Drei
einfache Maßnahmen zur Verbesserung der stationären Psychiatrie
1. Abschaffung des Personalzimmers
2. zugehendes Bezugspersonensystem
3. Bericht nach Zwangsmaßnahmen
zu 1. Abschaffung des Personalzimmers:
Als Beispiel für die gute Wirkung sind die Stationen 7 + 8 der
Rheinischen Kliniken in Langenfeld zu nennen, die Abteilung von
Chefarzt Thomas Keller.
Auf beiden Stationen wurde das Personalzimmer ersatzlos gestrichen,
es gibt nur noch einen kleinen Büroraum um Schreibarbeiten zu
erledigen.
Aus dem Personalzimmer wurde der Raucherraum.
Seit dem gibt es nur noch einen größeren Personaltisch, der direkt
an der Eingangstür der Station steht. In diesem Bereich hält sich
immer eine Person vom Personal auf, so dass die Tür der Station
i.d.R. offen bleiben kann.
Vorteile:
- Die Tür kann fast ständig offen bleiben, dies schafft ein
entspanntes Klima auf der Station.
- Deutliche Verbesserung des menschlichen Umgangs zwischen Personal
und Patienten. Die Hierarchie wird dadurch deutlich flacher.
- Das Personal kann sich nicht mehr zu diversen Kaffeepausen
zurückziehen und befasst sich somit mehr mit den Patienten.
- Weniger Zwangsmaßnahmen, weil besseres Klima.
Zu 2. zugehendes Bezugspersonensystem:
Auf fast allen Stationen gibt es ein Bezugspersonensystem, nur
leider wird es selten angewendet bzw. gerät schnell wieder in
Vergessenheit. I.d.R. wissen die Patienten nichts davon oder kennen
ihre Bezugspersonen nicht.
Das zugehende Bezugspersonensystem sollte so gehandhabt werden,
dass jeder Patient eine Hauptbezugsperson und ein bis zwei weitere
vom Personal hat.
Ein Plan sollte für die Patienten sichtbar aufgehängt sein, aus
dem hervorgeht, welche Bezugsperson an welchem Tag im Dienst ist.
Schon möglichst bei der Aufnahme sollte den Patienten dieses Bezugspersonen-
system erklärt werden. Sollte dies dann noch nicht möglich sein,
muss es so bald wie möglich geschehen.
Unter “zugehend“ ist gemeint, dass die Bezugspersonen jeden Tag
auf ihre jeweiligen Patienten zugehen und sich mit ihnen unterhalten
und auch nachfragen, ob sie etwas für sie tun können.
Die Bezugspersonen sollten möglichst für die Patienten frei wählbar
sein, bzw. die Patienten haben das Recht, eine Bezugsperson abzulehnen.
Über dieses Recht müssen die Patienten aufgeklärt werden und es
dürfen ihnen anschließend keine Nachteile bei einer Ablehnung
entstehen.
Neben allgemeinen Dingen ist es durchaus vorstellbar, dass sich
die Bezugs-personen mit den Patienten über mögliche Ursachen und
Auslöser ihrer Krise unterhalten. Ferner sollte über eine mögliche
Krisenvorsorge und Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen werden. Für
diese neue Aufgaben sollte das Personal ausgebildet und/oder über
Fortbildungen geschult werden. Dies bedeutet gleichzeitig eine
Aufwertung der Aufgaben des Pflegepersonals.
Zu 3. Bericht nach Zwangsmaßnahmen:
Viele Zwangsmaßnahmen ließen sich vermeiden, wenn dass Personal
geduldiger, einfühlsamer und weniger autoritär vorgehen würde.
Allein die Tatsache, dass Patienten zur Einnahme von Medikamenten
genötigt werden, ohne dabei über die Wirkung und Nebenwirkungen
aufzuklären, bedeutet eine nicht hinzunehmende Entrechtung.
Jemand, der einmal von Zwang betroffen war, wird nachhaltig das
Vertrauen in die Behandelnden verlieren und auch wenn es ihm offensichtlich
schlecht geht, nicht freiwillig wieder in die Klinik gehen. Dies
führt zu immer häufigeren Zwangseinweisungen.
Auf Station 7 und 8 der Rheinischen Kliniken in Langenfeld wurden
die Zwangsmaßnahmen durch eine Anordnung auf ca. 20% gesenkt.
Nach jeder Zwangsmaßnahme musste die Person vom Personal, die
als erste beim Patienten war, einen Bericht schreiben. Darin muss
die Situation geschildert werden und was alles versucht wurde,
um die Zwangsmaßnahme zu vermeiden.
Des weiteren, hatte die Person die Aufgabe, sobald wieder mit
dem Patienten zu reden war, mit diesem die Situation zu besprechen,
im Beisein der Bezugsperson des Patienten. Dabei bekommt auch
der Patient diesen Bericht ausgehändigt.
Seit Einführung sank die Zahl der Zwangsmaßnahmen schlagartig,
u. a. weil keiner diese Berichte schreiben wollte und es einfacher
war, geduldigDies zeigt nun wieder deutlich, dass viele Zwangsmaßnahmen
generell vermeidbar sind. Leider haben viele Menschen das Bedürfnis
Macht auszuüben, so auch viele Mitarbeiter in psychiatrischen
Bereichen.
er zu sein.
Fazit:
Bis auf geringe Umbaukosten würden keine Kosten bei der Umsetzung
der oben beschriebenen drei Vorschläge anfallen. Die Effizienz
ist aber deutlich und wäre ein großer Schritt in Richtung menschlichere
Psychiatrie. Vorstellbar ist auch, dass langfristig Kosten bei
den Krankenkassen und anderen Kostenträgern eingespart würden.
Von Cornelius Kunst, Donaustr. 55; 42653 Solingen, Tel.:
0212/53641 Email: CK-SG@gmx.de
Mitglied im Vorstand des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener
NRW e.V.
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