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Bernhard Enneking 
Diplompsychotiker
Fuer den Rundbrief
Osnabrück, 1.09.2006
Selbsthilfe
und Selbstbewusstsein
Man könnte dieses Thema mit einem Widerspruch beginnen:
„Was brauchen selbstbewusste Menschen Hufe, die nehmen sich sowieso,
was sie brauchen, von selbst.“.
Fürwahr, man könnte glauben, dass das so ist doch
schaut man genauer hin, so sieht man, das diese egoistischen „Selbstbewussten“
nicht unbedingt als Vorbild für Menschen dienen können, denen
es ein lebtag an Selbstbewusstsein gemangelt hat und dieses erst
erwerben müssen oder wollen
Diese schüchternen Zweifler und in sich gekehrten
Menschen sind ja oft aus Abwehr oder Ekel vor solchen egoistischen
Selbstbewussten in ihre missliche Lage geraten oder dadurch, dass
sie ihr primitives Selbstsystem durchschaut haben
Selbstbewusstsein zu haben oder zu erwerben kann
für uns also nicht bedeuten, den so genannten „Starken in seinem
„Starksein als Selbstzweck“ nachzueifern, was oft versucht wird.
NICHT NACHEIFERN DER ERFOLGREICHEN, SONDERN ERFOLGREICH
WERDEN DURCH SELBSTWERDEN SOLLTE UNSERE DEVISE SEIN!!!!!
Wenn man in unseren Kreisen von „Selbst“ und „Selbstwerden“
spricht, stößt man oft auf verwunderte Gesichter die besagen „So
etwas trifft bei mir nicht zu, ist nicht anwendbar, das kenne
ich nicht, ja, ich habe Angst vor dem Selbstwerden. Aber das liegt
meiner Meinung genau daran, das wir dem egoistischen „Starken“
widerstehen wollen, um selbst bleiben zu können aber nicht stark
genug sind, selbst zu werden.
Dass Selbstsein mehr ist als Starksein kann man
am Besten erleben, wenn man am Jahrestreffen in Kassel teilnimmt.
So viel Buntheit und Selbstsein und Möglichkeiten zu Selbstentdeckung
findet man kaum irgendwo sonst.
Selbstbewusstsein bedeutet für mich untrennbar zwei
Tatsachen: Seine Möglichkeiten sowie Grenzen erkennen wie auch,
sich damit anzufreunden und sich zu achten.
Und genau an dieser Stelle überkommt mich eine große
Übelkeit: Haben wir ein Selbstbewusstsein, sind wir dazu bestimmt,
keines haben und entwickeln zu dürfen?
Sind nicht unser inneres und äußeres Umfeld uns
so ungünstig gesinnt, dass wir nie zu einem X/efuhJ von Eigenwert
gelangen können?
Abgrenzung, Stigmatisierung, Biologisierung - die
Gesellschaft tut alles dazu, uns Selbstwert abzusprechen, Wege
dorthin zu verbauen
Gerade die Gesellschaftlichkeit unseres Leidens
wird durch pharmazeutische, biologistische Maßnahmen immer mehr
allein in uns hineinverlegt, wir müssen immer mehr gesellschaftliche
Komponenten unseres Randlebens in uns selbst losen Das ist Stigmatisierung
in der vollendetsten Form.
Selbstbewusstsein einzufordern, wenn man keines
hat, ist so unnütz, wie die Weltlage zu beklagen ohne sich zu
engagieren. Keiner wird uns SELBSTBEWUSSTSEIN schenken, wir müssen
es uns erwerben.
Wenn wir also eine gesellschaftliche Gruppe darstellen,
der es vornehmlich an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl mangelt,
so sollten wir doch so viel Selbstbewusstsein haben zu behaupten:
Wir sind auf dem Weg (Was man von den sogenannten Starken oftmals
nicht sagen kann)
Was hat denn das mit Selbsthilfe zu tun?
Ganz einfach. Ich bin der Meinung, dass Selbsthilfe
ohne Bekümmerung um Selbstbewusstsein viel an Effektivität einbüssen
muss- nach innen wie nach außen die oft von Professionellen belächelte
(aber sehr wichtige) Einforderung unserer Menschenrechte verliert
ihre Kraft, wenn wir nicht die Kraft aus uns heraus aufbringen,
über Gründe und Ursachen unseres Ausgegrenztseins nach zu denken,
also Stigmatisierung in uns(Selbststigmatisierung) und gesellschaftlicher
Art aufrichtig und Öffentlich zu forschen.
Wenn wir auch alle gerade an unserem NICHT-SELBSTSEIN-KÖNNEN
leiden, so sollten wir doch voller stolz sagen:
Wir sind auf den Weg und darin vielen voraus,
vor allen Dingen den Menschen, die nur „ an sich selbst“ denken.
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