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 Rundbrief
Ausgabe 1/2008
Mobbing – warum es so gefährlich ist!

Früher nannte man es Schikane; heute heißt es Mobbing. Jedem kann es passieren.
Mobbing ist aber nicht nur eine absolut kulturelle Unsitte, oder schlicht: schlechtes Benehmen – Mobbing kann zu starken Depressionen, massiven psychischen Erkrankungen, Amokläufen, Selbstmord oder zum Töten des anderen führen.
Ursache ist unser Konkurrenzdenken untereinander, der ewige Leistungsdruck und das auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Jeder von uns hat gelernt, um alles kämpfen zu müssen und den anderen notfalls dafür „endgültig fertig zu machen“. Bei Mobbing ist dafür jedes Mittel recht. Es wird schlecht über den anderen geredet, Lügen über ihn in Umlauf gebracht, verfolgt, gedroht, erpresst, gestohlen, geraubt und auch tätlich angegriffen. Aber natürlich nur, ohne beweisbare Spuren zu hinterlassen.
Deshalb ist Mobbing als Straftat bis heute kaum vor Gerichten durchzusetzen und unsere Politiker scheuen sich, ein Anti-Mobbing-Gesetz (viele andere Gesetze könnte man dadurch übrigens abschaffen) zu schreiben, denn schließlich lebt so manche politische Karriere auch nur vom „Politikermobbing untereinander“.

Trotzdem ist Mobbing in einer Zivilisationsgemeinschaft kein Naturgesetz und schon gar nicht die Lehre des Darwinismus.
Mobbing ist einfach nur eine zwischenmenschliche Schweinerei und wird eigentlich schon in jedem Kinderzimmer als „Familienmobbing“ verboten. Zum Lernen für´s Leben und wegen dem Respekt vor anderen. Nur wird das zu schnell vergessen und daher existiert überall in der Praxis das „Gesellschaftsmobbing um Geld, Macht, Besitz und ... sogar Liebe“.

Das Mobbingopfer sieht sich dabei regelmäßig isoliert und wehrlos. Und es ist in der Tat schutzlos. Keiner hilft. Entweder man glaubt ihm nicht, hält seine Geschichte für Einbildung und Spinnerei, oder rät solchen Unfug wie: „Lass´ dir doch ein härteres Fell wachsen und sei nicht so empfindlich; das Leben ist halt grausam.“
Das führt nur dazu, dass die Gefühlswelt des Mobbingopfers durch diese anhaltende Verletzung, gegen die man sich nicht richtig wehren kann, selber explodiert. Denn unsere Gefühle sind wirklich Naturgesetze und so kann es zu den scheinbar unglaublichsten „krankhaften“ Handlungen von Menschen kommen, die ursprünglich aber völlig gesund geboren wurden!
´Viele Kränkungen machen krank´ und sie sind purer Dauerstress.

Inzwischen bevölkern viele Mobbingopfer unsere Psychiatrien. Dort haben sie dann das Problem, dass man sie gerne als „Schizophrene“, oder „psychotisch aus dem schizophrenen Formenkreis“, oder als „manisch-depressiv“ etc. diagnostiziert, nur weil bei den Krankenkassen Mobbingopfer als Diagnose noch nicht anerkannt – und damit für den Arzt nicht geldwert abrechenbar ist. (Auch ein rein gesetzgeberisches Problem).
Andere müssen wegen ihrer überschäumenden Wut nach seelischen Entladungen ins Gefängnis und haben dort oft das Problem, dass sie nicht „reueeinsichtig“ sind und deshalb keine Vollzugslockerungen bekommen. Aber sie haben auch nicht Unrecht, denn auch dem Mobbingopfer stehen gegenüber dem Mobbingtäter Notwehrrechte zu.
Aber von der Justiz wird all das zu oft verkannt, bzw. auch dort fehlt das richtige Gesetz und deshalb kann sie in solchen Einzelfällen nicht gerecht genug entscheiden.
Stattdessen gibt es deswegen zerbrochene Existenzen in Gefängnissen genauso wie durch gesellschaftlich vermeidbare Psychiatrieaufenthalte. Für jeden Betroffenen sind das aber „weiße Flecke in der eigenen Lebensbiographie“, die seine persönliche Zukunft nur noch weiter verbauen.
Dem Mobbingtäter ist das alles erst einmal reichlich egal. Für ihn zählt vorab nur das eigene nahe liegende Ziel: der Konterfei ist für mich endlich weg vom Fenster.
Aber das ist eine reine kurzsichtige Milchmädchenrechnung. Denn Gefangene, oder psychisch Erkrankte wegen Mobbing sind sehr teuer für die gesamte Gesellschaft. Von ihnen kann kaum einer mehr vernünftig arbeiten, sondern muss vom Staat unterhalten werden.
Der Mobbingtäter selbst muss derzeit noch keinen eigenen Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen. Aber wir alle als Steuerzahler und über unsere Sozialabgaben bezahlen diese immensen und so sinnlosen Schäden des „sozialen Mordes an unserem Mitmenschen“ mit.
Deshalb: Lasst Mobbing einfach bleiben, sucht bei Streit die schnelle Mediationslösung miteinander, lernt wieder auch dem anderen bei Verletzungen zu verzeihen, wozu auch die Entschuldigung gehört und besteht nicht nur auf: Recht haben wollen. Und vor allem - lasst uns das ewige Denunziantentum endlich ausrotten. Niemand braucht das! Es geht auch anständig miteinander.

Und selbst wenn das ein derzeit rein moralisches Anliegen ist – spätestens beim Geldfaktor hören doch alle wieder hin: Mobbing ist als „Anti-Kultur-Schadensfall“ einfach zu teuer.
claudia grether

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