/2006

AG-Berichte

AG 1: Die im Dunkeln sehen einander nicht? Die eigene Erfahrung – Schatz oder Brett vor dem Kopf?
Moderator: Peter Lehmann

AG 2: Workshop Musiktherapie
Moderator: Hartmut Kapteina

AG 3 „Psychiatrie-Erfahrene machen Radio“
Moderatorin Doris Steenken

AG 4 Leben in der Kommune: Raus aus dem Wohnheim! Raus aus der WfB!
Stichworte zur AG 4 von Klaus Laupichler auf der Jahrestagung des BPE 2006

AG 5: Die Schreibwerkstatt – Texte schreiben und hilfreich nach innen & außen tragen – Lyrik, Prosa, Autobiografie, Zeitungsartikel etc. Und Ihre Sinnvolle Kommunikation –
Leitung/Referent: Gangolf Peitz

AG 6: Ausgrenzung von Psychiatrie-Erfahrenen in der Arbeitswelt
Moderator: Lothar Grafe

AG 7 Einmal depressiv, immer depressiv, muss das sein?
Moderatorin: Ursula Zingler

AG 8 „Soziodynamische Spiele“
Moderatorin: Christine Pürschel

AG 9: „Mensch-Umwelt-Wahrnehmung – mentale Übungen für alle Lebenslagen“
Moderation: Ursula Müller – Präsentation: Günter Pfeil

Nicht, was Dir geschieht ist das Wesentliche, sondern wie Du damit umgehst
AG 10 Heilung von Psychosen... „Denn man sieht nur die im Lichte ....“
Moderatorin: Elfriede Maurer

 

AG 1: Die im Dunkeln sehen einander nicht? Die eigene Erfahrung – Schatz oder Brett vor dem Kopf?
Moderator: Peter Lehmann (Berlin - www.peter-lehmann.de)

Wie kann die eigene Erfahrung angereichert, vermittelt, geöffnet werden, damit aus Erfahrenen Experten werden? Mit welcher Praxis können wir unsere Erfahrungen anreichern? Was sind Erfahrungen eigentlich? Wie lassen sich Erfahrungen Anderer nutzen? Experten nicht nur in eigener Sache: Für welche Bereiche wollen wir Experten sein? Unter welchen Bedingungen können und wollen wir dieses Expertentum Anderen vermitteln? Wie schützen wir uns vor Interpretation, Missbrauch als Quotenbetroffene, Reduzierung auf die Patientenrolle, Zurschaustellung und Ausbeutung?

Qualifizierung von Betroffenen zu Experten ist nicht neu, allerdings wurde dieses Thema im BPE bisher eher vernachlässigt. In Großbritannien gibt es bereits seit 20 Jahren Erfahrungen mit der Qualifizierung von Betroffenen zu ExpertInnen, die dann auch gut bezahlte Arbeit im psychosozialen Bereich finden. Peer (= „Gleiche“) Training, d.h. Training von Betroffenen zwecks Tätigkeit für den Einsatz, als ehemals Betroffene akut Betroffene zu unterstützen, gibt es auch seit Jahren in den USA, wie auch Fortbildung von Betroffenen zu Fortbildnern („Consumers as trainers“ – „Betroffene als Trainer“). Ein Ergebnis des „Harassmentprojekts“ („Diskriminierung von Psychiatriebetroffenen im Gesundheitswesen. Eine europäische Studie“), an der der BPE beteiligt war, bestand in der Forderung nach (ausgebildeten) Betroffenen, die ihr Erfahrungswissen in die Ausbildung von Profis einbringen, siehe www.peter-lehmann-publishing.com/articles/enusp/empfehlungen.pdf

Parallel zur Erarbeitung dieser Empfehlungen wurden in Oberösterreich zuerst von Oase – Power to the People“, später von Netzwerk Spinnen unterschiedliche Konzepte zur Peer-Ausbildung entwickelt. In Deutschland bietet die Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V. (Bremen), im Rahmen ihrer F.O.K.U.S.-Fortbildung „ExpertIn durch Erfahrung in der Gesundheitsversorgung“ Basismodule an. Manche Fortbildungen sind von den Betroffenen zu bezahlen, manchmal gibt es Geld für die Teilnahme an der Fortbildung. Manchmal bestimmen die Betroffenen selbst, wer sie zu welchen Themen fortbildet, manchmal bestimmen die Profis Themen und Fortbilder. Teilweise gilt die spätere Tätigkeit als Beitrag Richtung Systemwechsel, teilweise als Ergänzung psychiatrischer „Angebote“, dann werden nicht nur psychiatrische Strukturen und Gesetze gelehrt, sondern es gibt auch eine „Krankheits- und Typenlehre“.

In der (sehr großen) Arbeitsgruppe näherten wir uns den weit reichenden Fragen durch ein längeres Brainstorming an. Was genau ist es, was uns interessiert, wo wir bisher kaum Erfahrungen mit Fortbildungen als Betroffene haben?

Vier Fragenkomplexe standen im Raum:

  • Erleben, Erfahren, Reflektieren, Verarbeiten. Und dann die eigenen Erfahrungen verallgemeinern: Was lässt sich angesichts der Kenntnis unserer Einzigartigkeit verallgemeinern? Beispiel - Verständnis der eigenen Erfahrung als Krankheit: Werden andere nicht verletzt, wenn man diesen Begriff verallgemeinert, wo ihn andere als abwertend für ihre eigenen Erfahrungen verstehen? Voraussetzung insgesamt ist die Auseinandersetzung mit der eigenen, außergewöhnlichen Erfahrung.
  • Wie die eigenen Erfahrungen anreichern: Schulung, Training, Lesen, Auseinandersetzung in der Praxis, Evaluation (Überprüfung und Auswertung)
  • Wo anwenden? Krisenbegleitung, Weglaufhaus Mitarbeit, Besuchskommissionen, Selbsthilfeberatung, Nutzerbeteiligung, Interessensvertretung
  • Folgerungen: Wesentlich ist, dass - unabhängige - Betroffene die Zertifizierung in den eigenen Händen behalten bzw. sie in die eigene Hand nehmen, ebenfalls an Lehrplanerstellung und Auswahl von DozentInnen zumindest beteiligt sind. Da es schon einiges an Praxis gibt, diese aber zu wenig bekannt oder gänzlich unbekannt ist, wurde als AG-Ergebnis beschlossen, dass sich ein unabhängiger Arbeitskreis bildet, der einen Überblick über bestehende Angebote der Fortbildung von Betroffenen zu Experten erarbeiten, diesen auf die Website des BPE (siehe www.bpe-online.de/verband/fortbildung.htm) stellen und sich weiter dem Thema widmen will. Zudem wurde vorgeschlagen, an den langjährigen Erfahrungen aus England profitieren zu wollen und dem BPE vorzuschlagen, als nächsten Hauptreferenten einen erfahrenen, psychiatriebetroffenen Trainer bzw. eine Trainerin einzuladen. (Vorschlag P.L.: Andrew Hughes oder Jan Wallcraft, beide England).

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AG 2: Workshop Musiktherapie
Moderator: Hartmut Kapteina

Ca. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten eine Musiktherapiestunde life und an der eigenen Person. Zuerst konnten alle die vielfältigen Instrumente ausprobieren. Alle Musikinstrumente, die in der Musiktherapie zum Einsatz kommen, können von musikalisch unerfahrenen Laien auf Anhieb und ohne vorheriges Üben gespielt werden. Es geht nicht um künstlerische Leistungen. Musik wird als spontaner Ausdruck der seelischen Befindlichkeit erlebt. Deshalb repräsentiert das Instrumentarium ein breites Spektrum an klanglichen Möglichkeiten ebenso wie Handlungen: schlagen, schütteln, reiben, streichen, klopfen u.s.w.

Nach der ausführlichen Experimentierphase konnte jeder Instrumente auswählen, die seiner momentanen Stimmung entsprechen. Danach gab es eine Vorstellungsrunde, bei der alle etwas von sich selbst erzählen und die ausgewählten Instrumente zum Klingen bringen konnten. Nach der Mittagspause machten alle zusammen eine gemeinsam improvisierte Musik. Dabei kamen alle Gefühle zum Ausdruck: Angst, Trauer, Schmerz, Wut, Aggression und vor allem unbändige Lebenslust und Freude; neben den Klängen der Musikinstrumenten entdeckten einige auch die Möglichkeit, mit der Stimme zu spielen. Wir erfuhren, dass diese Art des freien und spontanen musikalischen Ausdrucks ohne Noten und ohne Dirigent keineswegs nur Chaos und Kakophonie ist, sondern dazu verhilft, sich von psychischen Spannungen zu befreien und neue soziale Erfahrungen zu machen. In einer abschließenden Gesprächsrunde berichteten die Teilnehmer über ihre musikalischen Erlebnisse und wie sie diese mit ihrer eigenen psychosozialen Situation in Verbindung bringen können. Dabei äußerten einige Ideen, wie sie diese Art des musikalischen Spiels zur eigenen psychischen Stabilisierung und in Selbsthilfegruppen nutzen können. Der Wert der Musiktherapie in der Behandlung von psychischen Erkrankungen, insbesondere auch in akuten Zuständen, wurde deutlich.

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AG 3 „Psychiatrie-Erfahrene machen Radio“
Moderator: Doris Steenken

Ich habe vormittags (2 Teilnehmer) und nachmittags (5 Teilnehmer) die gleiche Arbeitsgruppe gemacht.

Die Psychiatrie-Erfahrenengruppe Osnabrück besteht seit Dezember1994. 1998 überlegten wir, mit Psychiatriethemen aus Sicht der Betroffenen an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war uns sehr wichtig, in unserer Gesellschaft die Vorurteile und Ängste gegenüber psychisch Kranken abzubauen indem wir darüber berichten und aufklären. Also entschlossen wir uns dazu, Radiosendungen zu machen.
Wir setzten uns mit dem Bürgerfunk „OS-Radio“ in Osnabrück in Verbindung.

Die Voraussetzung für einen Sendeplatz im Studio war, dass wir an Kursen teilnehmen um uns mit der Technik im Studio vertraut zu machen. Außerdem wurden wir über Regeln und Grundsätzliches zum Senden aufgeklärt.
Die ersten 10 Sendungen wurden vorproduziert, bis wir dann live über den Äther gingen

Am 11. Januar 1999 war es dann soweit, unsere erste Radiosendung mit den Namen „Irre Grenz Welle“ wurde gesendet.
1999 gab es den ersten Namenwechsel von „Irre Grenz Welle“ zu „Eutopia 2013“.
Der zweite Namenswechsel war dann 2001 von „Eutopia 2013“ zu „Psycho´n outen“
Seit 2003 senden wir unter den Namen: “Psycho-Echo“
Wir haben einen festen Sendeplatz und senden in regelmäßigen Abständen alle 4 Wochen immer am Donnerstag von 19:05 bis 20:00 Uhr auf der Frequenz : UKW 104,8

Unsere Themen für die Sendung entstehen meistens aus Diskussionen in unserer Psychiatrie-Erfahrenen Selbsthilfegruppe. So können auch die Ideen und Wüsche der anderen Gruppenteilnehmer, die nicht mit im Redaktionsteam sind, mit berücksichtigt werden.
Der Rest wird dann noch z.B. im Internet recherchiert.
Dann wird in einer Redaktionssitzung der genaue Ablauf der Sendung und die Musikzusammenstellung besprochen.
Dabei ist es sehr wichtig, dass die Textbeiträge, auch „Blöcke“ genannt, nicht länger als ca. 4 Minuten sein sollten, damit die Zuhörer nicht mit zu viel geballter Info überfordert werden.
Die Blöcke werden durch Musik gertennt bzw. aufgelockert, damit der Zuhörer die Infos erst mal wieder sacken lassen können.
Wir haben uns dann immer ca. 15 Minuten vor Sendebeginn vorm Studio getroffen um evtl. noch Änderungen zu besprechen und uns auf die Sendung einzustimmen. Unsere Sendung beginnt immer mit dem Lied: „Der goldene Reiter“ von Joachen Witt, weil der Liedtext so gut zum Thema „Psychiatrie“ passt. Außerdem hat unsere Sendung dadurch den typischen Erkennungswert.
Danach kommt ein Einleitungsblock, ungefair 4 Hauptblöcke und zum Schluss die Termine, sowie Ankündigung unserer nächsten Sendung und Verabschiedung.

Bei einigen Teilnehmern kam großes Interesse auf, so ein Radioprojekt auch in anderen Städten umzusetzen.
In Hannover gibt es schon regelmäßige Sendungen auch im Bürgerfunk von Körperbehinderten.
Es kam die Idee, sich mit denen in Verbindung zu setzen, um evtl. mal eine Sendung damit zusammen zu produzieren. So hätte man die Möglichkeit, zu testen und zu schnuppern, ob diese Art von Öffentlichkeitsarbeit für Einen persönlich in Frage kommt.
Damit die AG-Teilnehmer einen besseren Eindruck davon bekommen, habe ich einige Aufnahmen von älteren Sendungen abspielen lassen.

Als ich im Jahr im Sommer 2003 zur Psychiatrie-Erfahrenen Gruppe fand und von den Radiosendungen erfuhr, bin ich auch mit ins Studio, um zu sehen, wie so etwas funktioniert.
Seitdem bin ich mit voller Begeisterung ein festes Redaktionsmitglied.

Da unsere Jahrestagung in Kassel diesmal unter dem Titel „ Denn man sieht nur die im Lichte...“ lief, ist es sehr wichtig, dass wir uns aus der Dunkelheit durch Öffentlichkeitsarbeit ins Licht begeben. Damit man uns sieht, Vorurteile abbaut und uns nicht fürchtet oder vergisst.

Doris Steenken
Spindelstrasse 27
49080 Osnabrück
Tel.: 0541/80 09 522
E-Mail: doris_steenken@yahoo.de

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AG 4 Leben in der Kommune: Raus aus dem Wohnheim! Raus aus der WfB!
Stichworte zur AG 4 von Klaus Laupichler auf der Jahrestagung des BPE 2006

Ein Heimplatz kostet um die 2500,- Euro aufwärts. Zum Vergleich ist für das persönliche Budget ein Betrag von ungefähr 800,- Euro angesetzt. Die Forderung nach der Auflösung von Heimen kann in Zeiten knapper Kassen unter Kostengesichtspunkten ein Thema für die öffentliche Hand sein. Die Forderung nach Auflösung von Heimen kommt aber auch von Betroffenen, die unzufrieden sind mit dem, was den Menschen in Heimen zu diesem Preis tatsächlich geboten oder auch zugemutet wird.

Andererseits gibt es besonders von den Psychiatrien, die ihre Langzeitpatienten entlassen wollen, die Forderungen nach neuen Heimplätzen, weil viele Menschen nicht alleine zurecht kommen würden. Klaus erzählte uns von Menschen, deren Versuche wieder ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung zu führen abgeblockt wurden z.T. mit bürokratischen Tricks am Rande und jenseits der Legalität und die dann irgendwann resignierten. Er berichtete aber auch von Menschen, die nach der Auflösung von Heimen alleine nicht zurecht kamen und unbemerkt von der Öffentlichkeit verelendeten und starben. Dies muss man wissen, um sich nicht von Schlagworten täuschen zu lassen, die eine Verbesserung vorgaukeln, die sich im Einzelfall dann aber als Verschlechterung erweist. Es gibt keine einfachen institutionellen Lösungen, die allen gerecht werden.

Wenn wir uns vonseiten der Selbsthilfe diesem Thema nähern, so geht es uns in erster Linie darum, die Eigeninitiative von Menschen zu unterstützen, die wieder ein selbstbestimmtes Leben führen wollen und zugleich auch darum, Bemühungen um mehr Selbstbestimmung der Menschen auch innerhalb der Heime und WfBs zu unterstützen. Wir denken dabei vor allem an eine exemplarisch gute Arbeit, da wo sich Möglichkeiten dafür ergeben.

Wir streben dazu an:

  1. Die Erfahrungen von Menschen zu sammeln und zu dokumentieren, denen der Absprung aus den Heimen und WFBs gelungen ist und sie als Partner für die Beratung von Menschen zu gewinnen, die diesen Schritt tun möchten, und dabei Ermutigung und Unterstützung brauchen (Netzwerkprojekt). Es ist denkbar, dass dabei auch Studenten der Sozialarbeit etc. gewonnen werden, die Diplom oder Doktorarbeiten zu dieser Thematik schreiben. Die Mitglieder des BPE werden aufgefordert, Kontakte zu (ehemaligen) Heimbewohnern herzustellen, die Interesse haben und geeignet sind, an einem solchen Projekt mitzuwirken.
  2. Wir halten es für sinnvoll, Besuchskommissionen mit Betroffenenbeteiligung auch für die Heime einzuführen, um frühzeitiger strukturelle und andere Mängel in der Situation der Heimbewohnern festzustellen und zu korrigieren.
  3. Heimbeiräte und Werkstatträte sollten einen gesetzlichen Anspruch auf Fort- und Weiterbildung haben, dafür freigestellt werden und auch die Kosten erstattet bekommen. Wir werden versuchen, eine solche Fortbildung als Modellprojekt z.B. in Rheinland-Pfalz selbst zu organisieren. Es gilt Menschen Mut zu machen, sich mit einer unbefriedigenden Situation nicht abzufinden und der Resignation und damit Chronifizierung entgegenzuwirken.
  4. Denkbar ist auch die Übernahme von Patenschaften für Menschen, die eigene Initiativen zur Verbesserung ihrer Situation unternehmen wollen.
  5. Erhebungen von Daten zur Situation der Heimbewohner über die PSAGs (Verweildauer, Wiederausgliederungsquote, Klinikaufenthalte, Medikation, andere Leistungen der Heime, Mängel, Defizite in der Versorgungsstruktur, etc.). In diesem Zusammenhang sollten auch Menschen gewonnen werden, die professionell in Heimen arbeiten, gearbeitet haben, und selbst an Grenzen stoßen/ gestoßen sind, bei einer Verbesserung der Situation der Heimbewohner.
  6. Wenn Menschen die Hoffnung verlieren, ist es gut, wenn es andere gibt, die die Hoffnung für eine Weile aufbewahren. Niemand ist dazu besser geeignet als die Menschen, die sich aus einer vergleichbar schwierigen Situation in Eigeninitiative befreit haben. Es ist deshalb von ganz besonderer Bedeutung, dass die Bemühungen von Menschen, die sich hier besonders bemühen, wirksam unterstützt und zu einem guten Ende geführt werden. Auch wenn es zunächst wenige sein mögen, es lohnt sich, sich hier in besonderer Weise zu engagieren und mitzuhelfen, dass es viele Menschen und Lebensgeschichten gibt, die zu Hoffnungsfunken für andere werden können.
  7. Die Erstellung eines Fragebogens zur Zufriedenheit der Heimbewohner und deren Durchführung.**

Alles Gute Klaus, du Hoffnungsfunke aus Herbrechtingen! wünscht Kalle
** [Ergänzt, die Redaktion: wurde in der AG so gefordert wurde]

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AG 5: Die Schreibwerkstatt – Texte schreiben und hilfreich nach innen & außen tragen – Lyrik, Prosa, Autobiografie, Zeitungsartikel etc. Und Ihre Sinnvolle Kommunikation –
Leitung/Referent: Gangolf Peitz, Schriftsteller & Künstler/Altenpflegehelfer

„Denn man sieht nur die im Lichte...“ - Der Tagungstitel entstammte der Literatur (Bertolt Brecht). Aus der Bibel kennen wir: „Am Anfang war das Wort“ (Johannesevangelium)...

Über Texte können wir Schattiges hilfreich beschreiben und ‚behandeln’, unsere Gedanken- und Gefühlswelt aufhellen bzw. Betroffene und ihre Probleme ins richtige Licht bringen, uns ins Helle helfen. Damit gehandicapte Menschen letztlich nicht im Schatten bleiben. Kultur ist dabei ein gesundes Mittel für seelische Heilungsprozesse, als Instrument von Selbsthilfe.

Wie sich zeigte, ließ sich mit dieser neuen Arbeitsgruppe (unter quasi literaturtherapeutischem Ansatz) erfolgreich an die fruchtbare erste AG dieser Art vom Vorjahr anschließen. Wiederum war das insgesamt 3-stündige Seminar mit einer Teilnehmer-Stärke von neun Personen (bei geringfügiger Fluktuation) in einer idealen Größe zum Arbeiten besucht. Es wurde konzentriert und aktiv gearbeitet sowie sehr interessiert diskutiert.

Schreiben ist Ausdruck und Mitteilung von Gedanken und Gefühlen, von Erinnerungen und Erfahrungen, Träumen, Wünschen, Hoffnungen, Plänen..., aber auch von Kritik, Klage oder Widerstand. Schreiben ist Kommunikation nach innen und außen, Gespräch mit sich selbst, mit den anderen, mit der Umwelt und der Öffentlichkeit. Texte schreiben, veröffentlichen und vortragen ist ein guter Weg sich selbst zu helfen, Lösungswege zu suchen, zu finden und mitzuteilen, - Veränderung, Verbesserung, Aufklärung, Kritik und Information nach außen zu tragen.


Normal-Poem

Ich bin normal.

ICH bin normal
Ich BIN normal
Ich bin NORMAL

Ich bin normal

Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal

Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal

© Gangolf Peitz
(Alle Rechte beim Autor)

In dieser AG ging es darum darzustellen und herauszuarbeiten, wie wir mit eigenen Gedichten, Geschichten, Autobiografie, Comedy/Kabarett, Tagebuch, Reiseerinnerung, Mundart oder z.B. einem Zeitungsartikel Selbstvertrauen und Selbstfindung in uns stärken und fördern bzw. unsere Belange und Intentionen sinnvoll nach außen bringen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Vorstellung und Besprechung von Präsentations- und Publikationsmöglichkeiten. Themen waren hier: Lesung und Vortrag – Wo und wie veröffentlichen – Bücher, Zeitschriften, Zeitung – Literaturtelefone – Internet – Hörbuch - Texthefte – Lesezeichen – Literaturwettbewerbe - Poetry Slams - Vom Schreiben leben – ‚Der literarische Start’. Besonders interessiert verfolgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schilderung meines persönlichen Werdegangs aus bittrer erkrankter Zeit zum Schriftsteller und Künstler, wo es mir schließlich auch gelang, daraus ein zweites berufliches Standbein mit Nebeneinkommen aufzubauen. Es freut mich sehr, dass ich hier aus meinem konkreten Erfahrungsschatz als Autor -aus glücklich bewältigter Krisenzeit entwickelt- berichten sowie Tipps, Ideen, Rat und Anregung geben bzw. vermitteln konnte. Sehr aufmerksam wurde auch der Punkt „Vom Schreiben leben“, mit Informationen zu Autorenhonoraren, Verdienmöglichkeiten, zum literarischen Markt oder zu kleinen ersten Veranstaltungsstrategien aufgenommen. Angenehm überrascht war die Gruppe, als ich außergewöhnliche Text- und Vortragsformen (von Lyrik beispielweise) ‚live’ vorstellte: Mit einem gesungenen Gedicht, lautmalender Poetik sowie einer kurzen Gedicht-Performance als Idee zur Betonung eines inhaltlichen Anliegens. Trotz der Bandbreite der vielen Möglichkeiten gelang es in der vorgegebenen Zeit, in Referat, Diskussion wie in der Beantwortung von aufgekommenen Fragen, den Bogen der Palette literarisch-textlicher Betätigungsfelder zu spannen, wenngleich die Zeit freilich nicht zur vollen Detailerörterung ausreichte. Wir arbeiteten in der AG theoretisch und praktisch. Jeder Teilnehmer erhielt ein ausführliches Informationsblatt zum Mitnehmen. Im praktischen Teil ging es um den direkten Vortrag. Wir übten und besprachen reihum kurze Probelesungen von ernster wie heiterer Textgattung. Alle machten hier engagiert mit und wir diskutierten resp. optimierten unser aller Lesen eingehend. - In der Feedback-Schlussrunde hieß es, man habe Neues erfahren und mitnehmen können. Eine Fortsetzung dieser AG-Arbeit wurde gewünscht. Ein Tagungsteilnehmer etwa trat im Anschluss an mich mit dem Wunsch heran, eine nächste AG Vorschlagsweise ausschließlich zum Thema ‚Zeitungsartikel schreiben und Umgang mit den Medien für Selbsthilfegruppen’ zu machen.

Am Anfang ist das Wort, auch am Anfang von Genesung. „Und das Wort wurde Licht“, könnte man weiterführen, um nochmals biblisch zu sprechen... Helle Tage und Licht sind auch über den Weg der Literatur möglich, wo textliches Schaffen zu innerer Befreiung, zu Lösung bzw. Lösungswegen (mit)helfen kann, damit seelische Belange im richtigen Licht stehen und letztlich innen wie außen Gesundung stattfindet. Und wenn Menschen -Betroffene ebenso wie nicht/nicht mehr oder noch nicht Betroffene...- hierzu Worte und Texte festhalten und sinnvoll kommunizieren, ist dies hilfreich. Worte heilen.

Auf dass unser aller Leben hell ist und sich reimt!
Das wünscht herzlichst Gangolf Peitz

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AG 6: Ausgrenzung von Psychiatrie-Erfahrenen in der Arbeitswelt
Moderator: Lothar Grafe

Einleitung:
In diesem Referat werde ich auf die Problematik der Ausgrenzung von Psychiatrie-Erfahrenen im Arbeitsleben eingehen.
Zu Beginn des Referats werde ich auf einige rechtliche Bestimmungen zu sprechen kommen, in denen die Problematik Erkrankung und Berufsausübung zum Tragen kommt.

Rechtliche Bestimmungen, die gelten: (Beigefügte Beispiele anführen und ggf. dem Plenum zur Ansicht geben)

Berühren von folgenden Grundrechten:

  • Artikel 1, Grundgesetz (Art 1, GG): „Die Würde des Menschen ist unantastbar“
  • Artikel 3, Grundgesetz (Art 3, GG): „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“
  • Artikel 10, Grundgesetz (Art 10, GG): „Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis“
  • Artikel 12, Grundgesetz (Art 12, GG): „Freiheit der Berufswahl“

1. Ausgrenzung bei der Berufswahl
Die Ausgrenzung vollzieht sich schon bei der Berufswahl. Es gibt immer noch gesetzliche Bestimmungen, die eine Ausübung von sozialen Berufen durch Psychiatrie-Erfahrene unmöglich machen. Dabei verfügen doch sie gerade über ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität, das sie m. E. nach geradezu bestens geeignet sind, in diesen Berufen tätig zu werden bzw. zu sein.

2. Bewerbung / Vorstellungsgespräch
Ebenso sind die Hürden sehr hoch gesteckt, wenn es darum geht, eine Arbeitsstelle zu bekommen. Soll der Psychiatrie-Erfahrene seine Erkrankung dem Arbeitgeber bereits beim Vorstellungsgespräch offenbaren? Oder soll er erst die Stelle nach seinem besten Wissen und Gewissen ausfüllen, ohne dem Arbeitgeber von seiner Erkrankung in Kenntnis zu setzen?

3. Arbeitsbeginn / Probezeit
Insbesondere in den ersten Arbeitstagen und während der Probezeit herrscht Unsicherheit (sie herrscht auch bei Nicht-Erkrankten (btw) ). Leistungen zeigen nach bestem Wissen und Gewissen scheint dabei noch das beste „Rezept“ zu sein.

4. Krankheits- / Ausfallzeiten
Ein weiteres Problemfeld stellt eine (vorübergehende) Fehlzeit durch eine erneute Erkrankung dar. Wie werden sich Kollegen verhalten, wenn sie erfahren, dass sie nun für den Zeitraum mehr arbeiten müssen? Wie leicht oder schwer wird sich die Wiederaufnahme der Arbeit nach der Genesung darstellen? Inwieweit spielt der Arbeitgeber überhaupt mit? Droht Kündigung, falls sich die Arbeitsausfälle/Fehlzeiten häufen?
Im weiteren Verlauf werde ich anhand eigener persönlicher Erfahrungen Beispiele anführen, die einem Psychiatrie-Erfahrenen begegnen, der sich im Arbeitsleben befindet.

5. Verlauf der AG
Am Vormittag waren wir mit 9 Teilnehmern gewesen. Nachdem wir uns zunächst jeder vorgestellt hatten, entwickelte sich eine sehr angeregte Diskussion. Es wurden dabei mehrere „Unterthemen“ besprochen. Ein Teilnehmer äußerte den Wunsch, von der WfBM in den ersten Arbeitsmarkt wechseln zu können. Er bekam von der Gruppe einige Anregungen und Hilfestellungen, die ihn in seinem Ansinnen bekräftigten.
Ebenso wurde auch über das Verhalten beim Vorstellungsgespräch und die „ersten Tage“ am neuen Arbeitsplatz diskutiert. Wichtig war es allen Teilnehmern auch, Lücken im Lebenslauf geschickt zu „kaschieren“. Eine Teilnehmerin führte „Selbstständigkeit“ als Lückenfüller im Lebenslauf an, dies habe sie schon hin und wieder bei Bewerbungen praktiziert. Sie war bzw. ist z. Z. auch selbstständig. Ein Thema, das wohl alle betraf, war „Mobbing“ und wie man damit umgeht. Man kam zu dem Ergebnis, dass Mobbing viele Gesichter hat und sich nicht nur unter Mitarbeitern/Kollegen sich abspielt. Mobbing kann auch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern sowie umgekehrt erfolgen.
Auch war es wichtig für die Gruppe festzustellen, dass „abweichendes“ Verhalten bei Psychiatrie-Erfahrenen oft und gerne überbetont wird. Es wurden auch Beispiele als Vergleich mit Gesunden genannt.
Gerne hätte man noch ausgiebiger diskutiert, und wir merkten nicht, wie schnell 90 Minuten vergangen sind. Alles in allem war der Vormittag für alle sehr ergiebig gewesen, wenngleich das eine oder andere auch kontrovers diskutiert wurde.

Die Gruppe am Nachmittag war etwas kleiner, nämlich 5 Teilnehmer, davon auch 2, die schon in der Vormittagsgruppe mitdiskutierten.
Erwartungsgemäß wurden hier andere Themen angesprochen, die zählten aber auch noch im weiteren Sinne zu meinem Hauptthema. Übereinstimmend mit der Vormittagsgruppe wurde auch hier ausführlich zum Thema „Mobbing“ diskutiert. In dieser Gruppe ging man auch auf Fragestellungen ein, wie Ausschreibungen, insbesondere Stellenausschreibungen zu formulieren wären (es müssen konkrete Formulierungen vorliegen). Einige Teilnehmer vertraten die Meinung, dass es bei kleinen Betrieben durchaus Sinn macht, sich dort persönlich vorzustellen und die Bewerbungsunterlagen mitzuführen. Bei großen Betrieben kann es ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen sein.

Wichtiges Thema hier war auch alles rund um den Schwerbehindertenausweis, ab wann man gleichgestellt mit Schwerbehinderten ist und welche Vor- und Nachteile mit einem Schwerbehindertenausweis verbunden sind.

Auf das Phänomen „unbequemer“ Mitarbeiter („Unruhestifter“) ist eingegangen worden. Die Nachmittagsgruppe war der Meinung, dass ein Betriebsrat unbedingt vonnöten sei, auch bei kleineren Betrieben. Der Betriebsrat stellt die Interessenvertretung der Belegschaft dar. In der Runde kam zum Ausdruck, dass einige in Betrieben arbeiteten, die keinen Betriebsrat hatten und somit manchmal der Willkür der Chefs und Abteilungsleiter ausgesetzt waren.

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AG 7 Einmal depressiv, immer depressiv, muss das sein?
Moderatorin: Ursula Zingler

Kam mit nur einer TeilnehmerIn nicht zu Stande.
Wir verweisen an dieser Stelle auf den Vortrag von Ursula Zingler „Selbsthilfe am Beispiel einer als monopolar endogen diagnostizierten Depression Leben ohne weiterführende Behandlung! Ist das von Interesse?“, aufzufinden im Internet unter: www.bpe-online.de/verband/rundbrief/2005/4/uschi.htm

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AG 8 „Soziodynamische Spiele“
Moderatorin: Christine Pürschel

Verlorengegangene, noch nicht erlebte oder noch nicht gefestigte Fähigkeiten anhand von soziodynamischen Spielsituationen zu reflektieren kann mehr Erkenntnisse bringen als ein mitgeteiltes Wort.
In der AG 8 schrieben sich Teilnehmer ein, die auf dem Gebiet Mimik, Gestik und körperliche Mitteilung kaum Ausdrucks- od. Mitteilungsprobleme hatten und sich aufnähme- und weitergabebereit gegenüber den anderen Teilnehmern in der Gruppe zeigten. Ihnen habe ich am Vormittag und Nachmittag angeboten, durch gemeinsames Tun und anschließendes Reflektieren darüber, etwas über eigene Möglichkeiten und das der anderen Teilnehmer zu erfahren.

Mit folgenden Themen haben wir uns nach dem Kennen lernen beschäftigt:

  • Bereich Auseinandersetzung: Kommunikationsbereitschaft oder Kommunikation aussetzen/vermeiden: Jeder Teilnehmer konnte erfahren, wie er auf andere Teilnehmer wirkt und wie umfänglich der Gesprächswunsch der anderen Teilnehmer ist.
  • Wann ist Vertrauen angebracht, wann nicht: Der geflügelte Begriff „Vertrauen schenken“ wurde körperlicherseits auf die Probe gestellt. Durch bestimmte Übungen und Kontakte haben wir uns den von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Grad von Vertrauen bewusst machen können.
  • Verantwortungsbereitschaft für sich und einen Anderen: Hier spürten wir, dass Verantwortung für einen Anderen eine körperlich und psychisch anstrengende Leistung ist. Während der Übung „Verantwortungsbereitschaft für einen anderen Menschen“ waren wir mit unserer ganzen Aufmerksamkeit gefordert. Vorbedingungen, aber auch ganz persönliche Grenzen unserer Bereitschaft konnten wir erkennen.
  • Bereich Differenzierung: taktile Sensibilität, Nähe und Distanz. Einem Mitglied unserer AG nahe sein, ihm Kameradschaft oder Freundschaft wortlos verständlich machen - damit lie-ßen wir unsere AG mit angenehmen emotionalen Empfindungen ausklingen.

Durch derartiges gemeinsames Tun sind Körper, Geist und Seele zur aktiven Mitarbeit gefordert. Die relativ geringe Teilnahme an dem Angebot soziodynamischer Spiele bestätigt die oft schon gemachte Erfahrung, dass Menschen lieber passiv rezeptieren als körperliche Erfahrungen zuzulassen. Wie oft haben wir alle schon die Formulierung gehört, Seele und Körper sind eine Einheit. Die praktische Bedeutung dessen wird weniger gelebt, gern aber von unseren Mitmenschen erwartet.

Solcherart AG‘s waren in den von mir überblickbaren Jahren unüblich. Mehr unterstützende und motivierende Werbung für dieses Angebot wäre sicher hilfreich gewesen. Handeln, Teamwork und Kooperation werden in Berufswelt, Partnerschaft und anderen Gemeinschaften noch immer sehr gebraucht und geschätzt.

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AG 9: „Mensch-Umwelt-Wahrnehmung – mentale Übungen für alle Lebenslagen“
Moderation: Ursula Müller – Präsentation: Günter Pfeil

Vorstellung der AG-TeilnehmerInnen mit ihrer psychiatrischen Vergangenheit. Grund, um sich für die Arbeitsgruppe zu entscheiden: bei der Mehrzahl bestand ein Interesse an alternativen Heilmethoden.
Vorstellung der Langzeitstudie der WHO zur Schizophrenie (ISoS = International Study of Schizophrenia). Abschlussbericht von Prof. Kim Hopper (New York): Eines der wichtigen Ergebnisse ist, dass die Heilungserfolge von Schizophrenie in den Entwicklungsländern bei ca. 60%-65%, in den Industrienationen bei ca. 30-35%. Mögliche Ursachen:

  • in den Industrienationen wird nur das biologisch-genetische Modell berücksichtigt;
  • fehlendes soziales Netzwerk in den Industrienationen / Wert der Familie in den Entwicklungsländern;
  • unterschiedliche Medizinsysteme (Industrienationen: der Mensch als „biologische Maschine“ – Naturvölker / Entwicklungsländer: Die biologische, psychische, soziale und geistige Ebene des Menschen werden berücksichtigt – ganzheitlicher medizinischer Ansatz)

Die Referentin Ursula Müller hat durch ihre Kontakte mit Naturheilern in USA (Ojibway), Nordeuropa (Saami) und Sibirien (Altai) Erkenntnisse gewonnen von einem anderen Umgang mit psychischen Erkrankungen. Entsprechend der Weltanschauungen der Naturvölker gibt es eine andere Sichtweise und Deutung psychotischer Phänomene als in der westlichen Schulmedizin.

Durch die Kolonisierung und die Christianisierung sind die Traditionen der Naturvölker stark beeinflusst worden. Seit den 70er Jahren besinnen sich wieder viele Völker auf ihre Traditionen und Selbstbestimmung. Aber es ist manchmal schwer, die alten Traditionen wieder zu beleben, da Vieles nur mündlich überliefert wurde und die Vorfahren, die noch das Wissen und die Erfahrung hatten, mittlerweile nicht mehr leben.
Grundlegendes aus dem „indianischen“, bzw. samischen Weltbild:

In beiden Weltbildern sieht man deutlich die Orientierung in der Welt, den Raum (die vier Windrichtungen). Neben der horizontalen Einteilung gibt es aber auch noch die vertikale Einteilung:

Bei den meisten Naturvölkern gibt es die Einteilung in „Unsere Welt“ und „die Andere Welt“ (oft auch dargestellt als Oberwelt und Unterwelt).

Die andere Welt ist der nicht sichtbare Kosmos, in dem die Ahnen und alle möglichen Geistwesen leben (entsprechend den Mythen der Völker).
Einheit mit der Natur ist ein Teil ihrer Weltanschauung, weil es wichtig ist für ihr Überleben.

  • „Am Anfang war das Nichts“ = Meditationsübungen & Autogenes Training mit dem Ziel, das Sinneswahrnehmungssystem / kognitive System komplett auszuschalten, eine „mentale Leere“ zu schaffen;
  • „Die Erschaffung der Welt“ = isolierte Konzentrationsübungen zu folgenden Themen (Licht / Dunkel - Sonne / Mond - die Dimensionen des Raumes und der Zeit – unsere menschlichen Sinne - die vier Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde - die Mineralien - das Pflanzenreich - das Tierreich - die Mitmenschen);
  • Komplexe Konzentrationsübungen aus verschiedenen unter b) genannten Elementen;
  • Fortgeschrittene Übungen zum „mentalen Standortwechsel“.

Zusammenfassend wünschen wir eine Veränderung dahin gehend, dass die biologistische Schulmedizin / Psychiatrie auf einen ganzheitlichen Ansatz erweitert wird. D. h. neben dem Körper müssen gleichberechtigt auch die Psyche / Seele (Denken und Fühlen), die soziale, sowie die spirituelle Ebene mit berücksichtigt werden. Der Mensch hat neben der biologischen auch eine psychische, soziale und spirituelle Dimension.

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Nicht, was Dir geschieht ist das Wesentliche, sondern wie Du damit umgehst
AG 10 Heilung von Psychosen... „Denn man sieht nur die im Lichte ....“
Moderatorin: Elfriede Maurer

Das Thema Licht/Dunkelheit zog sich wie ein roter Faden durch unsere AG. Ich war freudig überrascht, dass sich 17 Menschen darin einfanden. Im Kreis sitzend (um eine schöne gestaltete Mitte herum, in der auch das Licht brannte) begrüßten wir uns und stellten uns vor, mit kurzer Schilderung unseres Krankheitsverlaufs. Schriftlich legten wir unser Befinden, unsere Gefühle gemäß der Fragestellung nieder: Wo stehen wir im Licht, wo in der Dunkelheit? Wer wollte, sagte was dazu, die anderen legten es in der Mitte ab. Nach meinen Kurzreferat über Begriff Psychose, Umgang mit der Krankheit, Mitverantwortung des Kranken an seiner Gesundheit, ging es über zu Kleingruppen-AG: Was hat mir in der Krise gut getan? Was würde ich mir wünschen, was tut nicht gut? ... Die Ergebnisse wurden ins Plenum getragen und besprochen und von mir weiter ergänzt.

Dazwischen halfen uns einige Lockerungsübungen wieder frischer und konzentrierter zu werden.
Die Texte, passend zu der Thematik, die dazwischen vorgelesen wurden und später allen mitgegeben wurden, setzten einen Endpunkt über ein Kapitel oder bereiteten ein neues vor.

In der Halbzeit eine Befindlichkeitsrunde, wie es uns geht? Wie wir uns fühlen?... Eine weitere Fragestellung an alle war: „Wie erfahre ich Grenzen? Durch was? Wie, wo kann ich Grenzen setzen, Grenzen überschreiten?“

Nach einem Austausch darüber war das von mir referierte Thema: Akzeptanz und Toleranz in der Gesellschaft, Leid, Leid erfahren, Schuld, Schuldzuweisung, Verletzungen, Kränkungen mit Übergang zum nächsten Schritt: Heil, Heilwege. Dazu konnten alle eine vorbereitete Karte ziehen mit den Begriffen wie: Würde, Hoffnung, Demut, Frieden, Geduld usw. In der Runde konnten wir dazu etwas sagen: Ob dieser Begriff zu mir passt? Was ich damit verbinde? usw. Andere Begriffe wie Mystik, Spiritualität usw. wurden von mir referiert und erläutert. Im Folgenden ging es um Quellen der Spiritualität, wie Gebet, Meditation, Natur, Stille usw. und um weitere Quellen, aus denen sich schöpfen lässt, um zu gesunden und heil zu werden.

Nach einem Resümee von allen und einem weiteren Text schloss unsere AG mit der Übergabe eines kleinen Wunsches, geschrieben in ein Licht, ab.

Ich dankte allen, die an meiner AG teilnahmen. Wir waren bunt zusammengewürfelt, und doch haben wir uns gefunden, gut zusammengepasst und gut harmonisiert. Ich hab mich auch gefreut über die sehr rege Mitarbeit, die Offenheit in der Runde, die Herzlichkeit, jeder nach seiner Befindlichkeit und Möglichkeit. Wir alle hätten uns gerne noch länger und ausführlicher mitteilen können, diskutieren usw. Material und Themen hätten wir genügend zur Verfügung gehabt.

Ich hatte mich in der Runde sehr wohl gefühlt, empfand es als sehr heilsam und habe auch für mich einiges gelernt und Neues erfahren.

Ich glaube, dass das was Bertold Brecht schrieb; als Ergebnis der AG, die fortgesetzt werden sollte, stehen könnte:

„Es ist besser ein Licht anzuzünden, als in der Dunkelheit zu jammern!“

 

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