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8/2007
Die wissenschaftliche Psychiatrie
hat in der Schizophrenieforschung der letzten fünfzehn Jahre ihre
Ressourcen im Wesentlichen für Genetik, Bildgebung und Atypika
eingesetzt. Die therapeutischen Innovationsbemühungen der letzten
Jahre betrafen vor allem die Neuroleptika: Förderung der „Compliance“
(z.B. durch Psychoedukation) und möglichst frühe Einnahme nach
Ausbruch einer Psychose als Verkürzung der „DUP“(2)
bzw. bereits vor der akuten Psychose als „Früherkennung“. Diese
reduktionistischen Fragestellungen sind wesentlich auch Ergebnis
der Einflussnahme des pharmaindustriellen Komplexes. Ausdruck
der Pharmaabhängigkeit ist die Verharmlosung des Nebenwirkungsspektrums
der Atypika und die völlig unwissenschaftliche Fehlattribuierung
der Atypika als quasi heilsam und dem Insulin des Diabetikers
analog. Diese Verharmlosung hat auch die fatale Off-Label-Anwendung
der Atypika für nichtpsychotische Störungen - am schlimmsten bei
Kindern - vorbereitet.
Alle diese wissenschaftlichen
und therapeutischen Bemühungen haben - obwohl große Geldsummen
eingesetzt wurden (konservative Schätzung 150 Mrd. Euro) - zu
enttäuschenden Ergebnissen geführt und keine wirkliche Verbesserung
der Behandlung und des Verlaufs psychotischer Störungen bewirkt.
1. Keine besseren Behandlungseffekte
durch Atypika
Mit großen Verheißungen und Erwartungen sind die Atypika in die
Psychiatrie und den Markt der Psychopharmaka eingeführt worden.
Spätestens mit einer groß angelegten Studie – der sogenannten
CATIE-Studie (Lieberman et al. 2005a) - ist deutlich geworden,
dass atypische Neuroleptika in der alltäglichen klinischen Anwendung
keine besseren Behandlungseffekte als die klassischen typischen
Neuroleptika erzielen und sich auch nur marginal besser, jedoch
nicht nachhaltig (weniger als ein Jahr) auf kognitive Störungen
auswirken (Keefe et al. 2006, 2007). Auch die Einnahmebereitschaft
der Patienten ist diesen Substanzen gegenüber nicht oder nur geringfügig
besser. Insgesamt liegen in der CATIE-Studie die Abbruchquoten
über 18 Monate bei 75 Prozent, einzelne Atypika schneiden sogar
noch schlechter ab als das Typikum Perphenazin/Decentan ®. Die
Mehrkosten für das amerikanische Gesundheitssystem für Atypika
betragen pro Jahr 10 Mrd. US-Dollar.
Bis heute jedoch hat eine weitgehend auf Neuroleptika fokussierte
Schizophreniebehandlung nicht nachweisen können, dass sie den
Verlauf der Störung im Vergleich zur vor-neuroleptischen Ära verbessert
hätte (Hegarty et al. 1994). Eine aktuelle Studie ermittelt für
6 von 7 ausgewählten Bundesstaaten der USA für die Jahre 1997-2000
eine um 25-32 Jahre verkürzte Lebenserwartung von psychisch kranken
Menschen, die durch das öffentliche Gesundheitswesen erfasst wurden.
Nur Virginia bildete mit „lediglich“ 14-16 Jahren eine Ausnahme
(Colton et al. 2006).
Die weitgehende Fokussierung auf Neuroleptika in der Behandlung
schizophrener Menschen wird besonders problematisch, weil sowohl
Typika als auch Atypika eine erhöhte Mortalität verursachen.
2. Erhöhte Mortalität durch
Neuroleptika
Obwohl plötzliche Todesfälle durch Neuroleptika bereits seit den
1960er-Jahren bekannt sind, wurden erst in den letzten Jahren
mehrere systematische epidemiologische und kontrollierte Verlaufsstudien
in hochrangigen Journals publiziert. Eine prospektive finnische
Studie (Joukamaa et al. 2006) selektierte 99 schizophrene
Patienten älter als 30 Jahre im Rahmen einer nationalen Gesundheitsstudie
und beobachtete sie über 17 Jahre (nur Anwendung von Typika).
39 starben in diesem Zeitraum. Nach Korrektur von kardiovaskulären
Erkrankungen, Body-Mass-Index (BMI), Blutdruck, Cholesterin, HDL,
Bewegung, Rauchen, Alkohol, unnatürlichem Tod und komorbiden somatischen
Erkrankungen blieb eine um das 2,25-Fache (95% CI(3)
1,46-4,30) erhöhte Gesamtmortalität, die sich mit der Anzahl der
gleichzeitig eingesetzten Neuroleptika steigerte.
|
Anzahl
Neuroleptika
|
Relatives
Mortalitätsrisiko
nach Abgleich konfundierender Faktoren
im Vergleich mit Allgemeinbevölkerung
|
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0
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1,29
|
(95% CI 0,53- 3,11)
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1
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2,95
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(95% CI 1,64- 5,38)
|
|
2
|
3,21
|
(95% CI 1,93- 5,95)
|
|
3
|
6,83
|
(95% CI 3,40-13,71)
|
Die Mortalität war ohne neuroleptische
Behandlung kaum erhöht. Alle Patienten waren jedoch über 30 Jahre
alt (Ausschluss der Periode hohen Suizidrisikos nach der Erstbehandlung),
und es ist anzunehmen, dass die schizophrenen Patienten ohne Neuroleptika
leichter gestört waren und umgekehrt die Patienten mit mehreren
Neuroleptika schwerer. Die zusätzliche Todesrate ohne Neuroleptika
ist daher eventuell zu niedrig. Der Anstieg der Mortalität um
das relative Risiko(4)
von 2,5 mit jedem Neuroleptikum blieb auch nach Abgleich
möglicher anderer Einflussfaktoren wie Risikoverhalten und kardiovaskulären
Risikofaktoren hochsignifikant, auch wenn die Kombinationstherapie
nur zeitweise erfolgte.
Frühere Studien haben diese Gesamtproblematik
bereits belegt: Waddington et al. (1998): eine Verlaufsstudie
an 88 Patienten über 10 Jahre mit steigender Mortalität bei zunehmender
Anzahl der Neuroleptika, die jedoch nicht auf einen schwereren
Störungsgrad rückführbar war; Bralet et al. (2000): eine 8-jährige
Verlaufsstudie an 150 Patienten mit der Dosishöhe der Neuroleptika
als bestem Prädiktor für Mortalität; Ray et al. (2001): eine retrospektive
pharmakoepidemiologische Auswertung von 481744 Medicaid-Patienten
vor Einführung der Atypika mit Korrelation zwischen neuroleptischer
Dosishöhe und plötzlichem Herztod (OR(5)
= 2,39); Montout et al. (2002): erste Verlaufsstudie mit Atypika
über nur 4 Jahre, die bei Atypika eine Zunahme (OR von 2,06) für
„andere Todesursachen“ zeigt; Straus et al. (2004): Anstieg plötzlicher
Herztode um mehr als das 3-Fache (OR = 3,4) bei neuroleptisch
durch Allgemeinärzte behandelten Patienten, bei denen ohne Psychosen
in gleicher Höhe, bei Patienten unter 64 Jahren sogar eine OR
= 5,5.
Ursachen der erhöhten Mortalität
1. Wahrscheinlich sind unter anderem plötzliche Rhythmusstörungen,
sogenannten Torsades de Pointes (TdP), infolge Verlängerung der
QT-Zeit(6)
(oberer Normwert 440 ms, TdP-Risiko ab 500 ms) für die erhöhte
Mortalität verantwortlich (Witchel et al. 2003). Diese QT-Zeit
verlängert sich
- mit der Höhe der neuroleptischen Dosis (Bralet
et al. 2000; Ray et al. 2001), aber auch schon mortalitätsfördernd
bei niedrigen Dosierungen (Straus et al. 2004; Ray et al. 2001);
durch
- Kombinationsbehandlungen: Antidepressiva (trizyklische
und tetrazyklische Antidepressiva, SSRI(7),
Venlafaxin, Lithium und weitere internistische Medikation (z.B.
Antibiotika, Antiarrhythmika, Antihistaminika, Vasodilatatoren);
- erniedrigtes Kalium, Magnesium, Kalzium;
- kardiale Vorerkrankungen;
- Bradykardie;
- höheres Risiko bei Frauen;
- höheres Alter;
- Basis-QT-Zeit über 460 ms.:
Risikofaktoren sind
- Synkopen in der Vorgeschichte,
- Familienmitglieder mit langem QT-Intervall,
- Angehörige mit plötzlichem Herztod.
Es gibt auch plötzliche Todesfälle
ohne verlängerte QT-Zeit. Sie ist kein sicherer Prädiktor. Komedikation
mit Anticholinergika scheint das Mortalitätsrisiko eher wieder
zu senken (Waddington 1998).
Alle Typika (am stärksten Thioridazin/Melleril®) und Atypika können
die QT-Zeit verlängern, am geringsten vermutlich Olanzapin und
Quetiapin, die wiederum höhere metabolische Risiken haben. Ist
die erhöhte Mortalitätsrate zumeist auf den plötzlichen Herztod
zurückzuführen? Hierzu folgende Berechnung:
- Plötzliche Todesfälle in Normalbevölkerung:
0,7/1000 Individuen/Jahr (Glassman et al. 2001).
- Steigerungen durch 2er-Kombinationstherapien
auf relatives Risiko von 5 (Joukamaa 2006).
- Risiko plötzlicher Todesfälle unter Kombinationstherapie
mit 2 Neuroleptika: 0,7 x 5 = 3,5/1000 = ca. 0,35/100/Jahr =
10/100 in 30 Jahren.
- abzüglich 2/100/30 J plötzliche Tode in Normalbevölkerung
ergibt 8 Tote durch plötzlichen Herztod infolge auch nur
zeitweiser Kombinationsbehandlung bei 100 Patienten (8%) in
einem Zeitraum von 30 Jahren.
Weitere Todesursachen sind dabei
nicht berücksichtigt. Es wird deutlich, dass plötzlicher Herztod
nicht ausreicht, um die zusätzliche Mortalitätsrate zu erklären.
2. Weil die durch Neuroleptika
bedingte Mortalität nicht allein auf TdP zurückzuführen ist, greifen
Studien, die allein Todesfälle durch plötzlichen Herztod erheben
zu kurz. Die finnische Studie ermittelte zum Beispiel bereits
unter Typika eine mit der Anzahl der Neuroleptika korrelierende
Abnahme des HDL. Aber auch Tode durch venöse Thrombosen mit
pulmonalen Embolien(8)
(Thomassen et al. 2001) und Asthma (Joseph et al. 1996)
sind auch neuroleptikainduziert. Clozapin hat ein zusätzliches
Mortalitätsrisiko (Henderson et al. 2005) durch Verursachung von
Kardiomyopathien und Myokarditis und metabolischen Störungen
einschließlich Diabetes (Walker er al 1997, Henderson et al 2005).
3. In einer Untersuchung von 689
Patienten der CATIE-Studie wird bei 43% der Fälle (bei 54% der
Frauen und 37% der Männer) ein metabolisches Syndrom (MS)
unter Atypika diagnostiziert (McEvoy et al. 2005). Andere kleinere
Untersuchungen bestätigen fast identische Raten, auch in der Altersgruppe
unter 45 Jahren (Cohn et al. 2004). Im Vergleich mit der Normalbevölkerung
ist damit die Prävalenz des MS etwa doppelt so hoch. Ebenfalls
ist damit die Häufigkeit des MS in naturalistischen Studien deutlich
höher als in den industrieabhängigen (McEvoy et al. 2005). Das
Risiko für ein MS unter Atypika steigt bei Männern um mehr als
das 2-Fache (OR 2,29) und bei Frauen um mehr als das 3-Fache (OR
3,18) (McEvoy et al. 2005). Bereits 1979 wurde eine norwegische
Studie mit erhöhter kardiovaskulärer Mortalität seit Einführung
der Neuroleptika (Typika) publiziert (Saugstad/Odegard 1979).
Auch unter Typika haben Frauen ein signifikant erhöhtes Risiko
für Übergewicht.
Symptome des metabolischen Syndroms sind abdominelle Gewichtzunahme
(Kernmerkmal), Triglyceriderhöhung, HDL-Erniedrigung, Erhöhung
des Nüchtern-Blutzuckers, Diabetes, Hypertonus (Newcomer 2005).
In ca. 25% tritt Diabetes durch Atypika auch ohne vorherige Gewichtszunahme
durch direkte Wirkung auf den Insulinstoffwechsel auf. Die Prävalenz
von Diabetes unter Atypika liegt bei 14%, 4-fach höher als in
der Allgemeinbevölkerung.
Wesentliche Ursachen des MS sind Neuroleptika, aber auch
falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Vor Beginn einer Schizophrenie
haben männliche Betroffene einen geringeren BMI (Body-Mass-Index)
als nicht Erkrankende (Weiser et al. 2004).
3. Folgen des metabolischen
Syndroms:
Eine skandinavische Studie ermittelt bei Vorliegen eines MS in
der Allgemeinbevölkerung ein dreifach erhöhtes Risiko für koronare
Herzerkrankungen und Schlaganfälle und eine mehr als 5-fach erhöhte
kardiovaskuläre Mortalität innerhalb von (im Mittel) 6,9 Jahren
(Isomaa et al. 2001). Unter Atypika beginnt das MS zusätzlich
in sehr viel früherem Alter.
In einer Verlaufsstudie über 13
Jahre (1981-1994) sind vaskuläre Erkrankungen mit 47% bereits
die häufigste Todesursache unter Typika (Brown et al. 2000) und
bereits zwischen 1976-1995 in Stockholm bei Männern mit Schizophreniediagnose
um das 4,7fache und bei Frauen um das 2,7fache angestiegen (Ösby
et al 2000). Die metabolischen Veränderungen durch Atypika
verdoppeln nach heutiger Erkenntnis das 10-Jahres-Risiko für koronare
Herzerkrankungen: Angina pectoris, Myokardinfarkt, plötzlicher
Herztod (Correll et al. 2006). Weitere Gefäßerkrankungen und Diabetes
mit seinen noch häufigeren kardiovaskulären u.a. Komplikationen
und vermehrte Altersdemenzen kommen natürlich hinzu. Die zu
erwartende Einnahmedauer der Neuroleptika ist in den meisten Behandlungen
sehr viel länger.
Trigyceriderhöhung und abdominelles
Übergewicht sind die wesentlichen Prädiktoren. Darüber hinaus
gibt es eine weitere das Mortalitätsrisiko erhöhende Interaktion
zwischen kardialen Erkrankungen und TdP durch Neuroleptika.
4. Mortalität durch Suizid:
Die Gesamtmortalität durch Suizid liegt bei Menschen mit Schizophrenie-Diagnose
zwischen 4% und 13%. Im Mittel geht man von 10% aus (Inskip et
al. 1998; Meltzer 1998). Nach der ersten psychotischen Episode
ist der Suizid die Haupttodesursache und im ersten Jahr besonders
häufig (Mortensen et al. 1993). Die Dunkelziffer vor allem in
Kliniken ist hoch (Finzen 1988). Eine nationale finnische Erhebung
ermittelt eine 37-fach erhöhte – jedoch insgesamt mit 1,2% niedrige
– Suizidrate bei schizophren diagnostizierten Patienten in den
ersten 3,5 Jahren nach der ersten Episode, die Neuroleptika eigenmächtig
abgesetzt haben (26 vs. 1 Suizid bei einer Gesamtkohorte von 2230
Ersterkrankten). 38% der Patienten setzten bereits innerhalb des
ersten Monats nach der Entlassung die Neuroleptika ab (Tiihonen
et al 2006). Historisch ist die Suizidrate seit Einführung der
Neuroleptika bei einem Vergleich mit der kustodialen vor-neuroleptischen
Psychiatrie in Wales (1875-1924) um das 20-Fache (Healy et al.
2006), in den USA seit 1950 um das 8-Fache gestiegen (Farberow
et al. 1978). Auch eine norwegische Erhebung bestätigt einen Anstieg
der Mortalität durch Suizid und Unfälle seit Einführung der Neuroleptika
(Saugstad/Odegard 1979).
Die erhöhte Suizidrate seit Anwendung
der Neuroleptika liegt wahrscheinlich
- in den veränderten Versorgungsstrukturen mit
therapeutischer Diskontinuität und unangemessenen, nicht bedürfnisgerechten
Therapieprozessen (Finzen 1988),
- in pharmakogenen Effekten durch und nach Neuroleptika,
z.B. Neuroleptika induzierte Depressivität, Dysphorie und Akathisie
(Lehmann 1996,2002), „neuroleptisches Diskontinuitätssyndrom“
mit Reboundeffekten (Gilbert et al. 1995; Tranter et al. 1998),
Intensivierung von Psychosen nach Neuroleptikabehandlung (upregulation),
sowie
- gesamtgesellschaftlichen Prozessen mit z.B.
beruflicher und sozialer Ausgrenzung, Vereinsamung und Stigmatisierung
begründet.
- Auch frühe Anerkenntnis einer psychiatrischen
Diagnose 6 Monate nach der ersten psychotischen Episode bedingt
erhöhte Depressivität und zumindest signifikant mehr Suizidversuche
(Crumlish et al. 2005).
- Selbstverständlich sind auch intrapsychische,
biografische, sozialkontextuelle und Krankheitsverarbeitungsaspekte
von wesentlicher Bedeutung.
Vor allem ist aber davon auszugehen,
dass das heute allgemein vorherrschende Behandlungsmodell mit
Standardneuroleptisierung ohne wesentliche Mitentscheidung des
Patienten in Verbindung mit struktureller und personeller Diskontinuität
unverändert hohe Non-Compliance-Raten aufrechterhält. Den Patienten
bleibt wenig Spielraum zu Behandlungsversuchen ohne Neuroleptika
oder begleiteten Absetzversuchen, sodass Behandlungsabbrüche mit
Anstieg der Suizide die Folge sind. Patienten Medikamente aufzuzwingen,
die sie außerhalb der Kontrolle mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder
absetzen, birgt offensichtlich lebensgefährdende Risiken.
In finnischen Modellregionen mit selektiver Neuroleptikatherapie
traten keine Suizide in der Gruppe der neuroleptikafrei behandelten
Patienten auf.
„Compliance“ bzw. Behandlungsabbruch
ist kein „Naturgesetz“ oder ein Krankheitsmerkmal, sondern wesentlich
auch eine Reaktion auf das Behandlungsangebot. In den entwickelten
finnischen Therapiemodellen mit Familien und sozialen Netzwerken
und selektiver Neuroleptika-Behandlung liegt sie für Ersterkrankte
über einen 5-Jahres-Zeitraum bei 18% (1. historische Kohorte)
bzw. 5% (2. historische Kohorte) (Seikkula et al. 2006).
Auf diesem Hintergrund ist ebenfalls
keinem Patienten anzuraten, eine einmal begonnene Neuroleptikamedikation
ohne enge therapeutische Begleitung und abrupt abzusetzen. Zugleich
sind Strukturen erforderlich, die die Kontinuität der Behandlung
sichern und Freiheitsgrade zu selektiver Neuroleptikatherapie
eröffnen.
Clozapin hat statistisch einen
deutlich suizidmindernden Effekt (substanzbedingt und/oder aufgrund
der höheren Frequenz therapeutischer Kontakte infolge der Kontrollauflagen),
der jedoch langfristig durch die erhöhte Mortalität infolge induzierter
somatischer Erkrankungen wieder kompensiert wird (Henderson et
al. 2005).
5. Aktuelle Gefahren und Risiken
Eine Erhebung in britischen Krankenhäusern (Harrington 2002) ermittelte
bei 20% der Patienten überhöhte Dosierungen meist ohne erkennbare
Indikation, Aufklärung des Patienten oder EKG. 36% der Patienten
erhielten Kombinationen von Neuroleptika ohne in einer Medikamentenumstellung
zu sein.
Die Unterschiede zwischen einzelnen
Versorgungsinstitutionen waren groß; zwischen 0 bis 50% der jeweiligen
Patienten wurden mit Hochdosierungen und/oder Kombinationstherapien
behandelt. Die Überbewertung der Pharmakotherapie, neurobiologisch
falsche Konstrukte, unzureichende therapeutische Angebote und
therapeutische Hilflosigkeit führen tendenziell zu einem Anstieg
der Neuroleptikadosierungen und vermehrten neuroleptischen Kombinationstherapien.
Unter Zeit- und Kostendruck und bei verzögertem Ansprechen auf
Monotherapie werden in der Versorgungspraxis Kombinationstherapien
angewendet, die durch keine methodisch akzeptable Studie abgesichert
sind und vermutlich auch in Deutschland von ähnlichem Ausmaß wie
in Großbritannien sind. Klinisches Kriterium sind oft kurzfristige
marginale Effekte ohne Reflexion des langfristigen Schadenspotenzials.
Ich sehe darin eine Analogie zur
ebenfalls vollständig irrationalen und iatrogen schädigenden Hochdosistherapie
ab Ende der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts, die erst mit
der Einführung der Atypika ihr Ende fand. Die selbstkorrektiven
Potenziale der Psychiatrie sind offensichtlich sehr gering. Solche
Irrationalismen halten sich in der Psychiatrie lange und hartnäckig,
auch wenn bekannt ist, dass Patienten dadurch geschädigt werden.
Von Spätdyskinesien war z.B. lange bekannt, dass sie auch dosisabhängig
entstehen.
Es liegt keine Studie vor, die
die Überlegenheit von Hochdosistherapien nachweist. Zu Kombinationstherapien
existiert nur eine randomisierte Studie zu Clozapin und Sulpirid
an 14 Patienten über 10 Wochen mit signifikanter, aber mäßiger
Besserung (Shiloh et al. 1997). Allein in einer Kombinationstherapie
mit Clozapin bei Behandlungsresistenz scheint unter Risikoabwägung
ein gewisses Rational zu liegen.
6. Konsequenzen
Angesichts der durch Atypika nur verlagerten Nebenwirkungen, des
nicht nachgewiesenen besseren Krankheitsverlaufs durch Neuroleptika
und einer durch sie deutlich erhöhten Mortalität kann nur eine
maximale Zurückhaltung bei der Anwendung von Neuroleptika die
Antwort sein. Die Mortalitätsproblematik wird innerhalb der Psychiatrie
zu wenig diskutiert und nicht mit konkreten Maßnahmen beantwortet.
(6.1) Bewusstsein und Behutsamkeit
Mit der Vergabe von Medikamenten und langfristig schwerwiegenden
Nebenwirkungen werden also Entscheidungen von potenziell großer
Tragweite getroffen. Daher ist es zunächst notwendig, ein Wissen
und Bewusstsein dieser Toxizität zu schaffen. Fatal wirkt diesbezüglich
die propagandaartige Verharmlosung und Fehlattribuierung der Atypika
mit Verbesserungen der Integration und Plastizität neuronaler
Netzwerke. Ein Nachweis dieser Fehlinformation würde hier zu weit
gehen. Neuroleptika sind vor allem D2-Rezeptoren blockierende
Substanzen, die nicht kurativ, sondern suppressiv wirken. Und
diese Dauersuppression hat grundsätzlich auch neuronal schädigende
Effekte, wie z.B. eine Reduktion der Grauen Substanz, vor
allem frontal (Cahn et al 2002, Dazzan et al 2005, Gur et al 1998,
Lieberman et al 2005, Madsen et al 1998, 1999) mit negativen Auswirkungen
auf die neuropsychologischen Leistungen (Lieberman et al 2005).
Deshalb müssen sie – wenn überhaupt – behutsam und individuell
möglichst niedriger Dosierung eingesetzt werden. Nicht
schnelle Wirkeffekte, die oft auch durch anderweitige Behandlungsformen
(z.T. in Verbindung mit minimaler Dosierung) erreicht werden können,
dürfen die Behandlungsstrategie bestimmen, sondern die langfristige
und subjektiv hilfreiche Wirkung ist zentrales Kriterium. Es gibt
keine neuroleptische „Kur“.
(6.2) Minimierung von Kombinationsbehandlungen
und Hochdosierungen
Hochdosierung oder Kombinationstherapie scheint ganz in das Belieben
des Verordners gestellt zu sein, auch wenn er im Klagefalle vermutlich
der Beweislastumkehr, d.h. dem Nachweis, dass er seinem Patienten
nicht geschadet hat, unterliegt.
Grundsätzlich sind die vom Hersteller
und in der Roten Liste® angegebenen Dosierungen Richtwerte, die
der Hersteller empfiehlt. Der Arzt darf im Rahmen der Therapiefreiheit
davon abweichen, muss aber die Patienten über die Abweichung,
also die überhöhte Dosierung, aufklären. Im Schadensfalle haftet
der Arzt und nicht der Hersteller. Der Arzt muss belegen, dass
die Abweichung therapeutisch gerechtfertigt und vertretbar war
(Beweislastumkehr).
Zu den in Mode kommenden Kombinationstherapien
gibt es so gut wie keine – erst recht keine langfristigen - wissenschaftlichen
Studien. Werden sie trotzdem angewendet, so bewegt sich der verordnende
Arzt ebenfalls in einer erheblichen Grauzone, die bei Schädigungen
und erfolgreicher Klage zur Haftung des Arztes führen dürfte.
Was lässt sich gegen diese „Polypharmakologie“
tun?
Ist eine Erfassung, wie sie durch
den angefügten Fragebogen vorgeschlagen wird, sinnvoll? Sie hätte
vor allem einen mahnenden Charakter. Würde auch der Name des verordnenden
Arztes erfasst, wäre der Druck nachhaltiger und es würden damit
auch mögliche juristische Konsequenzen angedeutet.
Die Leitlinien des britischen National Institute for Clinical
Excellence (NICE) (2002) sehen vor, dass keine Kombinationsbehandlung
von typischen und atypischen Medikamenten erfolgt, bis auf kurze
Phasen bei Medikamentenumstellungen. Als Ausnahme könne eine Kombinationstherapie
bei Non- Response nach ausreichender Monotherapie mit Clozapin
und fortbestehender Ineffizienz der Medikation als Hinzunahme
eines weiteren Neuroleptikums in Erwägung gezogen werden (Royal
College of Psychiatrists 2006).
(6.3) Minimale Neuroleptikadosierungen
Eine weitere Form der Schadensminderung ist die weitgehende Minimierung
von neuroleptischer Medikation. Es kann von einer durchschnittlichen
Akutbehandlungsdosis von 4 +/- 2 mg Haloperidol (-äquivalenten)
pro Tag ausgegangen werden (McEvoy 1991). Die individuelle Dosis
kann um den Faktor 30 variieren (zwischen ca. 20 und 0,6 mg Haloperidol/Tag).
Bei erstmals mit Neuroleptika behandelten Patienten liegen die
durchschnittlichen Schwellendosen von Haloperidol mit 2,0 +/-1
mg pro Tag nochmals um fast die Hälfte niedriger (Kapur 1996,
Cullberg 2006).
Durchschnittswerte bedeuten in
biologischen Zusammenhängen ja immer, dass die einzelnen Individuen
um diesen Wert streuen. Per definitionem benötigen je nach Kurvenverlauf
ca. ein Drittel der Individuen dann deutlich weniger als der Durchschnitt.
Es sollte also von 1 mg Haldoläquivalent langsam auftitriert werden,
wobei eine Wirklatenz von zum Teil mehr als 4 Wochen (Emsley et
al. 2006) zu berücksichtigen ist, um einen Teil der Patienten
nicht überzudosieren. Vorübergehende Gabe von Diazepamen ist dabei
sinnvoll, z.T. auch statt Neuroleptika (Carpenter 1999).
Neuroleptikatherapie ist abhängig
vom Kontext. Heutige Akutstationen mit 20 und mehr Betten, eingeschränktem
Personal, räumlicher Enge und geschlossener Tür können ein pathogenes
Milieu darstellen, in dem behutsame Niedrigdosierung und Monotherapie
verunmöglicht wird. Die Verkürzung der Liegezeiten erhöht darüber
hinaus den Druck, weil der Anteil der akut Erkrankten zunimmt
und die Möglichkeit der Vertrauensbildung zu den Therapeuten abnimmt.
Wenn eine Organisation der Behandlung – wie die übliche psychiatrische
Akutstation – aber häufig zu einer Medikation mit erhöhtem Mortalitätsrisiko
führt, muss sie dringend verändert werden – alles andere ist ein
medizinischer Skandal.
(6.4) Vermeidung neuroleptischer
Behandlung, wenn möglich
Spezielle Behandlungsformen wie Soteria und „bedürfnisangepasste
Behandlung“ (in Skandinavien) und ein Zeitraum von 3 bis 6 Wochen
ohne Neuroleptikagabe zu Beginn der Behandlung sind dafür erforderlich.
So können 40-65% der schizophren diagnostizierten ersterkrankten
bzw. erstbehandelten Patienten ohne Neuroleptika und mit besserem
Ergebnis behandelt werden. Für Patienten, bei denen es so zu einem
verzögerten Einsatz von Neuroleptika kommt, hat dies nachgewiesenermaßen
keinen negativen Effekt auf den weiteren Verlauf. Umgekehrt hat
der möglichst frühe Einsatz guter psychosozialer Behandlung einen
deutlich positiven Effekt, der auch stabil bleibt, wenn die Behandlung
ausreichend lange (bis zu 5 Jahre) durchgeführt wird (Alanen 2001;
Lehtinen et al. 2000; Seikkula et al. 2006; Aderhold et al. 2003;
Bola/Mosher 2003; Bola 2006).
Es gibt unter diesen Bedingungen
4 Gruppen von akut schizophren diagnostizierten Patienten:
- Patienten, die keine Neuroleptika benötigen
(40 bis z.T. 65%);
- Patienten, die insgesamt von Neuroleptika
profitieren (30-40%);
- Patienten, die Neuroleptika nur kurzfristig
benötigen (< 10%);
- Patienten, die nicht auf Neuroleptika ansprechen
(15-20%). Bei ihnen müssen diese wieder abgesetzt werden.
(6.5) Therapeutisch begleitete
Absetzversuche
Seit der Einführung der Neuroleptika wurde keine systematische
Forschung zu Formen und Möglichkeiten des Absetzens von Neuroleptika
durchgeführt. Einzelne explorative Studien deuten auf deutlich
größere Spielräume hin. Für Betroffene ist ein therapeutisch kompetent
begleiteter und auf Gelingen angelegter Absetzversuch oft von
essenzieller Bedeutung.
Insbesondere die kompensatorische
Funktion anderer Therapiemethoden (bedürfnisangepasste Behandlung
im Lebensraum des Patienten [s.o.], integrierte Behandlungs- und
Rehabilitationsprogramme zur Ermöglichung einer weitgehend normalisierten,
an die Zielsetzungen des Patienten angepassten Lebensführung und
spezielle Behandlungsformen wie TCM, Homöopathie, Familientherapie,
behavioral-kognitive Therapie, psychodynamische Therapie, Entspannungsverfahren,
Tai-Chi etc.) ist hierbei wesentlich und bedarf der Beforschung.
Daher sind Strukturen und Forschungsprojekte zu fordern, die diese
Möglichkeiten erschließen. 6. Niedrigschwellige Kontroll- und
Beschwerdestellen zur Überwachung und Optimierung der pharmakologischen
Behandlung?
(6.6) Niedrigschwellige
Kontroll- und Beschwerdestellen zur Überwachung und Optimierung
der pharmakologischen Behandlung?
(6.7) Kontinuierliche Kontrolle
somatischer Nebenwirkungen
Eine Konsensuskonferenz (Marder et al. 2004) hat den Stand der
Literatur auf folgende Nebenwirkungen hin untersucht:
- Gewichtszunahme und Übergewicht
- Diabetes
- Hyperlipidämie
- QT-Intervall-Verlängerung im EKG
- Prolaktinerhöhung und sexuelle Nebenwirkungen
- extrapyramidale Störungen, Akathisie, tardive
Dyskinesie
- Katarakt
- Myokarditis
Zur Verminderung langfristiger Schädigungen von
Patienten hat sie Konsens über folgende regelmäßigen Untersuchungen
erzielt:
- Body-Mass-Index (Hüftumfang)
- Plasmaglucosespiegel
- Lipidprofil
- Prolaktinerhöhung und sexuelle Dysfunktion
- QTc-Bestimmung
- Zeichen von Myokarditis bei Clozapin
- Anzeichen von Spätdyskinesien
- Augenuntersuchung
So wird Psychiatrie nicht nur
zur „Clinical Neuroscience“, sondern auch zur „Internal Medicine“.
Behandlung besteht zunehmend aus Kontrolle und Begrenzung medikamentöser
Schädigungen.
Meine Behauptung ist, dass der gegenwärtige
Stand der Neuroleptikabehandlung, ein für viele Patienten fataler
Skandal ist und dass in einer ökonomisch und damit auch wissenschaftlich
unabhängigen Psychiatrie ein solcher Skandal nicht passiert wäre.
Hierzu etwas direkter Fuller Torrey (2002), ein durchaus biologischer
Psychiater mit einer schizophren erkrankten Schwester: „Psychiatry
has already been sold. The buyer was Big Pharma.“
Gibt es irgendwo eine Grenze,
eine Möglichkeit zur grundlegenden Kurskorrektur?
Bereits jetzt sind 50% der Forschungskosten öffentlich finanziert.
Eine 100% öffentliche Finanzierung ließe nach Untersuchungen des
renommierten Londoner Center for Economic and Policy Research
nicht nur eine bedarfsgerechtere Forschung zu, sondern würde auch
die Entwicklungskosten senken und damit Medikamente insgesamt
billiger machen. Es gäbe kaum einen anderen politischen Eingriff,
der von vergleichbarem gesellschaftlichem Nutzen wäre, so das
Fazit der Studie.
Der US-Ökonom Dean Baker (2004) hat errechnet,
dass allein in den USA durch die hohen Preise patentierter Medikamente
Mehrkosten von jährlich 25 Mrd. Dollar entstehen. Diese Kosten
wären vermeidbar durch andere Forschungssysteme, die nicht auf
Patentschutz beruhen. Baker rechnete in einem Szenario aus, dass,
wenn Arzneimittelforschung ab sofort öffentlich finanziert und
die neuen Medikamente patentfrei unter Wettbewerbsbedingungen
verkauft würden, die USA bis zum Jahre 2014 unter dem Strich 110
Mrd. Dollar einsparen würden.
Ersatzweise gibt es diverse Vorschläge, Forschung,
Zulassung, Marketing und Überwachung nach der Zulassung besser
zu regulieren und zu kontrollieren (z.B. Report House of Commons
- Influence Pharmaceutical Industry 2004).
Wer ist in Deutschland in der Verantwortung, etwas
zu ändern?
- die Psychiatrie als Wissenschaft
- die Psychiatrie als Gruppe der praktisch Handelnden
- die DGSP
- die verfasste Ärzteschaft – Ärztevertretung
- die Pharmaindustrie
- die Betroffenen – Angehörigen
- die Öffentlichkeit - Medien
- die Politik: neue Enquete ?
Literatur zu Aderhold - Neuroleptika
minimieren
Vollständige Aufsätze können
angefordert werden unter: v.aderhold@gmx.de
Die Mortalitätsstudien online
unter: http://psychrights.org/index.htm
unter: „Scientific Research by Topic”,
dort die Artikel von Ray, Joukamaa, Montout, Henderson, Morgan,
Straus.
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Dr. Volkmar Aderhold ist Facharzt für Psychiatrie,
Psychotherapie, Psychotherapeutische Medizin und arbeitet am Institut
für Sozialpsychiatrie der Universität Greifswald.
Diskussionsbeiträge und kritische
Stellungnahmen erwünscht!
E-Mail: v.aderhold@gmx.de
oder volkmar.aderhold@uni-greifswald.de
Erscheint in: Soziale Psychiatrie 9/2007
Fußnoten
(1) Besonderen Dank an Peter Kruckenberg, Asmus Finzen, Martin Driessen,
Bruno Müller-Oerlinghausen, Johan Cullberg und Yrjö Alanen für Überarbeitungen,
Korrekturen und Ergänzungen.
(2) DUP = Duration of untreated psychosis
= Dauer der unbehandelten Psychose DUP
(3) CI = Konfidenzintervall. Beschreibt den Bereich,
in dem die einzelnen gemessenen Daten um den berechneten Wert der
Messgröße streuen. Ein 95%-Konfidenzintervall bedeutet, dass nur
bei 5 von 100 gleich großen Zufallsstichproben der Erwartungswert
nicht in diesem Konfidenzintervall liegt
(4) Relatives Risiko (RR) drückt aus, um welchen Faktor sich ein
Risiko (z.B. für eine Erkrankung) in zwei Gruppen unterscheidet.
RR von 2,5 heißt, dass das Risiko für ein Ereignis (hier Tod) in
dieser Gruppe 2,5-mal so hoch ist wie in der Vergleichsgruppe.
(5) OR = Odd Ratio. Eine Verhältniszahl, die eine Aussage macht
über die Stärke von Zusammenhängen. OR = 2,5 beschreibt eine 2,5-mal
so hohe Chance für ein Ereignis.
(6) Verlängerung der vulnerablen 2. Phase des Aktionspotentials
im Herzen, dadurch werden irreguläre neue Herzaktionen möglich.
(7) Selektive serotonerge Wiederaufnahmehemmer
(8) mögliche Ursachen sind sog. Sludgephänomen infolge von Leukozytenaggregationen,
Kardiolipin Antikörper, Adipositas, Sedierung.
|