Rundbrief
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Ausgabe 1/2007
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Leserbrief zum Artikel Ächtung nach 74 Jahren siehe: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=54007
„Ächtung“ bedeutet keine Rehabilitierung
Und nun das: Es war der bis heute allseits hochverehrte Pastor Fritz v.Bodelsehwingh (1877-1946) und andere theologische Leiter der evangelischen Anstalten der Inneren Mission (heute Diakonie), die bereits 2 Jahre vor dem SS-Regime am 18.-20.Mai 1931 bei ihrer „Fachkonferenz für Eugenik“ in Treysa ein Sterilisations-Gesetz gegen den Rat des Betheler Chefarztes Dr.Carl Schneider und den Vererbungswissenschaftler Verschuer forderten. In seinem 1989 - inzwischen vergriffenen - Fischer-Taschenbuch über „Die Kirche im Banne Hitlers1“ zitiert Ernst Klee im Kapitel „... im Gehorsam gegen Gott die Eliminierung an anderen Leibern vollziehen“ Die Kirchen im Kampf gegen die `Minderwertigen`“: Das
zweite Referat hält Carl Schneider, der später der
»Vernichtung lebensunwerten Lebens«
zuarbeiten wird. 1931, in Treysa, äußert er sich
eher skeptisch: »Die Sterilisierung wird Mode ohne klare
Unterlagen.« Schneider bezweifelt, »ob wir auf
diesem Wege die Schizophrenie-Erkrankungen der
Durchschnittsbevölkerung wesentlich vermindern. Eine
völkische Zielsetzung würde doch nur Sinn haben, wenn
wir die Erbgesundheit unseres Volkes bessern können. Das ist
mir zweifelhaft.« Im Gegenteil: Bei Manisch-Depressiven werde
»ein so hohes Maß sozialer Tüchtigkeit
vererbt«, daß es unmöglich sei,
»aus rein medizinischen Gesichtspunkten zu
sterilisieren«. Schneiders Urteil: »Wir wissen
darüber nichts, folgern nur aus Versuchen mit Tieren und
Pflanzen.« Der Betheler Chefarzt hält es
für einen Irrtum zu glauben, das biologisch Wertvolle sei auch
das geistig Wertvolle. Die Behauptung, die Zahl der Minderwertigen
nehme zu, sei unerwiesen: »Ich will nicht der Tatenlosigkeit
das Wort reden, aber solche Eingriffe wie die Sterilisierung sind
für das Handeln im Einzelfall vielleicht zulässig,
aber im allgemeinen abzulehnen.
Obgleich Schneider in der folgenden Diskussion nochmals warnend eingreift und von Verschuer unterstützt wird (»Über die Ursache der Erbkrankheiten wissen wir so gut wie nichts«), sind vor allem die Pastoren fürs Sterilisieren. So meint z. B. Bodelschwingh (zitiert wird buchstabengetreu aus dem Protokoll): »Im Dienst des Königreichs Gottes haben wir unseren Leib bekommen ... >Das Auge, das mich zum Bösen führt usw.<6 zeigt, daß die von Gott gegebenen Funktionen des Leibes in absolutem Gehorsam zu stehen haben, wenn sie zum Bösen führen und zur Zerstörung des Königreiches Gottes in diesem oder jenem Glied, daß dann die Möglichkeit oder Pflicht besteht, daß eine Eliminierung stattfindet. Deshalb würde es mich ängstlich stimmen, wenn die Sterilisierung nur aus einer Notlage heraus anerkannt würde. Ich möchte es als Pflicht und mit dem Willen Jesu konform ansehen. Ich würde den Mut haben, vorausgesetzt, daß alle Bedingungen gegeben und Schranken gezogen sind, hier im Gehorsam gegen Gott die Ehminierung an anderen Leibern zu vollziehen, wenn ich für diesen Leib verantwortlich bin.« Zwei Jahre vor den Nazis fordern evangelische Ärzte und Pfarrer die Sterilisierung: »Träger erblicher Anlagen, die Ursache sozialer (!) Minderwertigkeit und Fürsorgebedürftigkeit sind, sollten tunlichst von der Fortpflanzung ausgeschlossen werden.«7 Jesu Maßstab der Solidarität mit den „Geringsten“ für die Zukunft des Menschen (Matth.25, 31-46) und sein Gebot „Richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet“ galt den Theologen nichts.
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