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 Rundbrief
Ausgabe 4/2006

„Eine gute Alternative – Vertrauensbasis aufbauen“
Grußbotschaft von Dorothea Buck verteilt anlässlich der Jubiläumsveranstaltung zum 10jährigen Bestehen des Dorothea-Buck-Hauses in Bottrop

Unter der Überschrift „Eine gute Alternative – Vertrauensbasis aufbauen“ beginnt sie mit zwei (jung klingenden) Zitaten von Luc Ciompi, der als Fachmann eigentlich nur ausspricht, was sie selbst seit Jahren als Autodidaktin vertritt. Nun ja, manche wollen es eben nach wie vor lieber von einem Professor hören, was sich in der Psychiatrie ändern muss:

„Seit vielen Jahren suche ich, unzufrieden mit der üblichen Klinikbehandlung, nach neuen und besseren Wegen der Betreuung von Menschen mit akuten schizophrenen Störungen. Problematisch erschien mir an der traditionellen Behandlung nicht nur die undifferenzierte „medikamentöse Keule“, die praktisch obligat auf jeden Kranken mit akut psychotischen Erscheinungen herunterzusausen pflegt. Sie reduziert neben den gröbsten Symptomen gravierend auch die Möglichkeit, dem tiefen oft traumartigen Sinn etwa von Wahn und Halluzinationen zusammen mit dem Patienten nachzuspüren und die zugrunde liegenden Lebensprobleme mit einer intakt gebliebenen Gesamtpersönlichkeit integrativ zu bearbeiten.

Auch die aufgeregt-gespannte Atmosphäre der so genannten „unruhigen Aufnahme-Abteilungen“ und „Wachsäle“, die undurchsichtige Organisation eines komplexen psychiatrischen Großkrankenhauses mit seinen unvertrauten Regeln und Riten, das ständige Kommen und Gehen von ebenfalls erregten und verstörten Mitpatienten, die viel zu fragmentierte Präsenz und professionelle Distanz des Pflegepersonals, ohne Möglichkeit, in aller Ruhe eine kontinuierliche, zwischenmenschliche Vertrauensbeziehung aufzubauen, scheinen mir alles andere als ideal für die Behandlung von ohnehin verängstigten und verwirrten Kranken zu sein. In manchen psychiatrischen Akutabteilungen herrscht zudem nach wie vor ein Klima von Angst, Zwang und Gewalt. Insbesondere die sogenannte Vulnerabilitäts-Hypothese (Verletzlichkeit), welche Menschen mit schizophrenen Störungen als besonders verletzliche, sensible und „dünnhäutige“ Individuen versteht, die emotionale und intellektuelle Belastungen aller Art schlechter vertragen als Gesunde, verlangt offensichtlich nach etwas ganz anderem“. Luc Ciompi, Professor für Sozialpsychiatrie Universitätsklinik Bern (Modell Soteria)

Eine Psychose kommt nicht aus heiterem Himmel. Sicher – da ist eine vulnerable Person – in diesem Falle jemand mit einer Behinderung, und vielleicht hat sie auch ein Gen, das sie nicht haben sollte, aber das alles genügt doch nicht, um eine Psychose zu erklären! Da geht eine enorme Spannung voraus, die verstanden werden muss und kann, die letztlich in eine psychotische Entgleisung mündet... Es geht darum, durch den vordergründigen Nebel der Psychose zum Menschen zu gelangen, zu fühlen, zu spüren, was ihn eigentlich ausmacht, vor was er Angst hat, was und wen er liebt, zu welchen Menschen er Beziehungen hat... Wenn man einen Patienten anschaut, ihn diagnostiziert und Neuroleptika verabreicht, ohne den Menschen zu verstehen, ohne Zugang zu ihm zu bekommen, ist dies eine Etikettierung und damit daneben: Das ist eine Psychiatrie, die ich ablehne.“ Prof. Ciompi bei einer Fallbesprechung, 27.6.1989, SPK Bern

„Du musst ein Chaos in dir tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären.“ Friedrich Nietzsche

Außerdem weist uns Dorothea Buck auf interessante Neuerscheinungen im Paranus-Verlag hin: http://www.paranus.de (in der Leiste links auf „Neuerscheinungen“ klicken!) besonders auf die neuen Bücher von Thomas Bock und Sibylle Prins („Seitenwechsel“)

Thomas Bock, zusammen mit Dorothea Buck, Begründer der Psychoseseminare

Broschüre „ABC des BPE“ – ! Wir bitten um Mitarbeit !

Wir möchten, wie auf der letzten Mitgliederversammlung in Kassel angekündigt, eine Broschüre machen mit dem Titel „ABC des BPE“. Sie soll dazu beitragen, dass der BPE bekannter wird, mehr Mitglieder bekommt und größeres Ansehen erfährt. Sie geht auf eine Initiative von Dorothea Buck zurück.

Folgende Punkte bzw. Themen sollte die Broschüre enthalten:
a) der BPE-Vorstand mit seinen Tätigkeitsbereichen und seiner Mitarbeit in Gremien;
b) die BPE-Landesverbände mit ihren Tätigkeitsbereichen, ihren Zeitungen und ihrer Mitarbeit in Gremien;
c) die Selbsthilfegruppen in den verschiedenen Bundesländern;
d) die Beschwerdestellen;
e) die Psychopharmaka-Beratung;
f) die Rechtsberatung – eine Liste von Anwälten, die uns wohlgesonnen sind, und die Zukunftsplanung;
g) die PC-Beratung;
h) das Persönliche Budget;
i) der BPE-Rundbrief, BPE-Bücher und -Materialien;
j) die Einrichtung „Für alle Fälle“ in Berlin;
k) das Weglaufhaus in Berlin;
l) die Initiative Weglaufhaus Saarland;
m) die Initiative Weglaufhaus im Ruhrgebiet;
n) die Initiative Weglaufhaus in Leipzig;
o) die Offene Herberge in Baden-Württemberg;
p) die Krisenpension Berlin;
q) das Kulturnetzwerk;
r) Literatur von psychiatrieerfahrenen AutorInnen;
s) die Psychose-Seminare bzw. -Foren;
t) Schulprojekte wie„Irre menschlich“ in Hamburg.

Einige dieser Punkte können wir von Hamburg aus erledigen, für die meisten aber sind wir auf Eure Mitarbeit angewiesen, zu der Ihr hoffentlich Zeit und Kraft findet. Unsere jeweiligen Ergebnisse veröffentlichen wir im BPE-Rundbrief und in bpe-online und bitten Euch um Kritik, Ergänzungen usw. Ein Beispiel: Für den Punkt h) Persönliches Budget benötigen wir eine kurze Beschreibung, worum es dabei geht und was wir als BPE dabei tun. Den Text müsst Ihr nicht unbedingt neu schreiben, Ihr könnt uns auch gern einen geben, der bereits veröffentlicht ist. Falls wir es für nötig halten, bearbeiten wir ihn und legen Euch das Ergebnis vor.

Unsere Themenliste und überhaupt unsere Vorstellungen zu diesem „ABC des BPE“ sind noch vorläufig, und wir sind offen für neue Ideen. Wer an der Redaktion dieser Broschüre mitarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um rege Mitarbeit!

Kontakt und Redaktion:
Achim Schultz
Sartoriusstr. 11
20257 Hamburg
Tel. 0176 – 120 98 152
E-mail SchultzAchim@web.de

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