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 Rundbrief
Ausgabe 1/2007

Dorothea Buck: Mit 90 Jahren immer noch aktivdorothea

90 Jahre und kein bisschen leise, ist man versucht zu sagen, aber so ganz das stimmt nicht. Dorothea Buck wird niemals laut. Klar, deutlich und sehr bestimmt sagt und schreibt Sie Ihre Meinung, sie bleibt aber immer ruhig und höflich dabei. In dieser ihr eigenen liebenswürdigen und warmherzigen Art vertritt sie noch heute die Interessen heutiger und früherer Psychiatriepatientinnen und –patienten. Ihre Hauptkritik galt immer der gesprächslosen – bis heute gesprächsarmen – und deshalb inhumanen Psychiatrie. Dieser Kritik entsprang die Idee der Psychoseseminare, die heute in ganz Europa, vorwiegend jedoch im deutschsprachigen Raum weite Verbreitung gefunden haben. Ein besseres gegenseitiges Verständnis über das Erleben in psychischen Krisen zwischen Betroffenen Angehörigen und professionell in der Psychiatrie Tätigen war und ist eines der großen Anliegen von Dorothea Buck.
Noch immer schreibt Dorothea Buck in Ihrer Eigenschaft als Ehrenvorsitzende des BPE Briefe an die Mächtigen in Staat und Gesellschaft. Sie will aufrütteln und sucht Bündnispartner für eine bessere, wirklich hilfreiche Psychiatrie für die Betroffenen heute, aber die streitet auch immer noch für die Anerkennung der Opfer von Zwangssterilisation und „Euthanasie“ als Verfolgte des Naziregimes und insbesondere für eine angemessenen Entschädigung der Witwen und Waisen der ermordeten Patientinnen und Patienten..

Neben den zahlreichen Briefen an Kirchenvertreter und Politiker verfasst sie noch immer Bücher und Broschüren mit denen Sie den Betroffenen Mut machen will, ihren eigenen höchstpersönlichen Weg zu seelischer Gesundheit zu finden. Vor allem mit Ihrem Buch auf der Spur des Morgensterns hat sie viele Betroffen ermuntert ihren eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Viele, die dieses Buch gelesen haben suchen den direkten Kontakt zu ihr und Dorothea hält und pflegt diese Kontakte. Sie hat für jeden ein offenes Ohr und wer mit ihr spricht spürt, dass sie sich auf jeden einzelnen Menschen wirklich einlässt. Dorothea liebt die Menschen und das spürt man im persönlichen Kontakt mit ihr. Die menschliche Zuwendung, die sie von der Psychiatrie einfordert, spendet Sie allen, die sich mit ihren Sorgen und Problemen an sie wenden.
Derzeit arbeitet Dorothea Buck an einer DVD für ein Hauptreferat beim WPA-Kongress, der im Juni 2007 in Dresden zum Thema Zwang und Gewalt in der Psychiatrie stattfindet. Sie wird sich und ihre Erfahrungen und Forderungen dort auf diesem Wege präsentieren, weil Ihre körperliche Gebrechen die weite Reise nicht mehr zulassen. Anlässlich diese Kongresses hat sie auch ihre neue Broschüre „70 Jahre Zwang“ herausgebracht.
Am 5. April 2007 wird Dorothea Buck nun 90 Jahre alt. Sie erfreut sich immer noch geistiger Frische, sprudelt nur so vor Ideen und steht dem amtierenden BPE-Vorstand immer gern mit Rat und Tat zur Seite. Der BPE ist stolz auf diese Ehrenvorsitzende. Diese zierliche kleine Frau ist wirklich die große alte Dame des BPE. Möge sie noch lange ihre mahnende Stimme erheben können.  

gratulanten

Begegnungen mit Dorothea

Trost und Ermutigung zu spenden, ist Dorotheas Markenzeichen. Auf vielen Tagungen hatte ich Gelegenheit ein Gespräch mit ihr zu führen. Sie hat die Begabung sich ganz ihrem Gesprächspartner zu zuwenden und zuhörend alle Probleme verschwinden zu lassen.
Besonders angenommen fühlte ich mich als Gast in ihrem kleinen Häuschen in Hamburg, wo sie eigenhändig unser Mittagsmahl bereitete. Sie ist für mich ein Vorbild darin, wie sehr der Mensch sich, auch im hohen Alter, engagieren kann.
Karin Haehn

Wie ich, Uschi (Ursula Zingler),  Dorothea kennen lernte
1990 lud der BApK zu seinem 9. Bundestreffen nach Gießen ein. Thema: „3 x 10 Tropfen täglich: Psychopharmaka-Behandlung – Fluch oder Segen?“ Als Referentin war u.a. Dorothea Buck, Psychose-Erfahrene aus Hamburg, angekündigt. Eine mir völlig unbekannte Person. Vorbeugend meldete ich mich bei Elke Titze, Geschäftsführerin des Dachverbandes Psychosozialer Hilfsvereinigungen, als Ersatzreferentin. Hatte ich doch in den 8 Jahren meines Engagements niemand kennen gelernt, der gleich mir über Jahre psychisch stabil geblieben war. Jedoch Dorothea kam, sprühte vor Leben und referierte über ihre Erkenntnisse. Ich freute mich sehr über diese Gleichgesinnte. Bei den Angehörigen kamen wir mit unseren Anliegen nicht besonders gut an. Hildegunt Schütt, Vorsitzende des BApK, empfahl Dorothea, einen eigenen Verband zu gründen. Und mich versuchte ein Angehöriger daran zu hindern, ans Mikrofon zu gehen. In der Folge tauschten Dorothea und ich unsere Erfahrungen per Brief aus, trafen uns 1991 in Irsee wieder und bereiteten gemeinsam mit weiteren die Gründungsversammlung des BPE vor.

Das erste Mal traf ich auf Dorothea am 21.12.1991 bei der Live-Fernsehdiskussion „Zwischen Verfügungsgewalt und Verantwortung – Wie menschenwürdig ist die deutsche Psychiatrie?“ im Südwestfunk 3. Gemeinsam mit Rechtsanwalt Hubertus Rolshoven brachten wir den Saarländischen Landespsychiatriearzt Wolfgang Werner zu einem öffentlichen Eingeständnis, das bis heute seinesgleichen sucht: „Das Problem ist ja, dadurch ist ja die Schizophrenie definiert, dass wir die Ursachen nicht kennen. Und sie ist eine Krankheit, eine Störung, von der wir annehmen, dass sie eine Krankheit sein könnte, wobei wir die Ursachen nicht kennen. Das ist eigentlich die sauberste wissenschaftliche Diagnose.“
Peter Lehmann

Liebe Dorothea,
herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag wünscht Dir aus dem südwesten Deutschlands Franz-Josef.
Vor 10 Jahren, im Oktober 1996 lernten wir uns bei der Mitgliederversammlung des BPE´s in Kassel kennen. Du hast auch da noch, mit 80 Jahren, auf der Etage, im Mehrbettzimmer der Jugendherberge übernachtet – heute beanspruchen schon 40 jährige des BPEs  ein Einzelzimmer. Jetzt wo Du 90 Jahre vollendest, bist Du über Details des BPEs immer noch so gut informiert, als wärst Du regelmäßig bei den Vorstandssitzungen dabei – du bist auch heute noch ein sehr aktives Mitglied des BPEs und nimmst noch sehr viel Einfluss auf uns. Ich wünsche Dir noch ein paar aktive, hellwache, schöne und gesunde Jahre in unserer Mitte.
Franz-Josef Wagner aus Trier

Mein erster Kontakt zu Dorothea Buck
Ich hatte im Frühjahr 1992 gehört, dass sich ein Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener gründen werde. Jedoch gelang es mir nicht, dauerhaften Kontakt zu den Gründungs-vorbereiter/inne/n zu bekommen. Nach einem Vortrag von Dorothea Buck in Bochum sprach ich sie deswegen an. Sie riet mir, die damalige Dachverbands-Geschäftsführerin Elke Titze an zu rufen. So kam ich zur BPE-Gründungsversammlung in Bedburg-Hau.
Matthias Seibt


Auf Dorotheas Schultern kann ich
ein bisschen weiter gucken,
ein bisschen freier atmen,
fröhlich ins heute schauen,
trotz alledem.

Kalle Pehe

Liebe Dorothea,
obwohl Du so viel erlitten hast, oder vielleicht auch weil Du weisst, was Leiden bedeutet, wirst Du nicht müde Dich immer weiter für mehr Menschlichkeit einzusetzen. Du hast die feinen Antennen einer Künstlerin und Du hast Dir Deinen Mut sie auszustrecken nie zerstören lassen. Diese Würde wollte man Dir nehmen, konnte es aber nicht. Für die Zukunft wünsche ich Dir von Herzen alles Gute.
Tanja Afflerbach

Liebe Dorothea,
Es war Liebe auf den ersten Blick und ich bin froh, Dich kennen lernen zu dürfen. Du bist im Geiste jung geblieben und ich erlebe bei Dir die Stimme, die aufbaut und sagt: „Lasst Euch nicht entmutigen!“
Reinhard Wojke


Broschüre „ABC des BPE“ – ! Wir bitten um Mitarbeit !

Wir möchten, wie auf der letzten Mitgliederversammlung in Kassel und im letzten Rundbrief angekündigt, eine Broschüre machen mit dem Titel „ABC des BPE“. Sie soll dazu beitragen, dass der BPE bekannter wird, mehr Mitglieder bekommt und größeres Ansehen erfährt. Sie geht auf eine Initiative von Dorothea Buck zurück.
Folgende Punkte bzw. Themen sollte die Broschüre enthalten:
a) der BPE-Vorstand mit seinen Tätigkeitsbereichen und seiner Mitarbeit in Gremien;
b) die BPE-Landesverbände mit ihren Tätigkeitsbereichen, ihren Zeitungen und ihrer Mitarbeit in Gremien;
c) die Selbsthilfegruppen in den verschiedenen Bundesländern;
d) die Beschwerdestellen;
e) die Psychopharmaka-Beratung;
f) die Rechtsberatung – eine Liste von Anwälten, die uns wohlgesonnen sind, und die Zukunftsplanung;
g) die PC-Beratung; h) das Persönliche Budget; i) der BPE-Rundbrief, BPE-Bücher und -Materialien;
j) die Einrichtung „Für alle Fälle“ in Berlin;
k) das Weglaufhaus in Berlin;
l) die Initiative Weglaufhaus Saarland;
m) die Initiative Weglaufhaus im Ruhrgebiet;
n) die Initiative Weglaufhaus in Leipzig;
o) die Offene Herberge in Baden-Württemberg;
p) die Krisenpension Berlin; q) das Kulturnetzwerk;
r) Literatur von psychiatrieerfahrenen AutorInnen;
s) die Psychose-Seminare bzw. -Foren;
t) die Schulprojekte „Irre menschlich“ in Hamburg und in Leipzig.

Einige dieser Punkte können wir von Hamburg aus erledigen, für die meisten aber sind wir auf Eure Mitarbeit angewiesen, zu der Ihr hoffentlich Zeit und Kraft findet. Unsere jeweiligen Ergebnisse veröffentlichen wir im BPE-Rundbrief und in bpe-online und bitten Euch um Kritik, Ergänzungen usw. Ein Beispiel: Für den Punkt h) Persönliches Budget benötigen wir eine kurze Beschreibung, worum es dabei geht und was wir als BPE dabei tun. Den Text müsst Ihr nicht unbedingt neu schreiben, Ihr könnt uns auch gern einen geben, der bereits veröffentlicht ist. Falls wir es für nötig halten, bearbeiten wir ihn und legen Euch das Ergebnis vor.

Unsere Themenliste und überhaupt unsere Vorstellungen zu diesem „ABC des BPE“ sind noch vorläufig, und wir sind offen für neue Ideen. Wer an der Redaktion dieser Broschüre mitarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um rege Mitarbeit!
Kontakt & Redaktion: Achim Schultz, Sartoriusstr. 11, 20257 Hamburg, Tel. 0176 – 120 98 152,
E-mail SchultzAchim@web.de.

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