AG 1: Die im Dunkeln sehen einander nicht? Die eigene
Erfahrung – Schatz oder Brett vor dem Kopf?
Moderator: Peter Lehmann (Berlin - www.peter-lehmann.de)
Wie kann die eigene Erfahrung angereichert, vermittelt,
geöffnet werden, damit aus Erfahrenen Experten werden? Mit welcher Praxis
können wir unsere Erfahrungen anreichern? Was sind Erfahrungen eigentlich?
Wie lassen sich Erfahrungen Anderer nutzen? Experten nicht nur in eigener
Sache: Für welche Bereiche wollen wir Experten sein? Unter welchen Bedingungen
können und wollen wir dieses Expertentum Anderen vermitteln? Wie schützen
wir uns vor Interpretation, Missbrauch als Quotenbetroffene, Reduzierung
auf die Patientenrolle, Zurschaustellung und Ausbeutung?
Qualifizierung von Betroffenen zu Experten ist nicht neu,
allerdings wurde dieses Thema im BPE bisher eher vernachlässigt. In
Großbritannien gibt es bereits seit 20 Jahren Erfahrungen mit der Qualifizierung
von Betroffenen zu ExpertInnen, die dann auch gut bezahlte Arbeit im
psychosozialen Bereich finden. Peer (= „Gleiche“) Training, d.h. Training
von Betroffenen zwecks Tätigkeit für den Einsatz, als ehemals Betroffene
akut Betroffene zu unterstützen, gibt es auch seit Jahren in den USA,
wie auch Fortbildung von Betroffenen zu Fortbildnern („Consumers as
trainers“ – „Betroffene als Trainer“). Ein Ergebnis des „Harassmentprojekts“
(„Diskriminierung von Psychiatriebetroffenen im Gesundheitswesen. Eine
europäische Studie“), an der der BPE beteiligt war, bestand in der Forderung
nach (ausgebildeten) Betroffenen, die ihr Erfahrungswissen in die Ausbildung
von Profis einbringen, siehe www.enusp.org/documents/harassment/empfehlungen.pdf
Parallel zur Erarbeitung dieser Empfehlungen wurden in
Oberösterreich zuerst von Oase – Power to the People“, später von Netzwerk
Spinnen unterschiedliche Konzepte zur Peer-Ausbildung entwickelt. In
Deutschland bietet die Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V. (Bremen),
im Rahmen ihrer F.O.K.U.S.-Fortbildung „ExpertIn durch Erfahrung in
der Gesundheitsversorgung“ Basismodule an. Manche Fortbildungen sind
von den Betroffenen zu bezahlen, manchmal gibt es Geld für die Teilnahme
an der Fortbildung. Manchmal bestimmen die Betroffenen selbst, wer sie
zu welchen Themen fortbildet, manchmal bestimmen die Profis Themen und
Fortbilder. Teilweise gilt die spätere Tätigkeit als Beitrag Richtung
Systemwechsel, teilweise als Ergänzung psychiatrischer „Angebote“, dann
werden nicht nur psychiatrische Strukturen und Gesetze gelehrt, sondern
es gibt auch eine „Krankheits- und Typenlehre“.
In der (sehr großen) Arbeitsgruppe näherten wir uns den
weit reichenden Fragen durch ein längeres Brainstorming an. Was genau
ist es, was uns interessiert, wo wir bisher kaum Erfahrungen mit Fortbildungen
als Betroffene haben?
Vier Fragenkomplexe standen im Raum:
- Erleben, Erfahren, Reflektieren, Verarbeiten. Und dann die eigenen
Erfahrungen verallgemeinern: Was lässt sich angesichts der Kenntnis
unserer Einzigartigkeit verallgemeinern? Beispiel - Verständnis der
eigenen Erfahrung als Krankheit: Werden andere nicht verletzt, wenn
man diesen Begriff verallgemeinert, wo ihn andere als abwertend für
ihre eigenen Erfahrungen verstehen? Voraussetzung insgesamt ist die
Auseinandersetzung mit der eigenen, außergewöhnlichen Erfahrung.
- Wie die eigenen Erfahrungen anreichern: Schulung, Training, Lesen,
Auseinandersetzung in der Praxis, Evaluation (Überprüfung und Auswertung)
- Wo anwenden? Krisenbegleitung, Weglaufhaus Mitarbeit, Besuchskommissionen,
Selbsthilfeberatung, Nutzerbeteiligung, Interessensvertretung
- Folgerungen: Wesentlich ist, dass - unabhängige - Betroffene die
Zertifizierung in den eigenen Händen behalten bzw. sie in die eigene
Hand nehmen, ebenfalls an Lehrplanerstellung und Auswahl von DozentInnen
zumindest beteiligt sind. Da es schon einiges an Praxis gibt, diese
aber zu wenig bekannt oder gänzlich unbekannt ist, wurde als AG-Ergebnis
beschlossen, dass sich ein unabhängiger Arbeitskreis bildet, der einen
Überblick über bestehende Angebote der Fortbildung von Betroffenen
zu Experten erarbeiten, diesen auf die Website des BPE (siehe www.bpe-online.de/verband/fortbildung.htm)
stellen und sich weiter dem Thema widmen will. Zudem wurde vorgeschlagen,
an den langjährigen Erfahrungen aus England profitieren zu wollen
und dem BPE vorzuschlagen, als nächsten Hauptreferenten einen erfahrenen,
psychiatriebetroffenen Trainer bzw. eine Trainerin einzuladen. (Vorschlag
P.L.: Andrew Hughes oder Jan Wallcraft, beide England).
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AG 2: Workshop Musiktherapie
Moderator: Hartmut Kapteina
Ca. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten eine Musiktherapiestunde
life und an der eigenen Person. Zuerst konnten alle die vielfältigen
Instrumente ausprobieren. Alle Musikinstrumente, die in der Musiktherapie
zum Einsatz kommen, können von musikalisch unerfahrenen Laien auf Anhieb
und ohne vorheriges Üben gespielt werden. Es geht nicht um künstlerische
Leistungen. Musik wird als spontaner Ausdruck der seelischen Befindlichkeit
erlebt. Deshalb repräsentiert das Instrumentarium ein breites Spektrum
an klanglichen Möglichkeiten ebenso wie Handlungen: schlagen, schütteln,
reiben, streichen, klopfen u.s.w.
Nach der ausführlichen Experimentierphase konnte jeder Instrumente
auswählen, die seiner momentanen Stimmung entsprechen. Danach gab es
eine Vorstellungsrunde, bei der alle etwas von sich selbst erzählen
und die ausgewählten Instrumente zum Klingen bringen konnten. Nach der
Mittagspause machten alle zusammen eine gemeinsam improvisierte Musik.
Dabei kamen alle Gefühle zum Ausdruck: Angst, Trauer, Schmerz, Wut,
Aggression und vor allem unbändige Lebenslust und Freude; neben den
Klängen der Musikinstrumenten entdeckten einige auch die Möglichkeit,
mit der Stimme zu spielen. Wir erfuhren, dass diese Art des freien und
spontanen musikalischen Ausdrucks ohne Noten und ohne Dirigent keineswegs
nur Chaos und Kakophonie ist, sondern dazu verhilft, sich von psychischen
Spannungen zu befreien und neue soziale Erfahrungen zu machen. In einer
abschließenden Gesprächsrunde berichteten die Teilnehmer über ihre musikalischen
Erlebnisse und wie sie diese mit ihrer eigenen psychosozialen Situation
in Verbindung bringen können. Dabei äußerten einige Ideen, wie sie diese
Art des musikalischen Spiels zur eigenen psychischen Stabilisierung
und in Selbsthilfegruppen nutzen können. Der Wert der Musiktherapie
in der Behandlung von psychischen Erkrankungen, insbesondere auch in
akuten Zuständen, wurde deutlich.
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AG 3 „Psychiatrie-Erfahrene machen Radio“
Moderator: Doris Steenken
Ich habe vormittags (2 Teilnehmer) und nachmittags (5 Teilnehmer) die
gleiche Arbeitsgruppe gemacht.
Die Psychiatrie-Erfahrenengruppe Osnabrück besteht seit Dezember1994.
1998 überlegten wir, mit Psychiatriethemen aus Sicht der Betroffenen
an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war uns sehr wichtig, in unserer
Gesellschaft die Vorurteile und Ängste gegenüber psychisch Kranken abzubauen
indem wir darüber berichten und aufklären. Also entschlossen wir uns
dazu, Radiosendungen zu machen.
Wir setzten uns mit dem Bürgerfunk „OS-Radio“ in Osnabrück in Verbindung.
Die Voraussetzung für einen Sendeplatz im Studio war, dass wir an Kursen
teilnehmen um uns mit der Technik im Studio vertraut zu machen. Außerdem
wurden wir über Regeln und Grundsätzliches zum Senden aufgeklärt.
Die ersten 10 Sendungen wurden vorproduziert, bis wir dann live über
den Äther gingen
Am 11. Januar 1999 war es dann soweit, unsere erste Radiosendung mit
den Namen „Irre Grenz Welle“ wurde gesendet.
1999 gab es den ersten Namenwechsel von „Irre Grenz Welle“ zu „Eutopia
2013“.
Der zweite Namenswechsel war dann 2001 von „Eutopia 2013“ zu „Psycho´n
outen“
Seit 2003 senden wir unter den Namen: “Psycho-Echo“
Wir haben einen festen Sendeplatz und senden in regelmäßigen Abständen
alle 4 Wochen immer am Donnerstag von 19:05 bis 20:00 Uhr auf der Frequenz
: UKW 104,8
Unsere Themen für die Sendung entstehen meistens aus Diskussionen in
unserer Psychiatrie-Erfahrenen Selbsthilfegruppe. So können auch die
Ideen und Wüsche der anderen Gruppenteilnehmer, die nicht mit im Redaktionsteam
sind, mit berücksichtigt werden.
Der Rest wird dann noch z.B. im Internet recherchiert.
Dann wird in einer Redaktionssitzung der genaue Ablauf der Sendung und
die Musikzusammenstellung besprochen.
Dabei ist es sehr wichtig, dass die Textbeiträge, auch „Blöcke“ genannt,
nicht länger als ca. 4 Minuten sein sollten, damit die Zuhörer nicht
mit zu viel geballter Info überfordert werden.
Die Blöcke werden durch Musik gertennt bzw. aufgelockert, damit der
Zuhörer die Infos erst mal wieder sacken lassen können.
Wir haben uns dann immer ca. 15 Minuten vor Sendebeginn vorm Studio
getroffen um evtl. noch Änderungen zu besprechen und uns auf die Sendung
einzustimmen. Unsere Sendung beginnt immer mit dem Lied: „Der goldene
Reiter“ von Joachen Witt, weil der Liedtext so gut zum Thema „Psychiatrie“
passt. Außerdem hat unsere Sendung dadurch den typischen Erkennungswert.
Danach kommt ein Einleitungsblock, ungefair 4 Hauptblöcke und zum Schluss
die Termine, sowie Ankündigung unserer nächsten Sendung und Verabschiedung.
Bei einigen Teilnehmern kam großes Interesse auf, so ein Radioprojekt
auch in anderen Städten umzusetzen.
In Hannover gibt es schon regelmäßige Sendungen auch im Bürgerfunk von
Körperbehinderten.
Es kam die Idee, sich mit denen in Verbindung zu setzen, um evtl. mal
eine Sendung damit zusammen zu produzieren. So hätte man die Möglichkeit,
zu testen und zu schnuppern, ob diese Art von Öffentlichkeitsarbeit
für Einen persönlich in Frage kommt.
Damit die AG-Teilnehmer einen besseren Eindruck davon bekommen, habe
ich einige Aufnahmen von älteren Sendungen abspielen lassen.
Als ich im Jahr im Sommer 2003 zur Psychiatrie-Erfahrenen Gruppe fand
und von den Radiosendungen erfuhr, bin ich auch mit ins Studio, um zu
sehen, wie so etwas funktioniert.
Seitdem bin ich mit voller Begeisterung ein festes Redaktionsmitglied.
Da unsere Jahrestagung in Kassel diesmal unter dem Titel „ Denn man
sieht nur die im Lichte...“ lief, ist es sehr wichtig, dass wir uns
aus der Dunkelheit durch Öffentlichkeitsarbeit ins Licht begeben. Damit
man uns sieht, Vorurteile abbaut und uns nicht fürchtet oder vergisst.
Doris Steenken
Spindelstrasse 27
49080 Osnabrück
Tel.: 0541/80 09 522
E-Mail: doris_steenken@yahoo.de
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AG 4 Leben in der Kommune: Raus aus dem Wohnheim! Raus
aus der WfB!
Stichworte zur AG 4 von Klaus Laupichler auf der Jahrestagung des BPE
2006
Ein Heimplatz kostet um die 2500,- Euro aufwärts. Zum Vergleich ist
für das persönliche Budget ein Betrag von ungefähr 800,- Euro angesetzt.
Die Forderung nach der Auflösung von Heimen kann in Zeiten knapper Kassen
unter Kostengesichtspunkten ein Thema für die öffentliche Hand sein.
Die Forderung nach Auflösung von Heimen kommt aber auch von Betroffenen,
die unzufrieden sind mit dem, was den Menschen in Heimen zu diesem Preis
tatsächlich geboten oder auch zugemutet wird.
Andererseits gibt es besonders von den Psychiatrien, die ihre Langzeitpatienten
entlassen wollen, die Forderungen nach neuen Heimplätzen, weil viele
Menschen nicht alleine zurecht kommen würden. Klaus erzählte uns von
Menschen, deren Versuche wieder ein selbstbestimmtes Leben in einer
eigenen Wohnung zu führen abgeblockt wurden z.T. mit bürokratischen
Tricks am Rande und jenseits der Legalität und die dann irgendwann resignierten.
Er berichtete aber auch von Menschen, die nach der Auflösung von Heimen
alleine nicht zurecht kamen und unbemerkt von der Öffentlichkeit verelendeten
und starben. Dies muss man wissen, um sich nicht von Schlagworten täuschen
zu lassen, die eine Verbesserung vorgaukeln, die sich im Einzelfall
dann aber als Verschlechterung erweist. Es gibt keine einfachen institutionellen
Lösungen, die allen gerecht werden.
Wenn wir uns vonseiten der Selbsthilfe diesem Thema nähern, so geht
es uns in erster Linie darum, die Eigeninitiative von Menschen zu unterstützen,
die wieder ein selbstbestimmtes Leben führen wollen und zugleich auch
darum, Bemühungen um mehr Selbstbestimmung der Menschen auch innerhalb
der Heime und WfBs zu unterstützen. Wir denken dabei vor allem an eine
exemplarisch gute Arbeit, da wo sich Möglichkeiten dafür ergeben.
Wir streben dazu an:
- Die Erfahrungen von Menschen zu sammeln und zu dokumentieren, denen
der Absprung aus den Heimen und WFBs gelungen ist und sie als Partner
für die Beratung von Menschen zu gewinnen, die diesen Schritt tun
möchten, und dabei Ermutigung und Unterstützung brauchen (Netzwerkprojekt).
Es ist denkbar, dass dabei auch Studenten der Sozialarbeit etc. gewonnen
werden, die Diplom oder Doktorarbeiten zu dieser Thematik schreiben.
Die Mitglieder des BPE werden aufgefordert, Kontakte zu (ehemaligen)
Heimbewohnern herzustellen, die Interesse haben und geeignet sind,
an einem solchen Projekt mitzuwirken.
- Wir halten es für sinnvoll, Besuchskommissionen mit Betroffenenbeteiligung
auch für die Heime einzuführen, um frühzeitiger strukturelle und andere
Mängel in der Situation der Heimbewohnern festzustellen und zu korrigieren.
- Heimbeiräte und Werkstatträte sollten einen gesetzlichen Anspruch
auf Fort- und Weiterbildung haben, dafür freigestellt werden und auch
die Kosten erstattet bekommen. Wir werden versuchen, eine solche Fortbildung
als Modellprojekt z.B. in Rheinland-Pfalz selbst zu organisieren.
Es gilt Menschen Mut zu machen, sich mit einer unbefriedigenden Situation
nicht abzufinden und der Resignation und damit Chronifizierung entgegenzuwirken.
- Denkbar ist auch die Übernahme von Patenschaften für Menschen, die
eigene Initiativen zur Verbesserung ihrer Situation unternehmen wollen.
- Erhebungen von Daten zur Situation der Heimbewohner über die PSAGs
(Verweildauer, Wiederausgliederungsquote, Klinikaufenthalte, Medikation,
andere Leistungen der Heime, Mängel, Defizite in der Versorgungsstruktur,
etc.). In diesem Zusammenhang sollten auch Menschen gewonnen werden,
die professionell in Heimen arbeiten, gearbeitet haben, und selbst
an Grenzen stoßen/ gestoßen sind, bei einer Verbesserung der Situation
der Heimbewohner.
- Wenn Menschen die Hoffnung verlieren, ist es gut, wenn es andere
gibt, die die Hoffnung für eine Weile aufbewahren. Niemand ist dazu
besser geeignet als die Menschen, die sich aus einer vergleichbar
schwierigen Situation in Eigeninitiative befreit haben. Es ist deshalb
von ganz besonderer Bedeutung, dass die Bemühungen von Menschen, die
sich hier besonders bemühen, wirksam unterstützt und zu einem guten
Ende geführt werden. Auch wenn es zunächst wenige sein mögen, es lohnt
sich, sich hier in besonderer Weise zu engagieren und mitzuhelfen,
dass es viele Menschen und Lebensgeschichten gibt, die zu Hoffnungsfunken
für andere werden können.
- Die Erstellung eines Fragebogens zur Zufriedenheit der Heimbewohner
und deren Durchführung.**
Alles Gute Klaus, du Hoffnungsfunke aus Herbrechtingen! wünscht Kalle
** [Ergänzt, die Redaktion: wurde in der AG so gefordert
wurde]
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AG 5: Die Schreibwerkstatt – Texte schreiben und hilfreich
nach innen & außen tragen – Lyrik, Prosa, Autobiografie, Zeitungsartikel
etc. Und Ihre Sinnvolle Kommunikation –
Leitung/Referent: Gangolf Peitz, Schriftsteller & Künstler/Altenpflegehelfer
„Denn man sieht nur die im Lichte...“ - Der Tagungstitel entstammte
der Literatur (Bertolt Brecht). Aus der Bibel kennen wir: „Am Anfang
war das Wort“ (Johannesevangelium)...
Über Texte können wir Schattiges hilfreich beschreiben und ‚behandeln’,
unsere Gedanken- und Gefühlswelt aufhellen bzw. Betroffene und ihre
Probleme ins richtige Licht bringen, uns ins Helle helfen. Damit gehandicapte
Menschen letztlich nicht im Schatten bleiben. Kultur ist dabei ein gesundes
Mittel für seelische Heilungsprozesse, als Instrument von Selbsthilfe.
Wie sich zeigte, ließ sich mit dieser neuen Arbeitsgruppe (unter quasi
literaturtherapeutischem Ansatz) erfolgreich an die fruchtbare erste
AG dieser Art vom Vorjahr anschließen. Wiederum war das insgesamt 3-stündige
Seminar mit einer Teilnehmer-Stärke von neun Personen (bei geringfügiger
Fluktuation) in einer idealen Größe zum Arbeiten besucht. Es wurde konzentriert
und aktiv gearbeitet sowie sehr interessiert diskutiert.
Schreiben ist Ausdruck und Mitteilung von Gedanken und Gefühlen, von
Erinnerungen und Erfahrungen, Träumen, Wünschen, Hoffnungen, Plänen...,
aber auch von Kritik, Klage oder Widerstand. Schreiben ist Kommunikation
nach innen und außen, Gespräch mit sich selbst, mit den anderen, mit
der Umwelt und der Öffentlichkeit. Texte schreiben, veröffentlichen
und vortragen ist ein guter Weg sich selbst zu helfen, Lösungswege zu
suchen, zu finden und mitzuteilen, - Veränderung, Verbesserung, Aufklärung,
Kritik und Information nach außen zu tragen.
Normal-Poem
Ich bin normal.
ICH bin normal
Ich BIN normal
Ich bin NORMAL
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
Ich bin normal
© Gangolf Peitz
(Alle Rechte beim Autor)
|
In dieser AG ging es darum darzustellen und herauszuarbeiten, wie wir
mit eigenen Gedichten, Geschichten, Autobiografie, Comedy/Kabarett,
Tagebuch, Reiseerinnerung, Mundart oder z.B. einem Zeitungsartikel Selbstvertrauen
und Selbstfindung in uns stärken und fördern bzw. unsere Belange und
Intentionen sinnvoll nach außen bringen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf
der Vorstellung und Besprechung von Präsentations- und Publikationsmöglichkeiten.
Themen waren hier: Lesung und Vortrag – Wo und wie veröffentlichen –
Bücher, Zeitschriften, Zeitung – Literaturtelefone – Internet – Hörbuch
- Texthefte – Lesezeichen – Literaturwettbewerbe - Poetry Slams - Vom
Schreiben leben – ‚Der literarische Start’. Besonders interessiert verfolgten
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schilderung meines persönlichen
Werdegangs aus bittrer erkrankter Zeit zum Schriftsteller und Künstler,
wo es mir schließlich auch gelang, daraus ein zweites berufliches Standbein
mit Nebeneinkommen aufzubauen. Es freut mich sehr, dass ich hier aus
meinem konkreten Erfahrungsschatz als Autor -aus glücklich bewältigter
Krisenzeit entwickelt- berichten sowie Tipps, Ideen, Rat und Anregung
geben bzw. vermitteln konnte. Sehr aufmerksam wurde auch der Punkt „Vom
Schreiben leben“, mit Informationen zu Autorenhonoraren, Verdienmöglichkeiten,
zum literarischen Markt oder zu kleinen ersten Veranstaltungsstrategien
aufgenommen. Angenehm überrascht war die Gruppe, als ich außergewöhnliche
Text- und Vortragsformen (von Lyrik beispielweise) ‚live’ vorstellte:
Mit einem gesungenen Gedicht, lautmalender Poetik sowie einer kurzen
Gedicht-Performance als Idee zur Betonung eines inhaltlichen Anliegens.
Trotz der Bandbreite der vielen Möglichkeiten gelang es in der vorgegebenen
Zeit, in Referat, Diskussion wie in der Beantwortung von aufgekommenen
Fragen, den Bogen der Palette literarisch-textlicher Betätigungsfelder
zu spannen, wenngleich die Zeit freilich nicht zur vollen Detailerörterung
ausreichte. Wir arbeiteten in der AG theoretisch und praktisch. Jeder
Teilnehmer erhielt ein ausführliches Informationsblatt zum Mitnehmen.
Im praktischen Teil ging es um den direkten Vortrag. Wir übten und besprachen
reihum kurze Probelesungen von ernster wie heiterer Textgattung. Alle
machten hier engagiert mit und wir diskutierten resp. optimierten unser
aller Lesen eingehend. - In der Feedback-Schlussrunde hieß es, man habe
Neues erfahren und mitnehmen können. Eine Fortsetzung dieser AG-Arbeit
wurde gewünscht. Ein Tagungsteilnehmer etwa trat im Anschluss an mich
mit dem Wunsch heran, eine nächste AG Vorschlagsweise ausschließlich
zum Thema ‚Zeitungsartikel schreiben und Umgang mit den Medien für Selbsthilfegruppen’
zu machen.
Am Anfang ist das Wort, auch am Anfang von Genesung. „Und das Wort
wurde Licht“, könnte man weiterführen, um nochmals biblisch zu sprechen...
Helle Tage und Licht sind auch über den Weg der Literatur möglich, wo
textliches Schaffen zu innerer Befreiung, zu Lösung bzw. Lösungswegen
(mit)helfen kann, damit seelische Belange im richtigen Licht stehen
und letztlich innen wie außen Gesundung stattfindet. Und wenn Menschen
-Betroffene ebenso wie nicht/nicht mehr oder noch nicht Betroffene...-
hierzu Worte und Texte festhalten und sinnvoll kommunizieren, ist dies
hilfreich. Worte heilen.
Auf dass unser aller Leben hell ist und sich reimt!
Das wünscht herzlichst Gangolf Peitz
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AG 6: Ausgrenzung von Psychiatrie-Erfahrenen in der
Arbeitswelt
Moderator: Lothar Grafe
Einleitung:
In diesem Referat werde ich auf die Problematik der Ausgrenzung von
Psychiatrie-Erfahrenen im Arbeitsleben eingehen.
Zu Beginn des Referats werde ich auf einige rechtliche Bestimmungen
zu sprechen kommen, in denen die Problematik Erkrankung und Berufsausübung
zum Tragen kommt.
Rechtliche Bestimmungen, die gelten: (Beigefügte Beispiele
anführen und ggf. dem Plenum zur Ansicht geben)
Berühren von folgenden Grundrechten:
- Artikel 1, Grundgesetz (Art 1, GG): „Die Würde des Menschen ist
unantastbar“
- Artikel 3, Grundgesetz (Art 3, GG): „Niemand darf wegen seiner Behinderung
benachteiligt werden“
- Artikel 10, Grundgesetz (Art 10, GG): „Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis“
- Artikel 12, Grundgesetz (Art 12, GG): „Freiheit der Berufswahl“
1. Ausgrenzung bei der Berufswahl
Die Ausgrenzung vollzieht sich schon bei der Berufswahl.
Es gibt immer noch gesetzliche Bestimmungen, die eine Ausübung von sozialen
Berufen durch Psychiatrie-Erfahrene unmöglich machen. Dabei verfügen
doch sie gerade über ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität,
das sie m. E. nach geradezu bestens geeignet sind, in diesen Berufen
tätig zu werden bzw. zu sein.
2. Bewerbung / Vorstellungsgespräch
Ebenso sind die Hürden sehr hoch gesteckt, wenn es darum
geht, eine Arbeitsstelle zu bekommen. Soll der Psychiatrie-Erfahrene
seine Erkrankung dem Arbeitgeber bereits beim Vorstellungsgespräch offenbaren?
Oder soll er erst die Stelle nach seinem besten Wissen und Gewissen
ausfüllen, ohne dem Arbeitgeber von seiner Erkrankung in Kenntnis zu
setzen?
3. Arbeitsbeginn / Probezeit
Insbesondere in den ersten Arbeitstagen und während der Probezeit
herrscht Unsicherheit (sie herrscht auch bei Nicht-Erkrankten (btw)
). Leistungen zeigen nach bestem Wissen und Gewissen scheint dabei noch
das beste „Rezept“ zu sein.
4. Krankheits- / Ausfallzeiten
Ein weiteres Problemfeld stellt eine (vorübergehende) Fehlzeit durch
eine erneute Erkrankung dar. Wie werden sich Kollegen verhalten, wenn
sie erfahren, dass sie nun für den Zeitraum mehr arbeiten müssen? Wie
leicht oder schwer wird sich die Wiederaufnahme der Arbeit nach der
Genesung darstellen? Inwieweit spielt der Arbeitgeber überhaupt mit?
Droht Kündigung, falls sich die Arbeitsausfälle/Fehlzeiten häufen?
Im weiteren Verlauf werde ich anhand eigener persönlicher Erfahrungen
Beispiele anführen, die einem Psychiatrie-Erfahrenen begegnen, der sich
im Arbeitsleben befindet.
5. Verlauf der AG
Am Vormittag waren wir mit 9 Teilnehmern gewesen. Nachdem wir uns zunächst
jeder vorgestellt hatten, entwickelte sich eine sehr angeregte Diskussion.
Es wurden dabei mehrere „Unterthemen“ besprochen. Ein Teilnehmer äußerte
den Wunsch, von der WfBM in den ersten Arbeitsmarkt wechseln zu können.
Er bekam von der Gruppe einige Anregungen und Hilfestellungen, die ihn
in seinem Ansinnen bekräftigten.
Ebenso wurde auch über das Verhalten beim Vorstellungsgespräch und die
„ersten Tage“ am neuen Arbeitsplatz diskutiert. Wichtig war es allen
Teilnehmern auch, Lücken im Lebenslauf geschickt zu „kaschieren“. Eine
Teilnehmerin führte „Selbstständigkeit“ als Lückenfüller im Lebenslauf
an, dies habe sie schon hin und wieder bei Bewerbungen praktiziert.
Sie war bzw. ist z. Z. auch selbstständig. Ein Thema, das wohl alle
betraf, war „Mobbing“ und wie man damit umgeht. Man kam zu dem Ergebnis,
dass Mobbing viele Gesichter hat und sich nicht nur unter Mitarbeitern/Kollegen
sich abspielt. Mobbing kann auch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern
sowie umgekehrt erfolgen.
Auch war es wichtig für die Gruppe festzustellen, dass „abweichendes“
Verhalten bei Psychiatrie-Erfahrenen oft und gerne überbetont wird.
Es wurden auch Beispiele als Vergleich mit Gesunden genannt.
Gerne hätte man noch ausgiebiger diskutiert, und wir merkten nicht,
wie schnell 90 Minuten vergangen sind. Alles in allem war der Vormittag
für alle sehr ergiebig gewesen, wenngleich das eine oder andere auch
kontrovers diskutiert wurde.
Die Gruppe am Nachmittag war etwas kleiner, nämlich 5 Teilnehmer, davon
auch 2, die schon in der Vormittagsgruppe mitdiskutierten.
Erwartungsgemäß wurden hier andere Themen angesprochen, die zählten
aber auch noch im weiteren Sinne zu meinem Hauptthema. Übereinstimmend
mit der Vormittagsgruppe wurde auch hier ausführlich zum Thema „Mobbing“
diskutiert. In dieser Gruppe ging man auch auf Fragestellungen ein,
wie Ausschreibungen, insbesondere Stellenausschreibungen zu formulieren
wären (es müssen konkrete Formulierungen vorliegen). Einige Teilnehmer
vertraten die Meinung, dass es bei kleinen Betrieben durchaus Sinn macht,
sich dort persönlich vorzustellen und die Bewerbungsunterlagen mitzuführen.
Bei großen Betrieben kann es ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen
sein.
Wichtiges Thema hier war auch alles rund um den Schwerbehindertenausweis,
ab wann man gleichgestellt mit Schwerbehinderten ist und welche Vor-
und Nachteile mit einem Schwerbehindertenausweis verbunden sind.
Auf das Phänomen „unbequemer“ Mitarbeiter („Unruhestifter“) ist eingegangen
worden. Die Nachmittagsgruppe war der Meinung, dass ein Betriebsrat
unbedingt vonnöten sei, auch bei kleineren Betrieben. Der Betriebsrat
stellt die Interessenvertretung der Belegschaft dar. In der Runde kam
zum Ausdruck, dass einige in Betrieben arbeiteten, die keinen Betriebsrat
hatten und somit manchmal der Willkür der Chefs und Abteilungsleiter
ausgesetzt waren.
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AG 7 Einmal depressiv, immer depressiv, muss das sein?
Moderatorin: Ursula Zingler
Kam mit nur einer TeilnehmerIn nicht zu Stande.
Wir verweisen an dieser Stelle auf den Vortrag von Ursula Zingler „Selbsthilfe
am Beispiel einer als monopolar endogen diagnostizierten Depression
Leben ohne weiterführende Behandlung! Ist das von Interesse?“, aufzufinden
im Internet unter: www.bpe-online.de/verband/rundbrief/2005/4/uschi.htm
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AG 8 „Soziodynamische Spiele“
Moderatorin: Christine Pürschel
Verlorengegangene, noch nicht erlebte oder noch nicht gefestigte Fähigkeiten
anhand von soziodynamischen Spielsituationen zu reflektieren kann mehr
Erkenntnisse bringen als ein mitgeteiltes Wort.
In der AG 8 schrieben sich Teilnehmer ein, die auf dem Gebiet Mimik,
Gestik und körperliche Mitteilung kaum Ausdrucks- od. Mitteilungsprobleme
hatten und sich aufnähme- und weitergabebereit gegenüber den anderen
Teilnehmern in der Gruppe zeigten. Ihnen habe ich am Vormittag und Nachmittag
angeboten, durch gemeinsames Tun und anschließendes Reflektieren darüber,
etwas über eigene Möglichkeiten und das der anderen Teilnehmer zu erfahren.
Mit folgenden Themen haben wir uns nach dem Kennen lernen beschäftigt:
- Bereich Auseinandersetzung: Kommunikationsbereitschaft oder Kommunikation
aussetzen/vermeiden: Jeder Teilnehmer konnte erfahren, wie er auf
andere Teilnehmer wirkt und wie umfänglich der Gesprächswunsch der
anderen Teilnehmer ist.
- Wann ist Vertrauen angebracht, wann nicht: Der geflügelte Begriff
„Vertrauen schenken“ wurde körperlicherseits auf die Probe gestellt.
Durch bestimmte Übungen und Kontakte haben wir uns den von Mensch
zu Mensch unterschiedlichen Grad von Vertrauen bewusst machen können.
- Verantwortungsbereitschaft für sich und einen Anderen: Hier spürten
wir, dass Verantwortung für einen Anderen eine körperlich und psychisch
anstrengende Leistung ist. Während der Übung „Verantwortungsbereitschaft
für einen anderen Menschen“ waren wir mit unserer ganzen Aufmerksamkeit
gefordert. Vorbedingungen, aber auch ganz persönliche Grenzen unserer
Bereitschaft konnten wir erkennen.
- Bereich Differenzierung: taktile Sensibilität, Nähe und Distanz.
Einem Mitglied unserer AG nahe sein, ihm Kameradschaft oder Freundschaft
wortlos verständlich machen - damit lie-ßen wir unsere AG mit angenehmen
emotionalen Empfindungen ausklingen.
Durch derartiges gemeinsames Tun sind Körper, Geist und Seele zur aktiven
Mitarbeit gefordert. Die relativ geringe Teilnahme an dem Angebot soziodynamischer
Spiele bestätigt die oft schon gemachte Erfahrung, dass Menschen lieber
passiv rezeptieren als körperliche Erfahrungen zuzulassen. Wie oft haben
wir alle schon die Formulierung gehört, Seele und Körper sind eine Einheit.
Die praktische Bedeutung dessen wird weniger gelebt, gern aber von unseren
Mitmenschen erwartet.
Solcherart AG‘s waren in den von mir überblickbaren Jahren unüblich.
Mehr unterstützende und motivierende Werbung für dieses Angebot wäre
sicher hilfreich gewesen. Handeln, Teamwork und Kooperation werden in
Berufswelt, Partnerschaft und anderen Gemeinschaften noch immer sehr
gebraucht und geschätzt.
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AG 9: „Mensch-Umwelt-Wahrnehmung – mentale Übungen
für alle Lebenslagen“
Moderation: Ursula Müller – Präsentation: Günter Pfeil
Vorstellung der AG-TeilnehmerInnen mit ihrer psychiatrischen Vergangenheit.
Grund, um sich für die Arbeitsgruppe zu entscheiden: bei der Mehrzahl
bestand ein Interesse an alternativen Heilmethoden.
Vorstellung der Langzeitstudie der WHO zur Schizophrenie (ISoS = International
Study of Schizophrenia). Abschlussbericht von Prof. Kim Hopper (New
York): Eines der wichtigen Ergebnisse ist, dass die Heilungserfolge
von Schizophrenie in den Entwicklungsländern bei ca. 60%-65%, in den
Industrienationen bei ca. 30-35%. Mögliche Ursachen:
- in den Industrienationen wird nur das biologisch-genetische Modell
berücksichtigt;
- fehlendes soziales Netzwerk in den Industrienationen / Wert der
Familie in den Entwicklungsländern;
- unterschiedliche Medizinsysteme (Industrienationen: der Mensch als
„biologische Maschine“ – Naturvölker / Entwicklungsländer: Die biologische,
psychische, soziale und geistige Ebene des Menschen werden berücksichtigt
– ganzheitlicher medizinischer Ansatz)
Die Referentin Ursula Müller hat durch ihre Kontakte mit Naturheilern
in USA (Ojibway), Nordeuropa (Saami) und Sibirien (Altai) Erkenntnisse
gewonnen von einem anderen Umgang mit psychischen Erkrankungen. Entsprechend
der Weltanschauungen der Naturvölker gibt es eine andere Sichtweise
und Deutung psychotischer Phänomene als in der westlichen Schulmedizin.
Durch die Kolonisierung und die Christianisierung sind die Traditionen
der Naturvölker stark beeinflusst worden. Seit den 70er Jahren besinnen
sich wieder viele Völker auf ihre Traditionen und Selbstbestimmung.
Aber es ist manchmal schwer, die alten Traditionen wieder zu beleben,
da Vieles nur mündlich überliefert wurde und die Vorfahren, die noch
das Wissen und die Erfahrung hatten, mittlerweile nicht mehr leben.
Grundlegendes aus dem „indianischen“, bzw. samischen Weltbild:

In
beiden Weltbildern sieht man deutlich die Orientierung in der Welt,
den Raum (die vier Windrichtungen). Neben der horizontalen Einteilung
gibt es aber auch noch die vertikale Einteilung:
Bei den meisten Naturvölkern gibt es die Einteilung in „Unsere Welt“
und „die Andere Welt“ (oft auch dargestellt als Oberwelt und Unterwelt).
Die andere Welt ist der nicht sichtbare Kosmos, in dem die Ahnen und
alle möglichen Geistwesen leben (entsprechend den Mythen der Völker).
Einheit mit der Natur ist ein Teil ihrer Weltanschauung, weil es wichtig
ist für ihr Überleben.
- „Am Anfang war das Nichts“ = Meditationsübungen & Autogenes Training
mit dem Ziel, das Sinneswahrnehmungssystem / kognitive System komplett
auszuschalten, eine „mentale Leere“ zu schaffen;
- „Die Erschaffung der Welt“ = isolierte Konzentrationsübungen
zu folgenden Themen (Licht / Dunkel - Sonne / Mond - die Dimensionen
des Raumes und der Zeit – unsere menschlichen Sinne - die vier Elemente
Luft, Feuer, Wasser, Erde - die Mineralien - das Pflanzenreich - das
Tierreich - die Mitmenschen);
- Komplexe Konzentrationsübungen aus verschiedenen unter b) genannten
Elementen;
- Fortgeschrittene Übungen zum „mentalen Standortwechsel“.
Zusammenfassend wünschen wir eine Veränderung dahin gehend, dass die
biologistische Schulmedizin / Psychiatrie auf einen ganzheitlichen Ansatz
erweitert wird. D. h. neben dem Körper müssen gleichberechtigt auch
die Psyche / Seele (Denken und Fühlen), die soziale, sowie die spirituelle
Ebene mit berücksichtigt werden. Der Mensch hat neben der biologischen
auch eine psychische, soziale und spirituelle Dimension.
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Nicht, was Dir geschieht ist das Wesentliche,
sondern wie Du damit umgehst
AG 10 Heilung von Psychosen... „Denn man sieht nur die im Lichte ....“
Moderatorin: Elfriede Maurer
Das Thema Licht/Dunkelheit zog sich wie ein roter Faden durch unsere
AG. Ich war freudig überrascht, dass sich 17 Menschen darin einfanden.
Im Kreis sitzend (um eine schöne gestaltete Mitte herum, in der auch
das Licht brannte) begrüßten wir uns und stellten uns vor, mit kurzer
Schilderung unseres Krankheitsverlaufs. Schriftlich legten wir unser
Befinden, unsere Gefühle gemäß der Fragestellung nieder: Wo stehen wir
im Licht, wo in der Dunkelheit? Wer wollte, sagte was dazu, die anderen
legten es in der Mitte ab. Nach meinen Kurzreferat über Begriff Psychose,
Umgang mit der Krankheit, Mitverantwortung des Kranken an seiner Gesundheit,
ging es über zu Kleingruppen-AG: Was hat mir in der Krise gut getan?
Was würde ich mir wünschen, was tut nicht gut? ... Die Ergebnisse wurden
ins Plenum getragen und besprochen und von mir weiter ergänzt.
Dazwischen halfen uns einige Lockerungsübungen wieder frischer und
konzentrierter zu werden.
Die Texte, passend zu der Thematik, die dazwischen vorgelesen wurden
und später allen mitgegeben wurden, setzten einen Endpunkt über ein
Kapitel oder bereiteten ein neues vor.
In der Halbzeit eine Befindlichkeitsrunde, wie es uns geht? Wie wir
uns fühlen?... Eine weitere Fragestellung an alle war: „Wie erfahre
ich Grenzen? Durch was? Wie, wo kann ich Grenzen setzen, Grenzen überschreiten?“
Nach einem Austausch darüber war das von mir referierte Thema: Akzeptanz
und Toleranz in der Gesellschaft, Leid, Leid erfahren, Schuld, Schuldzuweisung,
Verletzungen, Kränkungen mit Übergang zum nächsten Schritt: Heil, Heilwege.
Dazu konnten alle eine vorbereitete Karte ziehen mit den Begriffen wie:
Würde, Hoffnung, Demut, Frieden, Geduld usw. In der Runde konnten wir
dazu etwas sagen: Ob dieser Begriff zu mir passt? Was ich damit verbinde?
usw. Andere Begriffe wie Mystik, Spiritualität usw. wurden von mir referiert
und erläutert. Im Folgenden ging es um Quellen der Spiritualität, wie
Gebet, Meditation, Natur, Stille usw. und um weitere Quellen, aus denen
sich schöpfen lässt, um zu gesunden und heil zu werden.
Nach
einem Resümee von allen und einem weiteren Text schloss unsere AG mit
der Übergabe eines kleinen Wunsches, geschrieben in ein Licht, ab.
Ich dankte allen, die an meiner AG teilnahmen. Wir waren bunt zusammengewürfelt,
und doch haben wir uns gefunden, gut zusammengepasst und gut harmonisiert.
Ich hab mich auch gefreut über die sehr rege Mitarbeit, die Offenheit
in der Runde, die Herzlichkeit, jeder nach seiner Befindlichkeit und
Möglichkeit. Wir alle hätten uns gerne noch länger und ausführlicher
mitteilen können, diskutieren usw. Material und Themen hätten wir genügend
zur Verfügung gehabt.
Ich hatte mich in der Runde sehr wohl gefühlt, empfand es als sehr
heilsam und habe auch für mich einiges gelernt und Neues erfahren.
Ich glaube, dass das was Bertold Brecht schrieb; als Ergebnis der AG,
die fortgesetzt werden sollte, stehen könnte:
„Es ist besser ein Licht anzuzünden, als in der
Dunkelheit zu jammern!“
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