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 Rundbrief
Ausgabe 4/2007

Bericht über den 5. Europäischen Kongress über Gewalt in der Klinischen Psychiatrie (25. - 27- 10.2007 in Amsterdam)
Von Vicky Pullen

Außer mir war nur eine andere PE dort, wahrscheinlich weil es so schwierig war, (kostenlosen) Eintritt zu bekommen. (Dank an Peter für viele E-Mails.) Aber einige der Vortragenden haben gesagt, dass sie es gerne sehen würden, wenn mehr Nutzer involviert wären, auch als Referenten/Innen, auf dem Podium etc.
Der Kongress war sehr gut organisiert und eine tolle Überraschung war, dass es nur einen Pharmastand gab, der auch sehr klein und unscheinbar war. Unsere Stände hatten den 1A Platz (direkt neben der Theke und den Essenstischen und dem Internet). Sehr viele, wenn nicht alle haben sich in den 3 Tagen an ENUSP interessiert gezeigt und viele haben sich bedankt dass wir da waren. (Wir ist noch Jolijn aus Eindhoven, die eine Stiftung gegründet hat gegen Isolierzellen in der Psychiatrie, siehe www.mindrights.org).
Die Referenten/Innen, die ich gehört habe, die aus USA waren, haben alle zum Thema Reduzierung von Isolierungen und Fixierungen gesprochen. Im Jahre 1998 gab es einen Artikel im „Hartford Courant“ über ein Kind, das während einer Fixierung gestorben war. Dies löste eine Reihe von Ereignissen aus und führte zur Einrichtung nationaler Arbeitsgruppen, dessen Aufgabe es war/ist Fixierungen und Isolierungen (F/I) zu verringern bzw. abzuschaffen.

Ein formeller Plan wurde aufgestellt mit der Bezeichnung: „6 Kernstrategien.“ Diese sind:

  1. Die Leitung (der Einrichtung) muss die Prävention von Gewalt zur hohen Priorität erklären, sollte Barrieren durch Bürokratie etc verringern, sollte dem Personal helfen Kompetenz zu erlangen, notwendige Ressourcen bereitstellen und sollte MitarbeiterInnen, die sich nicht für das Ziel Verringerung von F/I einsetzen bitten zu gehen, um dann motiviertere Mitarbeiter einzustellen und Schulungen anbieten.
  2. Informationen/Daten sammeln und benutzen, jede F/I analysieren (warum, was hätte anders sein müssen etc), gesunden, nicht bestrafende Wettbewerb zwischen Stationen oder Einrichtungen schaffen.
  3. Entwicklung in der Mitarbeiterschaft: eine Behandlungsumgebung schaffen, die auf den Prinzipien von Recovery beruht. Dies schließt ein, die Mitarbeiter zu schulen, dass viele F/I zustande kommen aufgrund von starren Stationsregeln. Erfahrungen in der Vergangenheit von PEs und vom Personal sollten mitberücksichtigt werden.
  4. Risikofaktoren identifizieren: Menschen, mit Trauma in der Vorgeschichte identifizieren, Entwicklung und Gebrauch von Deeskalationsplänen, das psychiatrische Setting verändern um Ruhe- Snoezel- und Räumen mit sensorischen Angeboten einzuschließen.
  5. Nutzer/PEs, Fürsprecher im Alltagsleben und in der ausführenden Ebene mit einbeziehen, um ihre besondere Erfahrung, Kenntnisse zu nutzen in der Reaktion von F/I.
  6. Nutzung von rigorosen Nachbesprechungen: zunächst unmittelbar nach dem Ereignis um mit allen, die anwesend waren zu sprechen und dann ein paar Tage später im etwas förmlicheren Rahmen um herauszufinden, was schief gelaufen ist, was verändert werden kann um F/I in der Zukunft zu vermeiden.

Eine Kulturveränderung muss stattfinden, um erfolgreich F/I zu reduzieren. Psychiatriemuss Recovery-orientiert sein, aus heilenden Beziehungen bestehen, der Nutzer muss die Quelle der Kontrolle sein, Nutzer und Familienangehörige sollten gleichwertige Partner sein, bis zu 30-50% Nutzer sollten in jeder Einrichtung angestellt sein in Positionen, wo sie ihr Erfahrungswissen auch einbringen können.
Es ist geforscht worden, wann Gewalt stattfindet in der Psychiatrie: wenn Räume zu klein sind, im Essensraum, wenn Schichtwechsel ist, wenn zu wenig Aktivitäten angeboten werden und bei den Patienten daher Langeweile aufkommt, also sollten die Mitarbeiter sich dieser Sachen bewusst sein. Jede/r MitarbeiterIn sollte sich fragen, ob sie an der richtigen Stelle sind/den für sie richtigen Job machen.

Weitere Faktoren, die zu hohen Aggressionspegeln führen:

  • mangelhafte Ausstattung der Station: alt, nicht genug Platz, keine Ablenkungs- oder Rückzugsmöglichkeiten
  • rigide Regeln, die eher dem Personal nützen (z.B. alle müssen zur gleichen Zeit ins Bett und aufstehen)
  • ritualisierte Disziplinierungsmaßnahmen, wie z.B. Demütigung, Sachen wegnehmen ? geringes Maß an Kommunikation zw. Patienten und Personal
  • geringe Anzahl an Mitarbeiter pro Patient

Ich habe hier zusammen geschrieben, was mehrere Vortragende gesagt haben. Ich hoffe, dass niemand was dagegen hat. Einige der Sachen wurden von verschiedenen wiederholt, was nicht schlecht war. Wenn Menschen hier noch weiter lesen wollen (auf Englisch), schlage ich vor, dass sie im Medline gucken unter „restraints“, „seclusion“ und den folgenden Autoren: Mohr, W., Huckshorn, K.,Leadbetter, D., Colton, D., Delaney, K., Duxbury, J., Bluebird, G..

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