Dorothea
Buck: Mit 90 Jahren immer noch aktiv
90 Jahre und kein bisschen leise, ist man versucht zu
sagen, aber so ganz das stimmt nicht. Dorothea Buck wird
niemals laut. Klar, deutlich und sehr bestimmt sagt und
schreibt Sie Ihre Meinung, sie bleibt aber immer ruhig und
höflich dabei. In dieser ihr eigenen liebenswürdigen
und warmherzigen Art vertritt sie noch heute die Interessen heutiger
und früherer Psychiatriepatientinnen und –patienten.
Ihre Hauptkritik galt immer der gesprächslosen – bis
heute gesprächsarmen – und deshalb inhumanen
Psychiatrie. Dieser Kritik entsprang die Idee der Psychoseseminare, die
heute in ganz Europa, vorwiegend jedoch im deutschsprachigen Raum weite
Verbreitung gefunden haben. Ein besseres gegenseitiges
Verständnis über das Erleben in psychischen Krisen
zwischen Betroffenen Angehörigen und professionell in der
Psychiatrie Tätigen war und ist eines der großen
Anliegen von Dorothea Buck.
Noch immer schreibt Dorothea Buck in Ihrer Eigenschaft als
Ehrenvorsitzende des BPE Briefe an die Mächtigen in Staat und
Gesellschaft. Sie will aufrütteln und sucht
Bündnispartner für eine bessere, wirklich hilfreiche
Psychiatrie für die Betroffenen heute, aber die streitet auch
immer noch für die Anerkennung der Opfer von
Zwangssterilisation und „Euthanasie“ als Verfolgte
des Naziregimes und insbesondere für eine angemessenen
Entschädigung der Witwen und Waisen der ermordeten
Patientinnen und Patienten..
Neben den zahlreichen Briefen an Kirchenvertreter und Politiker
verfasst sie noch immer Bücher und Broschüren mit
denen Sie den Betroffenen Mut machen will, ihren eigenen
höchstpersönlichen Weg zu seelischer Gesundheit zu
finden. Vor allem mit Ihrem Buch auf der Spur des Morgensterns hat sie
viele Betroffen ermuntert ihren eigenen Weg zu suchen und zu gehen.
Viele, die dieses Buch gelesen haben suchen den direkten Kontakt zu ihr
und Dorothea hält und pflegt diese Kontakte. Sie hat
für jeden ein offenes Ohr und wer mit ihr spricht
spürt, dass sie sich auf jeden einzelnen Menschen wirklich
einlässt. Dorothea liebt die Menschen und das spürt
man im persönlichen Kontakt mit ihr. Die menschliche
Zuwendung, die sie von der Psychiatrie einfordert, spendet Sie allen,
die sich mit ihren Sorgen und Problemen an sie wenden.
Derzeit arbeitet Dorothea Buck an einer DVD für ein
Hauptreferat beim WPA-Kongress, der im Juni 2007 in Dresden zum Thema
Zwang und Gewalt in der Psychiatrie stattfindet. Sie wird sich und ihre
Erfahrungen und Forderungen dort auf diesem Wege präsentieren,
weil Ihre körperliche Gebrechen die weite Reise nicht mehr
zulassen. Anlässlich diese Kongresses hat sie auch ihre neue
Broschüre „70 Jahre Zwang“ herausgebracht.
Am 5. April 2007 wird Dorothea Buck nun 90 Jahre alt. Sie erfreut sich
immer noch geistiger Frische, sprudelt nur so vor Ideen und steht dem
amtierenden BPE-Vorstand immer gern mit Rat und Tat zur Seite. Der BPE
ist stolz auf diese Ehrenvorsitzende. Diese zierliche kleine Frau ist
wirklich die große alte Dame des BPE. Möge sie noch
lange ihre mahnende Stimme erheben können.
Begegnungen mit Dorothea
Trost und Ermutigung zu spenden, ist Dorotheas Markenzeichen.
Auf vielen Tagungen hatte ich Gelegenheit ein Gespräch mit ihr zu
führen. Sie hat die Begabung sich ganz ihrem Gesprächspartner
zu zuwenden und zuhörend alle Probleme verschwinden zu lassen.
Besonders angenommen fühlte ich mich als Gast in ihrem kleinen
Häuschen in Hamburg, wo sie eigenhändig unser Mittagsmahl
bereitete. Sie ist für mich ein Vorbild darin, wie sehr der Mensch
sich, auch im hohen Alter, engagieren kann.
Karin Haehn
Wie ich, Uschi (Ursula Zingler), Dorothea kennen lernte
1990 lud der BApK zu seinem 9. Bundestreffen nach Gießen ein.
Thema: „3 x 10 Tropfen täglich: Psychopharmaka-Behandlung
– Fluch oder Segen?“ Als Referentin war u.a. Dorothea Buck,
Psychose-Erfahrene aus Hamburg, angekündigt. Eine mir völlig
unbekannte Person. Vorbeugend meldete ich mich bei Elke Titze,
Geschäftsführerin des Dachverbandes Psychosozialer
Hilfsvereinigungen, als Ersatzreferentin. Hatte ich doch in den 8
Jahren meines Engagements niemand kennen gelernt, der gleich mir
über Jahre psychisch stabil geblieben war. Jedoch Dorothea kam,
sprühte vor Leben und referierte über ihre Erkenntnisse. Ich
freute mich sehr über diese Gleichgesinnte. Bei den
Angehörigen kamen wir mit unseren Anliegen nicht besonders gut an.
Hildegunt Schütt, Vorsitzende des BApK, empfahl Dorothea, einen
eigenen Verband zu gründen. Und mich versuchte ein
Angehöriger daran zu hindern, ans Mikrofon zu gehen. In der Folge
tauschten Dorothea und ich unsere Erfahrungen per Brief aus, trafen uns
1991 in Irsee wieder und bereiteten gemeinsam mit weiteren die
Gründungsversammlung des BPE vor.
Das erste Mal traf ich auf Dorothea am 21.12.1991 bei der
Live-Fernsehdiskussion „Zwischen Verfügungsgewalt und
Verantwortung – Wie menschenwürdig ist die deutsche
Psychiatrie?“ im Südwestfunk 3. Gemeinsam mit Rechtsanwalt
Hubertus Rolshoven brachten wir den Saarländischen
Landespsychiatriearzt Wolfgang Werner zu einem öffentlichen
Eingeständnis, das bis heute seinesgleichen sucht: „Das
Problem ist ja, dadurch ist ja die Schizophrenie definiert, dass wir
die Ursachen nicht kennen. Und sie ist eine Krankheit, eine
Störung, von der wir annehmen, dass sie eine Krankheit sein
könnte, wobei wir die Ursachen nicht kennen. Das ist eigentlich
die sauberste wissenschaftliche Diagnose.“
Peter Lehmann
Liebe Dorothea,
herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag wünscht Dir aus dem südwesten Deutschlands Franz-Josef.
Vor 10 Jahren, im Oktober 1996 lernten wir uns bei der
Mitgliederversammlung des BPE´s in Kassel kennen. Du hast auch da
noch, mit 80 Jahren, auf der Etage, im Mehrbettzimmer der
Jugendherberge übernachtet – heute beanspruchen schon 40
jährige des BPEs ein Einzelzimmer. Jetzt wo Du 90 Jahre
vollendest, bist Du über Details des BPEs immer noch so gut
informiert, als wärst Du regelmäßig bei den
Vorstandssitzungen dabei – du bist auch heute noch ein sehr
aktives Mitglied des BPEs und nimmst noch sehr viel Einfluss auf uns.
Ich wünsche Dir noch ein paar aktive, hellwache, schöne und
gesunde Jahre in unserer Mitte.
Franz-Josef Wagner aus Trier
Mein erster Kontakt zu Dorothea Buck
Ich hatte im Frühjahr 1992 gehört, dass sich ein
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener gründen werde. Jedoch gelang
es mir nicht, dauerhaften Kontakt zu den
Gründungs-vorbereiter/inne/n zu bekommen. Nach einem Vortrag von
Dorothea Buck in Bochum sprach ich sie deswegen an. Sie riet mir, die
damalige Dachverbands-Geschäftsführerin Elke Titze an zu
rufen. So kam ich zur BPE-Gründungsversammlung in Bedburg-Hau.
Matthias Seibt
Auf Dorotheas Schultern kann ich
ein bisschen weiter gucken,
ein bisschen freier atmen,
fröhlich ins heute schauen,
trotz alledem.
Kalle Pehe
Liebe Dorothea,
obwohl Du so viel erlitten hast, oder vielleicht auch weil Du weisst,
was Leiden bedeutet, wirst Du nicht müde Dich immer weiter
für mehr Menschlichkeit einzusetzen. Du hast die feinen Antennen
einer Künstlerin und Du hast Dir Deinen Mut sie auszustrecken nie
zerstören lassen. Diese Würde wollte man Dir nehmen, konnte
es aber nicht. Für die Zukunft wünsche ich Dir von Herzen
alles Gute.
Tanja Afflerbach
Liebe Dorothea,
Es war Liebe auf den ersten Blick und ich bin froh, Dich kennen lernen
zu dürfen. Du bist im Geiste jung geblieben und ich erlebe bei Dir
die Stimme, die aufbaut und sagt: „Lasst Euch nicht
entmutigen!“
Reinhard Wojke
Broschüre „ABC des BPE“ – ! Wir bitten um Mitarbeit !
Wir möchten, wie auf der letzten Mitgliederversammlung in Kassel
und im letzten Rundbrief angekündigt, eine Broschüre machen
mit dem Titel „ABC des BPE“. Sie soll dazu beitragen, dass
der BPE bekannter wird, mehr Mitglieder bekommt und größeres
Ansehen erfährt. Sie geht auf eine Initiative von Dorothea Buck
zurück.
Folgende Punkte bzw. Themen sollte die Broschüre enthalten:
a) der BPE-Vorstand mit seinen Tätigkeitsbereichen und seiner Mitarbeit in Gremien;
b) die BPE-Landesverbände mit ihren Tätigkeitsbereichen, ihren Zeitungen und ihrer Mitarbeit in Gremien;
c) die Selbsthilfegruppen in den verschiedenen Bundesländern;
d) die Beschwerdestellen;
e) die Psychopharmaka-Beratung;
f) die Rechtsberatung – eine Liste von Anwälten, die uns wohlgesonnen sind, und die Zukunftsplanung;
g) die PC-Beratung; h) das Persönliche Budget; i) der BPE-Rundbrief, BPE-Bücher und -Materialien;
j) die Einrichtung „Für alle Fälle“ in Berlin;
k) das Weglaufhaus in Berlin;
l) die Initiative Weglaufhaus Saarland;
m) die Initiative Weglaufhaus im Ruhrgebiet;
n) die Initiative Weglaufhaus in Leipzig;
o) die Offene Herberge in Baden-Württemberg;
p) die Krisenpension Berlin; q) das Kulturnetzwerk;
r) Literatur von psychiatrieerfahrenen AutorInnen;
s) die Psychose-Seminare bzw. -Foren;
t) die Schulprojekte „Irre menschlich“ in Hamburg und in Leipzig.
Einige dieser Punkte können wir von Hamburg aus erledigen,
für die meisten aber sind wir auf Eure Mitarbeit angewiesen, zu
der Ihr hoffentlich Zeit und Kraft findet. Unsere jeweiligen Ergebnisse
veröffentlichen wir im BPE-Rundbrief und in bpe-online und bitten
Euch um Kritik, Ergänzungen usw. Ein Beispiel: Für den Punkt
h) Persönliches Budget benötigen wir eine kurze Beschreibung,
worum es dabei geht und was wir als BPE dabei tun. Den Text müsst
Ihr nicht unbedingt neu schreiben, Ihr könnt uns auch gern einen
geben, der bereits veröffentlicht ist. Falls wir es für
nötig halten, bearbeiten wir ihn und legen Euch das Ergebnis vor.
Unsere Themenliste und überhaupt unsere Vorstellungen zu diesem
„ABC des BPE“ sind noch vorläufig, und wir sind offen
für neue Ideen. Wer an der Redaktion dieser Broschüre
mitarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen. Wir bitten um rege
Mitarbeit!
Kontakt & Redaktion: Achim Schultz, Sartoriusstr. 11, 20257
Hamburg, Tel. 0176 – 120 98 152,
E-mail SchultzAchim@web.de. |
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