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Erfolglos
sind wir nicht
(Zu Achim Schultz: „Warum sind wir so erfolglos?“von
Dorothea
Buck)
Lieber Achim, ich beschränke mich in meiner Antwort
auf den Anfang Deines Beitrags. Du misst unseren in Deinen Augen
fehlenden Erfolg an den nur 1.100 BPE-Mitgliedern. Du schreibst:
„Wollte man die zahlenmäßige Größe unseres Verbandes ins richtige
Licht rücken, müsste man zu den Stationären noch diejenigen hinzuzählen,
die ambulant behandelt werden, sowie diedenigen in stationärer
und ambulanter Psychosomatik, sowie diejenigen bei Allgemeinärzten
und Internisten, sowie diejenigen in Gefängnissen, sowie diejenigen
ohne Obdach, sowie diejenigen in Selbsthilfe, die nie behandelt
wurden und auch nicht behandelt werden wollen. Die Peinlichkeit,
das alles zusammenzuzählen, erspare ich mir; auch so kommt dabei
heraus, dass der BPE ein verschwindender Winzling ist. - Wie kommt
es, dass die Geschichte des BPE, gemessen an der Zahl seiner Mitglieder
und der Zahl behandelter Patienten, eine Geschichte des Misserfolges
ist?“
Als Selbsthilfebewegung Psychiatrie-Erfahrener können wir auch
nur für die in der Psychiatrie, nicht für die in der Psychosomatik
und für die in Gefängnissen Erfahrenen sprechen. Es ging uns auch
nicht um eine möglichst große Zahl von BPE-Mitgliedern, sondern
wir wollten die völlig gesprächslose, und heute immer noch gesprächsarme
Psychiatrie und ihr Dogma der nicht seelisch, sondern erblich
verursachten sinnlosen Hirnstoffwechselstörung verändern, Siehe
unser BPE-Faltblatt von 1992: „Wir fordern eine subjektorientierte
Psychiatrie, die von unseren Erfahrungen und von unserem Erleben
im Zusammenh9ng mit unserer Lebensgeschichte ausgeht, die Dialog
und Hilfe zur Verarbeitung der Inhalte der Psychosen und Depressionen
anbietet und unsere Bedürfnisse berücksichtigt“.
Die noch heute von den dominierenden biologischen
Psychiatern seit Emil Kraepelin (1856-1926) vertretene Auffassung:
„Psychosen stellen einen ganz und Rar sinnlosen und zufälligen
Vorgang dar, der Hirnstoffwechsel entgleist ohne einen Bezug zum
Erleben. Die Symptome zu hinterfragen, ist sinnlos und schädlich!“
hatte zu den Zwangssterilisationen gegen uns als „Minderwertigen“
und zu den psychiatrischen Morden an ca. 220.000 deutschen „lebensunwerten“
Menschen geführt, Das bis heute öffentliche Schweigen zu diesen
Verbrechen hat einen grundlegenden Wandel der heutigen auch unter
Zwang und Fesseln medikamentös nur bekämpfenden Psychiatrie verhindert,
Mit dem von Psychiatern als „unheilbar“ selbst geschaffenen Stigma
können sich ohne Bedenken nur existentiell Unabhängige wie Frührentner,
oder solche Psychiatrie-Betroffenen unserem BPE anschließen, die
das psychiatrische Vorurteil durch ihre selbst gewonnene Heilung
widerlegen.
Auf diese rigorosen Ausrottungsmaßnahmen gegen
uns und die, bis heute verweigerte Hilfe zum Psychose- und Selbstverständnis
wäre die „Antipsychiatrische“ Antwort, die Matthias Seibt und
Elke Bücher in unserem BPE vertreten, nur natürlich. Aber sie
verändert die Psychiatrie nicht, sondern zementiert nur die gegensätzlichen
Fronten. Längst hätten die sofortigen Gespräche mit den als „schizophren“
Diagnostizierten und ihren Angehörigen, wie sie seit weit über
30 Jahren in der „Bedürfnisangepassten Behandlung“ des finnischen
Professors Yrjö Alanen in Teilen Skandinaviens zu soviel besseren
Ergebnissen als die medikamentöse Verdrängung führten, auch für
unsere deutschen Psychiater verbindlich sein müssen. - Den Weg
unseres BPE sehe ich nicht wie Matthias und Elke in der Verweigerung
von Profi-Kontakten, sondern darin, mit ihnen ins Gespräch zu
kommen und sie zu überzeugen, wenn sie denn dazu bereit sind.
Gegen Deinen quantitativen Maßstab der BPE-Mitgliederzahl
als Erfolg setze ich nun den Maßstab der Qualität einiger unserer
erfolgreichen Projekte.
Unser BPE Erfolg begann mit dem ersten Hamburger „Psychose-Seminar“
im WS 1989/90, aus dem 1990 unsere „Hamburger Initiative Bundesverband
... Erfahrener“ hervorging. Eigentlich gehört das Trialog-Konzept:
Der Erfahrungs-Austausch zwischen uns Psychiatrie-Erfahrenen,
Angehörigen und Fachleuten der verschiedenen, in der Psychiatrie
tätigen Berufsgruppen auch schon zu unserem Erfolg. Denn ich hatte
den Erfahrungsaustausch dieser drei Gruppen in meinem „Antrag
auf einen ‚Arbeitskreis für mehr Mitbestimmung Betroffener in
der Psychiatrie‘“ am 8.Juni 1988 an die damalige Bundesgesundheitsministerin
Frau Rita Süssmuth geschickt. Dazu kam es, weil Prof. Klaus Dörner
seit 1984 an die Bundesregierung und an viele Andere geschrieben
hatte, um sie davon zu überzeugen, dass es ohne eine Rehabilitierung
durch eine Entschädigung von uns als „minderwertig“ Zwangssterilisierten
und der als „lebensunwert“ Überlebenden der psychiatrischen Tötungsanstalten
im NS-Regime keine Psychiatrie-Reform geben könne.
Seine Briefe erreichten nach drei Jahren die
erste und einzige Anhörung von uns Zwangssterilisierten und der
„Euthanasie“-Überlebenden am 24.Juni 1987 vor dem Innenausschuß
des Deutschen Bundestages in Bonn. Die damals anwesende Behinderten-Beauftragte
des BGM, Frau Vogel, schlug mir auf meine Kritik an der völlig
gesprächslosen und heute immer noch gesprächsarmen Psychiatrie
vor: Meine Vorstellungen einer verständigeren und menschlicheren
Psychiatrie für das BGM aufzuschreiben. Zum ersten Mal wollte
jemand von der Profi-Seite wissen, wie wir die Psychose erleben
und verstehen, welchen Sinn sie für uns haben kann, und welche
Hilfen notwendig wären.
Fast ein Jahr lang arbeitete ich an meinem Antrag,
den ich auf 22 Seiten auf unserem „ak 71“ - Briefpapier (aktionskreis
71, hamburger Selbsthilfegruppe seit 1971) am 8.Juni 1988 an Frau
Süssmuth und an 8 mir bekannte in der Psychiatrie Arbeitende schickte,
auf deren Teilnahme am trialogischen Arbeitskreis für mehr Mitbestimmung
Betroffener in der Psychiatrie einmal im Monat im Bundesgesundheitsministerium
ich hoffte. (In „Lasst Euch nicht entmutigen“ im Anne Fischer
Verlag/Norderstedt und Leipziger Universitätsverlag, 2002).
Da Prof. Klaus Dörner meinen Antrag bei Frau
Süssmuth befürwortet hatte, erhielt er auch eine Kopie der Absage
des BGM mit dem Vorschlag: „einen Arbeitskreis der vorgeschlagenen
Art vor Ort einzurichten“, - Klaus Dörner schlug Thomas Bock vor,
Kontakt zu mir aufzunehmen. Als Dipl.-Psychologe bot Dr. Thomas
Bock damals in der Hamburger Uni-Psychiatrie ein Psychose-Seminar
für Berufstätige und Studierende an. Er lud mich zu einem ihrer
Treffen im Sommersemester 1989 ein.
Nicht ü b e r psychotische Menschen, sondern
m i t mir als „schizophren“ Diagnostizierter nach 3 Schüben zwischen
1936 und 1959 und damals 30-jähriger „Heilung“ zu sprechen und
über das, was mir zum Psychose-Verständnis geholfen hatte, fanden
sie so spannend, dass schon im nächsten Wintersemester 1989/90
das universitäre Psychose-Seminar sieh zu einem Erfahrungs-Austausch
mit den eingeladenen Mitgliedern der Selbsthilfe- und Angehörigengruppen
wandelte. Damit begann die trialogische Psychiatrie in den sich
auch in der Schweiz und in Österreich verbreitenden „Psychose-Seminaren“.
Ohne die Psychiatrieerfahrenen als zentraler Gruppe in den rund
150 Psychose-Seminaren wäre das nicht möglich gewesen.
Wir saßen 1992 im Hörsaal der Hamburger Uni-Psychiatrie,
als Thomas Bock ans Telefon gerufen wurde. Der Präsident der „World
Association for Social Psychiatry“, Prof. Jorge Costa e Silva
in Brasilien war am Apparat. Als Thomas Bock zurückkam, hatte
er dem Präsidenten die von ihm gewünschte Ausrichtung des XIV.
Weltkongresses in Deutschland durch die „Deutsche Gesellschaft
für Soziale Psychiatrie“ (DGSP) nur unter der Bedingung zugesagt,
dass unser am 9. bis 11.Oktober 1992 gegründeter BPE und der „Bundesverband
der Angehörigen psychisch Kranker“ (BApK) gleichberechtigt in
den Weltkongress einbezogen werden würden. Das war dem Präsidenten
sehr ungewohnt, aber er hatte zugestimmt.
Zwei Jahre lang bereiteten wir diesen ersten
trialogischen Weltkongress gemeinsam vor. Er war zugleich der
erste psychiatrische Weltkongress in Deutschland nach dem Zweiten
Weltkrieg, als die deutsche Psychiatrie wegen ihrer Ausrottungsmaßnahmen
gegen uns das Vertrauen der ausländischen Psychiater verloren
hatte. Sein Motto: „Abschied von Babylon - Verständigung über
Grenzen in der Psychiatrie“. Der Turm von Babylon stand auf allen
Programmen und Plakaten als Symbol für die Sprachverwirrung -
Sprachlosigkeit wäre hier zutreffender - und die Entfremdung zwischen
Psychiatern und uns Betroffenen und den Angehörigen.
Vom 5, bis 10,Juni 1994 dauerte dieser Weltkongress
im Hamburger Congress-Centrum mit 3.200 Gästen aus 52 Ländern.
Der Aufbau des Programms mit den Verbrechen der Psychiatrie als
Auftakt für die Themen der folgenden Tage ließ die übliche psychiatrische
Überlegenheit uns Betroffenen gegenüber gar nicht erst aufkommen.
Der ganze Elan dieses ersten trialogischen Weltkongresses,
die selbst bewusste Einmischung von uns Psychose- und Depressionserfahrenen
in unseren Referaten, Erlebnisberichten, Diskussionsbeiträgen,
die uns viele Psychiater gar nicht zugetraut hatten, unsere Hoffnung,
dass diese neue Verständigung bleiben könnte, gaben dem Kongress
eine beschwingte Aufbruchstimmung. Dazu trug auch der künstlerische
Rahmen entscheidend bei. Die originellen Maskenspiele, die hinreißende
„Fast Faust“-Aufführung der Bremer Blaumeier-Gruppe, die ausdrucksstarke
Kunstausstellung Betroffener.
Die Nürnberger Malerin und BPE-Mitglied, Jutta
Jentges, hatte drei lange Fahnen in den Farben Blau, Gelb, Schwarz
und Weiß in der ihr eigenen Symbolik bemalt. Sie passten so genau
in die beiden größten Säle, als hätte sie diese vorher gekannt.
Der Präsident Costa e Silva sprach in seinen bewegten Schlussworten
vom „demokratischsten Kongress, den er je erlebt habe“. Andere
nannten ihn eine „Sternstunde der Psychiatrie“. Unserem „Bundesverband
Psychiatrie-Erfahrener e.V.“ wurde „THE 1994 MASSERMAN FOUNDATION
AWARD FOR CONTRIBUTIONS TO HUMAN UNDERSTANDINGS“ verliehen. -
„Das war der Kongress der Betroffenen“, titelte der folgende DGSP-Rundbrief.
Der Platz würde nicht reichen für alle erfolgreichen
Projekte unseres BPE, der Landesverbände und Selbsthilfegruppen.
Darum nur einige Stichworte:
1996 sammelt unser BPE 30.000 Unterschriften gegen die von der
Bio-Ethik-Konvention des Europarates geplante „fremdnützige medizinische
Forschung an ´nicht-einwilligungsfähigen Personen’“, Dazu schrieben
wir alle Adressen an, die uns notwendig erschienen: den Bundespräsidenten
Roman Herzog, einige Bundesminister, alle theologischen, erziehungswissenschaftlichen
und sozialpädagogischen Fakultäten deutscher Universitäten und
Hochschulen, alle evangelischen und katholischen Bischöfe, die
EKD-Ratsmitglieder, die 35 verantwortlichen Mitglieder des Zentralkomitees
der Deutschen Katholiken (ZDK), alle 360 Synodalen der Ev. Kirche,
denn beide Kirchenleitungen hatten schon ihre Zustimmung oder
Duldung der Unterzeichnung der Bio-Ethik-Konvention durch die
Bundesregierung signalisiert, die wir verhindern wollten. Als
letzter Versuch von unserer Seite, dessen Hintergrund unsere Betroffenheit
durch die NS-Psychiatrie war, ging ein offener Brief an die Bundestagspräsidentin
Frau Prof. Rita Süssmuth und an alle 672 Bundestagsabgeordneten
zusammen mit Dietrich Sattlers Artikel „Der Ungeist bricht sich
Bahn!“ (Das Sonntagsblatt, 20.9.1996). Wolfgang Heuer machte Tausende
Kopien, besorgte die Briefmarken, denn zur individuellen Ansprache
verschickten wir nur persönliche Briefe. Ich schrieb viele Tage
lang nur noch Adressen. Die ausgefüllten Unterschriften-Listen
gingen an Dr. Michael Wunder in der Ev. Stiftung Alsterdorf in
Hamburg. Er hatte diese Aktion mit 4.000 Unterzeichnern begonnen.
Viele BPE-Mitglieder schlossen sich der Unterschriften-Aktion
an. Einige initiierten in ihren Kirchengemeinden gut besuchte
Veranstaltungen Regen die Bio-Ethik-Konvention.
Als anschauliches Beispiel „fremdnütziger medizinischer Forschung“
an von Ärzten abhängigen PatientInnen legten wir meine 60-seitige
Broschüre mit den Antworten der Bundespolitiker zu Prof. Hanns
Hippius‘ Panikerzeugung durch Horrorvideos, Schlafentzug und überhitzte
Bäder an PatientInnen der Münchener Uni-Psychiatrie ein. Dr. Wolfgang
Schäuble hatte als damaliger Bundesinnenminister diese Patientenversuche
von 1986 bis 1990 zur Entwicklung paniklösender Substanzen für
den Kriegs- oder Katastrophenfall mit 280.000,- DM jährlich finanziert.
Auf unseren Protest hatte Bundespräsident Richard v. Weizsäcker
diese Versuche beenden lassen, die Prof. Hippius dem Gesundheitsministerium
gegenüber als „Therapie-“ ausgegeben hatte. Über 1.000 mal ist
diese Broschüre an wichtige Adressaten gegangen.
Ruth Fricke gründete nicht nur das „BPE-Kulturnetzwerk“,
sie erreichte im letzten Jahr auch nach dreijährigen Verhandlungen
die Gedenkstunde für die 350 bis 400.000 Zwangssterilisierten
und für die 220.000 in deutschen Anstalten ermordeten Menschen
in der Berliner Tiergartenstraße 4. Sie soll fortan alljährlich
dort stattfinden.
Einige Berliner BPE-ler sind am Gedenkraum der
Charite beteiligt, die am 26.Juni 2008 von 11.00 bis 12.00 Uhr
eingeweiht wird.
Die Bielefelder BPE-ler erreichten nicht nur
die „Behandlungsvereinbarung“, sondern im Juni 2000 auch eine
Erinnerung an die in Bethel und in anderen ev. kirchlichen Anstalten
besonders rigoros Zwangssterilisierten. Bethel hatte seit 1961
nur den ärztlichen Haupttäter im „Richard-Wilmanns-Weg“ geehrt.
Die Erinnerung an diese Verbrechen ist notwendig, weil sie sich
ohne sie wiederholen werden, wenn immer weniger Arbeitende für
immer mehr alte und behinderte Menschen sorgen müssen.
Lieber Achim, Du schreibst:
„Was mögen Berufsexperten, Politiker, Medienleute, mit denen wir
zu tun haben oder gar verhandeln, denken über uns: Ach Gott, ein
seichtes Windchen, frei schwebend?“
Um mit unserer BPE-Geschichte vertraut zu machen,
sollten wir eine Broschüre mit allen unseren Aktionen - auch der
Landesverbände und Selbsthilfegruppen - herausgeben.
Warum
sind wir so erfolglos? (BPE-Rundbrief 1/2008)
Antwort von Heidi Höhn
Beim Lesen dieses Artikels dachte ich nur: Wer
ist Achim Schultz? Wo lebt denn der !
Die Antwort hatte ich schnell: Er arbeitet im Bereich der Psychiatrie,
das Bürschchen.
Dann habe ich den Artikel nur überlesen. Er ging überhaupt nicht
an mich.
Wie einseitig tischt er Zahlen auf. Die Gesamtheit
der be- oder mißhandelten Menschen und die Zahl der aktiven BPE-Mitglieder
stellt er gegenüber. Er vergisst, dass hinter jedem aktiven BPE-Mitglied
jeweils Landesverband oder eine ganze Gruppe steht und dahinter
alle Betroffenen in einer Region, die oft im völligen Abseits
lebenden zu einem Nichts verkümmernden Menschen, die es nicht
mehr schaffen, auch nur irgendwo aktiv zu werden. Fragt mal nach
wie manche Selbsthilfetreffen seit Jahren ablaufen.
Die Probleme dieser Menschen sind kein Tabu für
uns an der Basis. Wir wissen um die Probleme der Betroffenen und
deren Angehörigen. Es ist eine traurige Tatsache, dass oft noch
nicht einmal die Angehörigen imstande sind, zu begreifen, was
es heißt psychisch krank zu sein. Ja selbst in der Gruppe der
Betroffenen ist immer wieder untereinander das völlige Unverständnis,
das sich äußert in den Worten : „Warum schafft der nichts, warum
frist der so viel, warum geht der so langsam, warum raucht der
so viel, warum ist die so dürr, warum sagt der nichts, warum wäscht
der sich nicht, warum kümmert der sich nicht um seine Familie
usw. Wir an der Basis spüren zudem die unverändert feindselige
Haltung der Leute, die scheinbar funktionieren und die von seelischen
Blockaden überhaupt gar nichts wissen wollen. Es fehlt an Aufklärung.
Eine Handarbeitsgruppe unseres Seniorenkulturkreises
fördert unsere Selbsthilfearbeit im Lehenshof. Mal sind es 300
€, mal 150 €. Sie würden das Geld lieber an Bärenherz oder die
Kinderdörfer geben. Zwei unserer Gruppenmitglieder verkaufen jedoch
bei unseren Märkten die Produkte dieser Handarbeitsgruppe. Das
geht seit Jahren so. Immer gibt es bei den alten Damen Diskussionen,
warum ein Teil des Geldes an uns gehen soll. „Mer waas es net,
mer munkelt nur“. Vor ein paar Wochen war nun eine der Handarbeitsfrauen
bei uns und suchte während eines Hofmarktes das Gespräch mit mir.
Sie kam begeistert zurück in ihren Kreis „Die sehn ja ganz normal
aus - die schaffe was - alles nette Leut“.
Der BPE-Rundbrief
Für mich Information pur. Mein Krimi, Labsal und Mutmacher. Echtes
- anstelle von professionellem - Bemühen. Es gibt hier in Hessen
ein überregionales buntes Kirchenblatt, das sich ECHT nennt. Ich
zerreiße es regelmäßig, dieses verlogene Geschwafel.
Die Abwesenheit des BPE in psychiatrischen
Kliniken.
Übertragen auf die Basis: Warum arbeiten die Kliniken nicht mit
uns zusammen? Warum sind wir im hiesigen Psychiatriekonzept überhaupt
nicht vorhanden? WEIL DIE UNS NICHT HABEN WOLLEN. Als Patientenanwälte,
die wir vor 10 Jahren hier in Wiesbaden waren (dotiert mit 1000
DM/Monat), bekamen wir Klinikverweis oder konnten unsere Sektorklinik,
die wir alle von innen schon längst kannten, in unserer „amtlichen
Funktion“ nur mit einer Eskorte von Klinikpersonal besuchen. Die
erste und einzige Beschwerde, die in unserer damaligen Beschwerdestelle
einging, war die Beschwerde eines völlig aufgelösten Klinikdirektors
über uns!
Die BPE-Zielgruppe
Ich bin NICHT dafür, unsere Fixierung auf die Psychiatrie sein
zu lassen. WIR HABEN KEINE LOBBY! Pharmaindustrie und eine große
Zahl von Profis und Fachverbänden bereichern sich an unserem Elend
und leben davon nicht schlecht. Gebessert hat sich in den letzten
Jahren NICHTS!
Ich bin dafür, die Selbsthilfe zu stärken. Ich
möchte an jedem Kirchturm einen offenen kulturellen Treffpunkt,
der von Betroffenen und für Betroffene geführt wird. So etwas
wie die Offene Herberge. Ich möchte mir dabei meine Profis, die
mitarbeiten, selbst aussuchen. Das wären in dieser Reihenfolge:
Köche, Putzfrauen, Theaterpädagogen, Kunstpädagogen, Musiker und
vielleicht auch eine Sozialpädagogen und eine Arzt. Meine Konzeptgedanken
finden sich wieder auf allerhöchster Ebene im Familienministerium
in Berlin unter „Mehrgenerationenhäuser“ im Internet.
Was glaubt dieser Achim Schultz über die Auseinandersetzungen
im BPE-Vorstand zu wissen? Die machen das schon ganz gut! Sie
arbeiten unter allerschwierigsten Umständen.
Kein Geld, räumlich getrennt, unterschiedlich betroffen. Ich möchte
behaupten: BESSER GEHT’S NICHT!
Und was für ein Quatsch. “Jedes Mitglied mehr
verbessert unsere Chance“. Wenn das so einfach wäre. In unserem
Verein vor Ort sind wir 12 Leute. Mehr wollen wir gar nicht. Die
Besserwisser, die später eingestiegen sind, waren ganz schnell
wieder weg. Um uns herum sind jedoch 100 mehr oder weniger Aktive.
Im LvPEH und im BPE zählt jedes wirklich engagierte
Mitglied doppelt und dreifach. Es dauert oft ein Weilchen, bis
jemand beitritt. Wenn er das dann aber tut, ist das ein echter
Zugewinn.
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