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 Rundbrief
Ausgabe 3/2007

DGSP-Curriculum „Psychotherapeutische Grundhaltung“
Von Klaus Laupichler

  1. Wir wissen wie wir Dich gesund machen, Du brauchst nur unseren Anweisungen zu folgen.
  2. Wirst Du trotzdem nicht gesund, hast du dich für die Krankheit entschieden und bist selber Schuld.
  3. Deine Vergangenheit interessiert uns nicht. Was gut war an Deiner Vergangenheit war Manie und das zählt nicht.
  4. Ich der Profi, der Ratschläger bin der, der am Meisten gelitten hat in seinem Leben. Das bei Dir ist doch nur ein Witz und sei mir gefälligst dankbar. Diese Argumentation trifft man auch in der Selbsthilfe.
  5. Die Teamsitzungen und Supervisionen sind geheim, man soll nicht sehen wie wir uns streiten, verletzten und Machtkämpfe vollführen. (Bei uns gab es sehr viele Teamsitzungen und ich hatte das Gefühl, die merken gar nicht, wenn wir weg sind.
  6. Nach den Teamsitzungen und Supervisionen brauchen wir unsere Ruhe und wir müssen uns zuerst einmal erholen.
  7. Wer von den Bewohnern aufmuckt und meckert ist krank und braucht mehr Medikamente. Ein neues Rezept kann auch die Sekretärin beim Psychiater begründen und anfordern
  8. Wer nachhaltig stört und Schwierigkeiten macht, kommt in die Klinik und dann in ein anderes Heim. Er ist nicht Gruppenfähig und wird verlegt, er ist halt psychisch krank und wir haben eine schöne Warteliste.
  9. Sexuelle Beziehungen unter den Bewohnern sind verboten. Das sind Emotionen mit denen wir nicht klarkommen. Ich lebe ja in Scheidung. Gebt mehr Haldol und es gibt keine Beziehungen und Flecken in der Bettwäsche.
  10. Durch verschiedene Lebenserfahrungen, Krankheitsbilder und bevorzugen durch die Mitarbeiter, wurde die Wohngruppe immer zu einem Dampfkessel in dem nur Krisenmanagement gefragt war. Ich kam aber nie zu den Fragen meiner Krankheit und meiner Biographie. Ich kam nie zu dem eigentlichem Grund, warum ich Heim bin.
  11. Durch diesen Dampfkessel stand ich ständig unter Strom und brauchte mehr Medikamente. Da ich mich wehrte bekam ich mehr Medikamente. Folge jahrlange Lithiumvergiftung und daher eine Niereninsuffizienz, trotz ständiger Mahnung des Hausarztes.
  12. Der letzte Rest der Persönlichkeit wurde zerstört, da einige Mitarbeiter Minderwertigkeitskomplexe gegen über mir hatten. Außerdem Psychologen hatte keiner ein Universitätsstudium und Oppositionserfahrung.
  13. Wenn etwas schief ging oder ein Machtkampf sich zwischen Bewohner und Sozialpädagogen zu einer Selbsttötung führte, wurde nie nachgefragt, nie nach den Gründen gefragt. Denn der der aus dem Leben schied, war selber Schuld und hatte nicht auf die pädagogischen und psychologischen Ratschläge des Mitarbeiters gehört. Die Polizei wurde nur durch einen Zettel in der Tasche des Toden aufmerksam, machte aber nichts, da es sich um einen psychisch Kranken handelte. Auf dem Zettel stand: Nun Herr W...... habe ich Ruhe vor Ihnen. Herr W. ist heute organisatorischer Leiter des Heimes. Wir sind Freiwild.
  14. Dokumentation. Das ist der eigentliche Hammer. Für die Mitarbeiter nahm die Dokumentation einen sehr großen Raum ein. Aber jeder schrieb Romane über uns Betroffene und warum wir so handelten. Nicht aber kurz das was, was am Tag wichtig war. Wenn wir in den Heimen was verändern wollen, dann müssen wir für eine einheitliche Dokumentation sorgen. Kurz, knapp und präzis. ( Ich habe während meiner Zeit im Reha – Heidenheim Tagebuch geführt. Auf einer Tagung in Hannover bot ich dem Heimleiter einfach an, meine Tagebuchaufzeichnungen mit der Dokumentation der Mitarbeiter des Heimes zu vergleichen. Zeugen Else Eichenbrenner und Dr. Voigtländer. Der Heimleiter erklärte sofort, die Aufzeichnungen gäbe es nicht mehr)
  15. Du hast kein Recht anders zu sein und wie Du zu sein hast bestimmen wir. (und die finanzielle Auslastung und die Warteliste des Heimträgers.)
  16. Es gibt eine finanzielle interessante Spirale nach unten für uns. Durch mangelhafte ambulante Beratung und Integrationsdienst wird schließlich ein Heimaufenthalt nötig. Durch immer mehr Medikamente und Dampfkessel verschlechtert sich unserer Zustand. Wenn es ganz schlimm ist werden wir verlegt. Nach Lauingen oder in den Rabenhof. Das ist halt so bei psychisch Kranken. Hauptsache die Existenz des Heimträgers und das Gehalt der Mitarbeiter stimmt. Mitarbeiter die eine erfolgreiche Ausgliederung betreiben werden entlassen. Was zu beweisen ist.
  17. Psychotherapeuten nehmen nur fast gesunde Menschen. Denen die wirkliche Hilfe brauchen, wird die Therapie verweigert. Sie müssen einsehen, sie sind zu krank. Für mich ist das unterlassene Hilfeleistung.

Gegenvorschläge (Prof. Becker): Einfach mal ein paar Mitarbeiter entlassen..

Mein Vorschlag: Wenn ein Bewohner verlegt wird, muss sein Betreuer mitgehen. Knallharte Qualitätskontrolle. Eine Mindestquote an erfolgreicher Ausgliederung in die Gemeinde, sonst werden die Mittel gestrichen. Öffentlich Stigmatisierung von schlechten Heimträgern.

Übrigens gegen mich besteht eine Klage. Androhung vom Reha – Verein Alb Donau, wenn ich mich weiter öffentlich diskreditierend äußere. Mache ich seit Jahren, aber noch nie erfolgte eine Anzeige. Hat auch seine Gründe. K.L.

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