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 Rundbrief
Ausgabe 2/2007

„Mediation ein Zauberwort !“

Von Karin Haehn

Unter diesem Motto trafen sich 14 lernwillige Menschen in Bielefeld.
Wir waren vier Angehörige, ein „Profi“ und neun Psychiatrie–Erfahrene. Unsere Referenten waren natürlich auch „Profis“, denn es bedarf mindestens 200 Stunden theoretischer und praktischer Arbeit um das weite Spektrum der Mediation zu verinnerlichen und es dann auch vermitteln zu können.

Schon in der Begrüßungsphase wurden wir an das Aktive Zuhören herangeführt. Das ist wichtig, denn das Aktive Zuhören ist das wichtigste Handwerkszeug bei der Mediation. Diese Gesprächstechnik bedeutet, sich kurz zu fassen, nur das Wesentliche wieder geben und knapp zusammenfassen.

Konflikte (erkennen und bewältigen).
Am „Eisbergmodell“ wurde uns deutlich gemacht, dass unter der sichtbaren Oberfläche eines Konfliktes immer ein viel größerer Anteil unsichtbares,(unbewusstes) Konfliktmaterial ruht.

Die Aufgabe des Mediators.
Der Mediator kann seine Aufgabe leichter lösen, wenn er eine sozialpsychiatrische Grundhaltung hat. Diese Haltung beinhaltet unter Anderem:“ Ich billige allen Konfliktparteien das Recht auf Selbstbestimmung zu. Ich darf meine eigene Wahrheit nicht absolut setzen.“ Das Ergebnis einer Mediation muss immer eine Konsensentscheidung sein. Es gibt keine Verlierer oder Sieger. Es gibt keine Urteile und keine Sanktionen bei dieser Methode. Alle sollen durch die Übereinkunft einen Gewinn erzielen. Der Mediator unterstützt unparteilich die Parteien. Er ist dafür verantwortlich, dass das Verfahren friedlich abläuft und dass im Laufe der Sitzungen keine neuen Konflikte hinzukommen. Durch seine Fähigkeit durch das Mediationsverfahren die Parteien zur Konfliktlösung zu führen, wird er kein Mensch ohne eigene Meinung. Er hält seine Meinungen jedoch bei der Ausübung der Mediation zurück.

Der Ablauf der Mediation wird vom Mediator gesteuert. Dazu werden zu Anfang einer jeden Sitzung die Grundregeln des Gesprächs besprochen, oder auch an die Wand gehängt.

Regeln:„ Ausreden lassen, keine Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten.“
Der Mediator steuert das Gespräch und greift ein wenn es nötig ist. Wenn die Sitzung zu unfriedlich wird, bricht er sie ab und alle einigen sich auf einen neuen Termin.

Es ist empfehlenswert für die Sitzungen einen neutralen Ort zu suchen und eine entspannte Atmosphäre herzustellen.
Besprochen wird nur, was die Konfliktparteien von alleine auf den Tisch legen. Der Mediator bemüht sich darum, dass der Blick in die Zukunft gelenkt wird. Nach dem Anhören der Parteien muss der Mediator verborgenen Gefühle, Hintergründe und Interessen der Streitenden, bewusst machen.

Oberstes Gebot des Verfahrens ist die Wahrung des Gesichts aller Beteiligten.

Zur Lösung der Probleme werden Lösungsmöglichkeiten gesammelt und entwickelt. Die daraus folgende Übereinkunft wird schriftlich festgehalten. Danach wird der Termin festgelegt, an dem die Umsetzung der Übereinkunft überprüft und wenn nötig korrigiert wird.

Konfliktlösung setzt voraus, das alle Konfliktpartner ihre Verantwortung für denn Konflikt erkennen und übernehmen. Die Verantwortlichkeit benötigt eine Kultur des wohlwollenden Umgangs miteinander.

Weil die Gruppe der Zuhörenden alle zu den Mitarbeitern im Beschwerdewesen gehören, oder in Kürze damit beginnen wollen, tauchte immer wieder die Frage auf, ob diese Methode der Konfliktbewältigung bei der Beschwerdearbeit eingesetzt werden könne. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass einzelne Elemente sich gut eignen, eine gewaltsame Konfliktlösung in Gang zu setze;. Und dass das große Problem der Machtungleichheit von Nutzern und Anbietern in der Psychiatrie damit nicht aufgelöst werden könne.

Ich erhoffe mir beim nächsten Seminar der DGSP zum Thema Beschwerdewesen ein großes Augenmerk auf Möglichkeiten des Machtausgleiches zwischen „Profi“ und Psychiatrie–Erfahrenen. Dazu würde ich mir auch wünschen, dass zu den Veranstaltungen, wie es schon einmal war, etwa 1/3 Angehörige, 1/3 Profi und 1/3 Psychiatrie-Erfahrene, bei Zuhörern und den Referenten eingeladen werden.

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