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 Rundbrief
Ausgabe 2/2008

Erfolglos sind wir nicht
(Zu Achim Schultz: „Warum sind wir so erfolglos?“von Dorothea Buck)

Lieber Achim, ich beschränke mich in meiner Antwort auf den Anfang Deines Beitrags. Du misst unseren in Deinen Augen fehlenden Erfolg an den nur 1.100 BPE-Mitgliedern. Du schreibst:
„Wollte man die zahlenmäßige Größe unseres Verbandes ins richtige Licht rücken, müsste man zu den Stationären noch diejenigen hinzuzählen, die ambulant behandelt werden, sowie diedenigen in stationärer und ambulanter Psychosomatik, sowie diejenigen bei Allgemeinärzten und Internisten, sowie diejenigen in Gefängnissen, sowie diejenigen ohne Obdach, sowie diejenigen in Selbsthilfe, die nie behandelt wurden und auch nicht behandelt werden wollen. Die Peinlichkeit, das alles zusammenzuzählen, erspare ich mir; auch so kommt dabei heraus, dass der BPE ein verschwindender Winzling ist. - Wie kommt es, dass die Geschichte des BPE, gemessen an der Zahl seiner Mitglieder und der Zahl behandelter Patienten, eine Geschichte des Misserfolges ist?“
Als Selbsthilfebewegung Psychiatrie-Erfahrener können wir auch nur für die in der Psychiatrie, nicht für die in der Psychosomatik und für die in Gefängnissen Erfahrenen sprechen. Es ging uns auch nicht um eine möglichst große Zahl von BPE-Mitgliedern, sondern wir wollten die völlig gesprächslose, und heute immer noch gesprächsarme Psychiatrie und ihr Dogma der nicht seelisch, sondern erblich verursachten sinnlosen Hirnstoffwechselstörung verändern, Siehe unser BPE-Faltblatt von 1992: „Wir fordern eine subjektorientierte Psychiatrie, die von unseren Erfahrungen und von unserem Erleben im Zusammenh9ng mit unserer Lebensgeschichte ausgeht, die Dialog und Hilfe zur Verarbeitung der Inhalte der Psychosen und Depressionen anbietet und unsere Bedürfnisse berücksichtigt“.

Die noch heute von den dominierenden biologischen Psychiatern seit Emil Kraepelin (1856-1926) vertretene Auffassung: „Psychosen stellen einen ganz und Rar sinnlosen und zufälligen Vorgang dar, der Hirnstoffwechsel entgleist ohne einen Bezug zum Erleben. Die Symptome zu hinterfragen, ist sinnlos und schädlich!“ hatte zu den Zwangssterilisationen gegen uns als „Minderwertigen“ und zu den psychiatrischen Morden an ca. 220.000 deutschen „lebensunwerten“ Menschen geführt, Das bis heute öffentliche Schweigen zu diesen Verbrechen hat einen grundlegenden Wandel der heutigen auch unter Zwang und Fesseln medikamentös nur bekämpfenden Psychiatrie verhindert, Mit dem von Psychiatern als „unheilbar“ selbst geschaffenen Stigma können sich ohne Bedenken nur existentiell Unabhängige wie Frührentner, oder solche Psychiatrie-Betroffenen unserem BPE anschließen, die das psychiatrische Vorurteil durch ihre selbst gewonnene Heilung widerlegen.

Auf diese rigorosen Ausrottungsmaßnahmen gegen uns und die, bis heute verweigerte Hilfe zum Psychose- und Selbstverständnis wäre die „Antipsychiatrische“ Antwort, die Matthias Seibt und Elke Bücher in unserem BPE vertreten, nur natürlich. Aber sie verändert die Psychiatrie nicht, sondern zementiert nur die gegensätzlichen Fronten. Längst hätten die sofortigen Gespräche mit den als „schizophren“ Diagnostizierten und ihren Angehörigen, wie sie seit weit über 30 Jahren in der „Bedürfnisangepassten Behandlung“ des finnischen Professors Yrjö Alanen in Teilen Skandinaviens zu soviel besseren Ergebnissen als die medikamentöse Verdrängung führten, auch für unsere deutschen Psychiater verbindlich sein müssen. - Den Weg unseres BPE sehe ich nicht wie Matthias und Elke in der Verweigerung von Profi-Kontakten, sondern darin, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie zu überzeugen, wenn sie denn dazu bereit sind.

Gegen Deinen quantitativen Maßstab der BPE-Mitgliederzahl als Erfolg setze ich nun den Maßstab der Qualität einiger unserer erfolgreichen Projekte.
Unser BPE Erfolg begann mit dem ersten Hamburger „Psychose-Seminar“ im WS 1989/90, aus dem 1990 unsere „Hamburger Initiative Bundesverband ... Erfahrener“ hervorging. Eigentlich gehört das Trialog-Konzept: Der Erfahrungs-Austausch zwischen uns Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen und Fachleuten der verschiedenen, in der Psychiatrie tätigen Berufsgruppen auch schon zu unserem Erfolg. Denn ich hatte den Erfahrungsaustausch dieser drei Gruppen in meinem „Antrag auf einen ‚Arbeitskreis für mehr Mitbestimmung Betroffener in der Psychiatrie‘“ am 8.Juni 1988 an die damalige Bundesgesundheitsministerin Frau Rita Süssmuth geschickt. Dazu kam es, weil Prof. Klaus Dörner seit 1984 an die Bundesregierung und an viele Andere geschrieben hatte, um sie davon zu überzeugen, dass es ohne eine Rehabilitierung durch eine Entschädigung von uns als „minderwertig“ Zwangssterilisierten und der als „lebensunwert“ Überlebenden der psychiatrischen Tötungsanstalten im NS-Regime keine Psychiatrie-Reform geben könne.

Seine Briefe erreichten nach drei Jahren die erste und einzige Anhörung von uns Zwangssterilisierten und der „Euthanasie“-Überlebenden am 24.Juni 1987 vor dem Innenausschuß des Deutschen Bundestages in Bonn. Die damals anwesende Behinderten-Beauftragte des BGM, Frau Vogel, schlug mir auf meine Kritik an der völlig gesprächslosen und heute immer noch gesprächsarmen Psychiatrie vor: Meine Vorstellungen einer verständigeren und menschlicheren Psychiatrie für das BGM aufzuschreiben. Zum ersten Mal wollte jemand von der Profi-Seite wissen, wie wir die Psychose erleben und verstehen, welchen Sinn sie für uns haben kann, und welche Hilfen notwendig wären.

Fast ein Jahr lang arbeitete ich an meinem Antrag, den ich auf 22 Seiten auf unserem „ak 71“ - Briefpapier (aktionskreis 71, hamburger Selbsthilfegruppe seit 1971) am 8.Juni 1988 an Frau Süssmuth und an 8 mir bekannte in der Psychiatrie Arbeitende schickte, auf deren Teilnahme am trialogischen Arbeitskreis für mehr Mitbestimmung Betroffener in der Psychiatrie einmal im Monat im Bundesgesundheitsministerium ich hoffte. (In „Lasst Euch nicht entmutigen“ im Anne Fischer Verlag/Norderstedt und Leipziger Universitätsverlag, 2002).

Da Prof. Klaus Dörner meinen Antrag bei Frau Süssmuth befürwortet hatte, erhielt er auch eine Kopie der Absage des BGM mit dem Vorschlag: „einen Arbeitskreis der vorgeschlagenen Art vor Ort einzurichten“, - Klaus Dörner schlug Thomas Bock vor, Kontakt zu mir aufzunehmen. Als Dipl.-Psychologe bot Dr. Thomas Bock damals in der Hamburger Uni-Psychiatrie ein Psychose-Seminar für Berufstätige und Studierende an. Er lud mich zu einem ihrer Treffen im Sommersemester 1989 ein.

Nicht ü b e r psychotische Menschen, sondern m i t mir als „schizophren“ Diagnostizierter nach 3 Schüben zwischen 1936 und 1959 und damals 30-jähriger „Heilung“ zu sprechen und über das, was mir zum Psychose-Verständnis geholfen hatte, fanden sie so spannend, dass schon im nächsten Wintersemester 1989/90 das universitäre Psychose-Seminar sieh zu einem Erfahrungs-Austausch mit den eingeladenen Mitgliedern der Selbsthilfe- und Angehörigengruppen wandelte. Damit begann die trialogische Psychiatrie in den sich auch in der Schweiz und in Österreich verbreitenden „Psychose-Seminaren“. Ohne die Psychiatrieerfahrenen als zentraler Gruppe in den rund 150 Psychose-Seminaren wäre das nicht möglich gewesen.

Wir saßen 1992 im Hörsaal der Hamburger Uni-Psychiatrie, als Thomas Bock ans Telefon gerufen wurde. Der Präsident der „World Association for Social Psychiatry“, Prof. Jorge Costa e Silva in Brasilien war am Apparat. Als Thomas Bock zurückkam, hatte er dem Präsidenten die von ihm gewünschte Ausrichtung des XIV. Weltkongresses in Deutschland durch die „Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie“ (DGSP) nur unter der Bedingung zugesagt, dass unser am 9. bis 11.Oktober 1992 gegründeter BPE und der „Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker“ (BApK) gleichberechtigt in den Weltkongress einbezogen werden würden. Das war dem Präsidenten sehr ungewohnt, aber er hatte zugestimmt.

Zwei Jahre lang bereiteten wir diesen ersten trialogischen Weltkongress gemeinsam vor. Er war zugleich der erste psychiatrische Weltkongress in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, als die deutsche Psychiatrie wegen ihrer Ausrottungsmaßnahmen gegen uns das Vertrauen der ausländischen Psychiater verloren hatte. Sein Motto: „Abschied von Babylon - Verständigung über Grenzen in der Psychiatrie“. Der Turm von Babylon stand auf allen Programmen und Plakaten als Symbol für die Sprachverwirrung - Sprachlosigkeit wäre hier zutreffender - und die Entfremdung zwischen Psychiatern und uns Betroffenen und den Angehörigen.

Vom 5, bis 10,Juni 1994 dauerte dieser Weltkongress im Hamburger Congress-Centrum mit 3.200 Gästen aus 52 Ländern. Der Aufbau des Programms mit den Verbrechen der Psychiatrie als Auftakt für die Themen der folgenden Tage ließ die übliche psychiatrische Überlegenheit uns Betroffenen gegenüber gar nicht erst aufkommen.

Der ganze Elan dieses ersten trialogischen Weltkongresses, die selbst bewusste Einmischung von uns Psychose- und Depressionserfahrenen in unseren Referaten, Erlebnisberichten, Diskussionsbeiträgen, die uns viele Psychiater gar nicht zugetraut hatten, unsere Hoffnung, dass diese neue Verständigung bleiben könnte, gaben dem Kongress eine beschwingte Aufbruchstimmung. Dazu trug auch der künstlerische Rahmen entscheidend bei. Die originellen Maskenspiele, die hinreißende „Fast Faust“-Aufführung der Bremer Blaumeier-Gruppe, die ausdrucksstarke Kunstausstellung Betroffener.

Die Nürnberger Malerin und BPE-Mitglied, Jutta Jentges, hatte drei lange Fahnen in den Farben Blau, Gelb, Schwarz und Weiß in der ihr eigenen Symbolik bemalt. Sie passten so genau in die beiden größten Säle, als hätte sie diese vorher gekannt. Der Präsident Costa e Silva sprach in seinen bewegten Schlussworten vom „demokratischsten Kongress, den er je erlebt habe“. Andere nannten ihn eine „Sternstunde der Psychiatrie“. Unserem „Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.“ wurde „THE 1994 MASSERMAN FOUNDATION AWARD FOR CONTRIBUTIONS TO HUMAN UNDERSTANDINGS“ verliehen. - „Das war der Kongress der Betroffenen“, titelte der folgende DGSP-Rundbrief.

Der Platz würde nicht reichen für alle erfolgreichen Projekte unseres BPE, der Landesverbände und Selbsthilfegruppen. Darum nur einige Stichworte:
1996 sammelt unser BPE 30.000 Unterschriften gegen die von der Bio-Ethik-Konvention des Europarates geplante „fremdnützige medizinische Forschung an ´nicht-einwilligungsfähigen Personen’“, Dazu schrieben wir alle Adressen an, die uns notwendig erschienen: den Bundespräsidenten Roman Herzog, einige Bundesminister, alle theologischen, erziehungswissenschaftlichen und sozialpädagogischen Fakultäten deutscher Universitäten und Hochschulen, alle evangelischen und katholischen Bischöfe, die EKD-Ratsmitglieder, die 35 verantwortlichen Mitglieder des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZDK), alle 360 Synodalen der Ev. Kirche, denn beide Kirchenleitungen hatten schon ihre Zustimmung oder Duldung der Unterzeichnung der Bio-Ethik-Konvention durch die Bundesregierung signalisiert, die wir verhindern wollten. Als letzter Versuch von unserer Seite, dessen Hintergrund unsere Betroffenheit durch die NS-Psychiatrie war, ging ein offener Brief an die Bundestagspräsidentin Frau Prof. Rita Süssmuth und an alle 672 Bundestagsabgeordneten zusammen mit Dietrich Sattlers Artikel „Der Ungeist bricht sich Bahn!“ (Das Sonntagsblatt, 20.9.1996). Wolfgang Heuer machte Tausende Kopien, besorgte die Briefmarken, denn zur individuellen Ansprache verschickten wir nur persönliche Briefe. Ich schrieb viele Tage lang nur noch Adressen. Die ausgefüllten Unterschriften-Listen gingen an Dr. Michael Wunder in der Ev. Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Er hatte diese Aktion mit 4.000 Unterzeichnern begonnen. Viele BPE-Mitglieder schlossen sich der Unterschriften-Aktion an. Einige initiierten in ihren Kirchengemeinden gut besuchte Veranstaltungen Regen die Bio-Ethik-Konvention.
Als anschauliches Beispiel „fremdnütziger medizinischer Forschung“ an von Ärzten abhängigen PatientInnen legten wir meine 60-seitige Broschüre mit den Antworten der Bundespolitiker zu Prof. Hanns Hippius‘ Panikerzeugung durch Horrorvideos, Schlafentzug und überhitzte Bäder an PatientInnen der Münchener Uni-Psychiatrie ein. Dr. Wolfgang Schäuble hatte als damaliger Bundesinnenminister diese Patientenversuche von 1986 bis 1990 zur Entwicklung paniklösender Substanzen für den Kriegs- oder Katastrophenfall mit 280.000,- DM jährlich finanziert. Auf unseren Protest hatte Bundespräsident Richard v. Weizsäcker diese Versuche beenden lassen, die Prof. Hippius dem Gesundheitsministerium gegenüber als „Therapie-“ ausgegeben hatte. Über 1.000 mal ist diese Broschüre an wichtige Adressaten gegangen.

Ruth Fricke gründete nicht nur das „BPE-Kulturnetzwerk“, sie erreichte im letzten Jahr auch nach dreijährigen Verhandlungen die Gedenkstunde für die 350 bis 400.000 Zwangssterilisierten und für die 220.000 in deutschen Anstalten ermordeten Menschen in der Berliner Tiergartenstraße 4. Sie soll fortan alljährlich dort stattfinden.

Einige Berliner BPE-ler sind am Gedenkraum der Charite beteiligt, die am 26.Juni 2008 von 11.00 bis 12.00 Uhr eingeweiht wird.

Die Bielefelder BPE-ler erreichten nicht nur die „Behandlungsvereinbarung“, sondern im Juni 2000 auch eine Erinnerung an die in Bethel und in anderen ev. kirchlichen Anstalten besonders rigoros Zwangssterilisierten. Bethel hatte seit 1961 nur den ärztlichen Haupttäter im „Richard-Wilmanns-Weg“ geehrt. Die Erinnerung an diese Verbrechen ist notwendig, weil sie sich ohne sie wiederholen werden, wenn immer weniger Arbeitende für immer mehr alte und behinderte Menschen sorgen müssen.

Lieber Achim, Du schreibst:
„Was mögen Berufsexperten, Politiker, Medienleute, mit denen wir zu tun haben oder gar verhandeln, denken über uns: Ach Gott, ein seichtes Windchen, frei schwebend?“

Um mit unserer BPE-Geschichte vertraut zu machen, sollten wir eine Broschüre mit allen unseren Aktionen - auch der Landesverbände und Selbsthilfegruppen - herausgeben.


Warum sind wir so erfolglos? (BPE-Rundbrief 1/2008)
Antwort von Heidi Höhn

Beim Lesen dieses Artikels dachte ich nur: Wer ist Achim Schultz? Wo lebt denn der !
Die Antwort hatte ich schnell: Er arbeitet im Bereich der Psychiatrie, das Bürschchen.
Dann habe ich den Artikel nur überlesen. Er ging überhaupt nicht an mich.

Wie einseitig tischt er Zahlen auf. Die Gesamtheit der be- oder mißhandelten Menschen und die Zahl der aktiven BPE-Mitglieder stellt er gegenüber. Er vergisst, dass hinter jedem aktiven BPE-Mitglied jeweils Landesverband oder eine ganze Gruppe steht und dahinter alle Betroffenen in einer Region, die oft im völligen Abseits lebenden zu einem Nichts verkümmernden Menschen, die es nicht mehr schaffen, auch nur irgendwo aktiv zu werden. Fragt mal nach wie manche Selbsthilfetreffen seit Jahren ablaufen.

Die Probleme dieser Menschen sind kein Tabu für uns an der Basis. Wir wissen um die Probleme der Betroffenen und deren Angehörigen. Es ist eine traurige Tatsache, dass oft noch nicht einmal die Angehörigen imstande sind, zu begreifen, was es heißt psychisch krank zu sein. Ja selbst in der Gruppe der Betroffenen ist immer wieder untereinander das völlige Unverständnis, das sich äußert in den Worten : „Warum schafft der nichts, warum frist der so viel, warum geht der so langsam, warum raucht der so viel, warum ist die so dürr, warum sagt der nichts, warum wäscht der sich nicht, warum kümmert der sich nicht um seine Familie usw. Wir an der Basis spüren zudem die unverändert feindselige Haltung der Leute, die scheinbar funktionieren und die von seelischen Blockaden überhaupt gar nichts wissen wollen. Es fehlt an Aufklärung.

Eine Handarbeitsgruppe unseres Seniorenkulturkreises fördert unsere Selbsthilfearbeit im Lehenshof. Mal sind es 300 €, mal 150 €. Sie würden das Geld lieber an Bärenherz oder die Kinderdörfer geben. Zwei unserer Gruppenmitglieder verkaufen jedoch bei unseren Märkten die Produkte dieser Handarbeitsgruppe. Das geht seit Jahren so. Immer gibt es bei den alten Damen Diskussionen, warum ein Teil des Geldes an uns gehen soll. „Mer waas es net, mer munkelt nur“. Vor ein paar Wochen war nun eine der Handarbeitsfrauen bei uns und suchte während eines Hofmarktes das Gespräch mit mir. Sie kam begeistert zurück in ihren Kreis „Die sehn ja ganz normal aus - die schaffe was - alles nette Leut“.

Der BPE-Rundbrief
Für mich Information pur. Mein Krimi, Labsal und Mutmacher. Echtes - anstelle von professionellem - Bemühen. Es gibt hier in Hessen ein überregionales buntes Kirchenblatt, das sich ECHT nennt. Ich zerreiße es regelmäßig, dieses verlogene Geschwafel.

Die Abwesenheit des BPE in psychiatrischen Kliniken.
Übertragen auf die Basis: Warum arbeiten die Kliniken nicht mit uns zusammen? Warum sind wir im hiesigen Psychiatriekonzept überhaupt nicht vorhanden? WEIL DIE UNS NICHT HABEN WOLLEN. Als Patientenanwälte, die wir vor 10 Jahren hier in Wiesbaden waren (dotiert mit 1000 DM/Monat), bekamen wir Klinikverweis oder konnten unsere Sektorklinik, die wir alle von innen schon längst kannten, in unserer „amtlichen Funktion“ nur mit einer Eskorte von Klinikpersonal besuchen. Die erste und einzige Beschwerde, die in unserer damaligen Beschwerdestelle einging, war die Beschwerde eines völlig aufgelösten Klinikdirektors über uns!

Die BPE-Zielgruppe
Ich bin NICHT dafür, unsere Fixierung auf die Psychiatrie sein zu lassen. WIR HABEN KEINE LOBBY! Pharmaindustrie und eine große Zahl von Profis und Fachverbänden bereichern sich an unserem Elend und leben davon nicht schlecht. Gebessert hat sich in den letzten Jahren NICHTS!

Ich bin dafür, die Selbsthilfe zu stärken. Ich möchte an jedem Kirchturm einen offenen kulturellen Treffpunkt, der von Betroffenen und für Betroffene geführt wird. So etwas wie die Offene Herberge. Ich möchte mir dabei meine Profis, die mitarbeiten, selbst aussuchen. Das wären in dieser Reihenfolge: Köche, Putzfrauen, Theaterpädagogen, Kunstpädagogen, Musiker und vielleicht auch eine Sozialpädagogen und eine Arzt. Meine Konzeptgedanken finden sich wieder auf allerhöchster Ebene im Familienministerium in Berlin unter „Mehrgenerationenhäuser“ im Internet.

Was glaubt dieser Achim Schultz über die Auseinandersetzungen im BPE-Vorstand zu wissen? Die machen das schon ganz gut! Sie arbeiten unter allerschwierigsten Umständen.
Kein Geld, räumlich getrennt, unterschiedlich betroffen. Ich möchte behaupten: BESSER GEHT’S NICHT!

Und was für ein Quatsch. “Jedes Mitglied mehr verbessert unsere Chance“. Wenn das so einfach wäre. In unserem Verein vor Ort sind wir 12 Leute. Mehr wollen wir gar nicht. Die Besserwisser, die später eingestiegen sind, waren ganz schnell wieder weg. Um uns herum sind jedoch 100 mehr oder weniger Aktive.

Im LvPEH und im BPE zählt jedes wirklich engagierte Mitglied doppelt und dreifach. Es dauert oft ein Weilchen, bis jemand beitritt. Wenn er das dann aber tut, ist das ein echter Zugewinn.

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