„Mediation
ein Zauberwort !“
Von
Karin Haehn
Unter
diesem Motto trafen sich 14 lernwillige Menschen in Bielefeld.
Wir waren vier Angehörige, ein „Profi“ und neun Psychiatrie–Erfahrene.
Unsere Referenten waren natürlich auch „Profis“, denn es bedarf
mindestens 200 Stunden theoretischer und praktischer Arbeit um
das weite Spektrum der Mediation zu verinnerlichen und es dann
auch vermitteln zu können.
Schon in der Begrüßungsphase wurden wir an das Aktive
Zuhören herangeführt. Das ist wichtig, denn das Aktive Zuhören
ist das wichtigste Handwerkszeug bei der Mediation. Diese Gesprächstechnik
bedeutet, sich kurz zu fassen, nur das Wesentliche wieder geben
und knapp zusammenfassen.
Konflikte (erkennen und bewältigen).
Am „Eisbergmodell“ wurde uns deutlich gemacht, dass unter der
sichtbaren Oberfläche eines Konfliktes immer ein viel größerer
Anteil unsichtbares,(unbewusstes) Konfliktmaterial ruht.
Die Aufgabe des Mediators.
Der Mediator kann seine Aufgabe leichter lösen, wenn er eine sozialpsychiatrische
Grundhaltung hat. Diese Haltung beinhaltet unter Anderem:“ Ich
billige allen Konfliktparteien das Recht auf Selbstbestimmung
zu. Ich darf meine eigene Wahrheit nicht absolut setzen.“ Das
Ergebnis einer Mediation muss immer eine Konsensentscheidung sein.
Es gibt keine Verlierer oder Sieger. Es gibt keine Urteile und
keine Sanktionen bei dieser Methode. Alle sollen durch die Übereinkunft
einen Gewinn erzielen. Der Mediator unterstützt unparteilich die
Parteien. Er ist dafür verantwortlich, dass das Verfahren friedlich
abläuft und dass im Laufe der Sitzungen keine neuen Konflikte
hinzukommen. Durch seine Fähigkeit durch das Mediationsverfahren
die Parteien zur Konfliktlösung zu führen, wird er kein Mensch
ohne eigene Meinung. Er hält seine Meinungen jedoch bei der Ausübung
der Mediation zurück.
Der Ablauf der Mediation wird vom Mediator gesteuert.
Dazu werden zu Anfang einer jeden Sitzung die Grundregeln des
Gesprächs besprochen, oder auch an die Wand gehängt.
Regeln:„ Ausreden lassen, keine Beleidigungen oder
Handgreiflichkeiten.“
Der Mediator steuert das Gespräch und greift ein wenn es nötig
ist. Wenn die Sitzung zu unfriedlich wird, bricht er sie ab und
alle einigen sich auf einen neuen Termin.
Es ist empfehlenswert für die Sitzungen einen neutralen
Ort zu suchen und eine entspannte Atmosphäre herzustellen.
Besprochen wird nur, was die Konfliktparteien von alleine auf
den Tisch legen. Der Mediator bemüht sich darum, dass der Blick
in die Zukunft gelenkt wird. Nach dem Anhören der Parteien muss
der Mediator verborgenen Gefühle, Hintergründe und Interessen
der Streitenden, bewusst machen.
Oberstes Gebot des Verfahrens ist die Wahrung des
Gesichts aller Beteiligten.
Zur Lösung der Probleme werden Lösungsmöglichkeiten
gesammelt und entwickelt. Die daraus folgende Übereinkunft wird
schriftlich festgehalten. Danach wird der Termin festgelegt, an
dem die Umsetzung der Übereinkunft überprüft und wenn nötig korrigiert
wird.
Konfliktlösung setzt voraus, das alle Konfliktpartner
ihre Verantwortung für denn Konflikt erkennen und übernehmen.
Die Verantwortlichkeit benötigt eine Kultur des wohlwollenden
Umgangs miteinander.
Weil die Gruppe der Zuhörenden alle zu den Mitarbeitern
im Beschwerdewesen gehören, oder in Kürze damit beginnen wollen,
tauchte immer wieder die Frage auf, ob diese Methode der Konfliktbewältigung
bei der Beschwerdearbeit eingesetzt werden könne. Wir sind zu
dem Ergebnis gekommen, dass einzelne Elemente sich gut eignen,
eine gewaltsame Konfliktlösung in Gang zu setze;. Und dass das
große Problem der Machtungleichheit von Nutzern und Anbietern
in der Psychiatrie damit nicht aufgelöst werden könne.
Ich erhoffe mir beim nächsten Seminar der DGSP zum
Thema Beschwerdewesen ein großes Augenmerk auf Möglichkeiten des
Machtausgleiches zwischen „Profi“ und Psychiatrie–Erfahrenen.
Dazu würde ich mir auch wünschen, dass zu den Veranstaltungen,
wie es schon einmal war, etwa 1/3 Angehörige, 1/3 Profi und 1/3
Psychiatrie-Erfahrene, bei Zuhörern und den Referenten eingeladen
werden.
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