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 Rundbrief
Ausgabe 1/2007
Psychiatrie-Erfahrene Osnabrück
c/o Lagerhalle    Rolandsmauer 26    49074 Osnabrück
Kontakt: Doris Steenken    Tel. 0176 20566563    E-Mail: doris_steenken@yahoo.de


Pressemitteilung vom 24.01.2007
„Patienten spielen keine Rolle“
Zu den vielfachen Äußerungen von Politikern und Bietern zur Privatisierung der niedersächsischen Landeskrankenhäuser (NLKH) erklärt Doris Steenken als Sprecherin der Osnabrücker Selbsthilfegruppe „Psychiatrie-Erfahrene“:
„Eins fällt bei den jüngsten Reaktionen von Politikern und am NLKH-Bieterverfahren Beteiligten sofort ins Auge: Die Patienten – gerne auch neudeutsch als ‚Kunden‘ bezeichnet – spielen beim Gerangel um die stationäre psychiatrische Versorgung keinerlei Rolle. Stets ist lediglich von den Auswirkungen auf die Beschäftigten die Rede, in Hannover sorgt man sich im Finanz- und Sozialministerium und in der Staatskanzlei ohnehin nur um die Sanierung des maroden Finanzhaushalts.
Gerade im Fall des Osnabrücker Landeskrankenhauses wird klar, dass der Rotstift des Finanzministers zum letzten Entscheidungskriterium wurde. Ein sinnvolles Konzept des Bistums, das mit der Gertrudis gGmbH eine sinnvolle regionale Einbindung der Psychiatrie in die gesamte Gesundheitsversorgung bedeutet hätte, wurde zugunsten der Schweizer Klinikkette AMEOS abgelehnt.
Mit welchen Methoden diese Gesundheitskonzerne arbeiten, zeigte sich schon frühzeitig im Bieterverfahren. So entpuppten sich bei mehreren Infoveranstaltungen die anwesenden ‚Experten‘, die über rundum positive Erfahrungen bei Psychiatrie-Privatisierungen berichteten (welch Überraschung), im Nachhinein als Handlanger der Großkonzerne AMEOS und Asklepios. Im Stil von Kaffeefahrten reisten diese ‚Experten‘ durch Niedersachsen – statt Heizdecken gab es für die Anwesenden nur Gutes über bereits erfolgte Privatisierungen zu berichten.
In Osnabrück bemühen sich auch die Landespolitiker, die in Hannover zum Regierungslager gehören, ihr Unverständnis darüber darzulegen, dass das sinnvolle Konzept des Bistums abgelehnt wurde. Doch mehr als Krokodilstränen können Patienten und Angehörige von CDU- und FDP-Abgeordneten wohl nicht erwarten.
„Der Lenkungsausschuss hat mit seiner Empfehlung, das NLKH Osnabrück an AMEOS zu verschachern, Psychiatrie endgültig zur Ware erklärt. Eine alleinige Orientierung am Profitstreben eines Großkonzern wird für die Patienten ohne Zweifel mittel- und langfristig spürbar negative Folgen haben“, so Doris Steenken abschließend.
Hintergrundinformation:
Die Osnabrücker Selbsthilfegruppe „Psychiatrie-Erfahrene“ besteht seit 1994. Sie bietet ein Forum für den persönlichen Austausch bei wöchentlichen Gruppensitzungen. Zudem vertritt sie Menschen mit psychischen Erkrankungen in politischen Gremien, betreibt Lobbyarbeit und setzt sich gegen die Stigmatisierung psychisch Erkrankter ein.

 
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