|
Der
größte Schatz
Von Martin Pflaum
Wir kommen auf die Welt, wie. Wir wollen uns
so wenig wie möglich von anderen unterscheiden. Was ist das Entscheidende
für ein gutes Leben? Ein normales Leben. Was ist wichtig dafür?
Menschen wollen gesund leben. Dazu gehören Familie mit Kindern,
Erziehung, Bildung. Es ist uns jetzt bewusst geworden, dass bei
aller Normalität unsere Kinder besonderer Beachtung bedürfen.
Das heißt aber nicht, dass wir uns im konkreten Fall nicht Gedanken
um unseren größten Schatz gemacht hatten. Wenn wir die Schule
abgeschlossen hatten, einen Beruf ergreifen konnten - ob mit oder
ohne, seelische Beschwerden wünschen wir uns eine Frau einen Mann
dazu natürlich eigenen Nachwuchs. Trotz dieses Manko´s entschieden
wir uns für Kinder- trotz der Bedrohung - dass wir GENETISCHE
FEHLER weiter geben?! Und es war und ist nicht leicht. Das heißt,
dass wir immer schon unserer Verantwortung bewusst waren.
Um so mehr die Verwunderung: Es wird eine Veranstaltung organisiert
- richtiger weise - die sich des Problems annimmt: Kinder in Familien
mit seelischen Beschwerden. Und WIR, die zu aller erst dafür verantwortlich,
finden keinerlei Beachtung bei der Organisation dieses Forums.
Viel mehr selbst bei konkreten inhaltlichen Festlegungen/Abstimmungen
wurden wir überhaupt nicht beachtet, angesprochen. Dankenswerter
weise viel das Dagmar auf. Sie intervenierte und protestierte
deutlich, hartnäckig. Dagmar forderte nicht nur, dass wir dabei
sind sondern entsprechend unserer Bedeutung! Ruth reagierte schnell
und setzte neben Dagmars Vortrag im Plenum eine Arbeitsgruppe
unter Federführung der psychiatrie-erfahrenen Eltern durch. Es
war sehr kurzfristig für uns. Unsere schnelle Zustimmung und Mitarbeit
beweißt, dass es uns nicht nur um Kritik bei der doch wieder althergebrachten
Abhandlung geht. Wir sind hauptsächlich dankbar, dass dieser gesellschaftlich
überaus dringend Aspekt die Mitte unserer Gesellschaft erreicht
und getragen wird.
Schwerpunkt-Vortrag war Analyse eines Profis zu den Zuständen
in solchen Familien!! Sicher viele bedenkenswerte Fakten. Aber
eigentlich die meisten, die in anderen Familien ohne psychischen
Hintergrund auch auftreten. Probleme die in sozialen Familien
in so schlechten Zeiten gehäufter auftreten.
In einem Einleitungsvortrag sprach Wiebke Scherer, Tochter einer
psychisch kranken Mutter über ihre schwere Kindheit. Ohne Zweifel
für sie, für manch andere Kinder eine unerträgliche Belastung.
Schwierigkeiten mit denen jedes Kind überfordert ist, Unregelmäßigkeiten
im Tagesablauf, nicht erfassbare Gefühlsschwankungen der Mutter,
fehlende Wärme... Aber man darf nicht alle Probleme seines Lebens
auf die Mutter abwälzen.
Dagmar Barteld-Paczkowski vom geschäftsführenden Vorstand des
BPE schilderte anschließend aus der Sicht der Betroffenen Mutter,
dass Mütter durchaus erfassen, viel mehr fühlen, wie schwer die
seelischen Tiefpunkte unseren Kindern zusetzen.
Es wurden andere noch Vorträge zum Thema gehalten. Die eigentliche
praktische Arbeit fand in den Arbeitsgruppen statt. Es waren ja
vor allem Sozialarbeiter zur Tagung erschienen, die mit all den
Problemen berufsmäßig konfrontiert werden. Sie haben die ehrliche
Absicht, den Müttern helfen zu wollen. Damit sie trotz ihrer Schwierigkeiten
ihre Kinder aufziehen können. Die Kinder sind in den allermeisten
Fällen in den Familien am besten aufgehoben. Es gibt viele Beispiele,
dass sie diesen Familien genauso glücklich aufwachsen, dass es
passiert, dass durch eine familiäre Verarbeitung des Problems
ein sehr reifer wertvoller Mensch in ihr heranwächst.
Ich berichte nur von unserem Workshop:
„Ohne viel Worte - Psychiatrieerfahrene Eltern berichten“
Im Gegenteil wir berichteten sehr ausführlich: Anfangs über uns,
unser eigenes Leben. Dagmar hat drei Kinder groß gezogen. Auch
als es ihr schlecht ging durch aus sich ihrer Verantwortung bewusst.
Magdalena vier Kinder erzogen. Sie studieren bzw. erlernen einen
Beruf. Mir war neben dem ähnlichen Erleben besonders wichtig zu
erwähnen, dass es zumindest in meinem Fall durch weg falsch ist
zu äußern, dass wir uns der schwere unserer Situation nicht bewusst
wären. Mich hat der Fakt, ein psychisches Leiden vererben zu können,
damals sehr belastet. Meine Frau nicht weniger. Was wussten wir?
Und diese Drohkullise! Wir sind froh, dass wir uns doch für Kinder
entschieden hatten, Aber leicht hatten wir es uns nie gemacht!
Es war für uns drei angenehm, dass Interesse im Workshop zu verspüren.
Vor allem Frauen stellten konkrete Fragen: Wie sie zum Beispiel
Familien erreichen, denen es im Moment gut geht? Wie man vor allem
werdenden Müttern ihre Ängste nehmen kann, Ihnen zur Seite steht...
Wir PE´s fühlten uns hier wirklich als Experten. Als bei mehreren
Einschätzungen zum Wert des Treffens geäußert wurde: „Ich muss
diese unbekannten Informationen erst mal sacken lassen. Ich muss
sie verarbeiten.. Ist für uns eine aufrichtige Antwort, ohne Schmuß.
Wir waren froh, an der Tagung teilnehmen zu können. Es spätestens
jetzt zu einem Schwerpunkt unserer langfristigen Arbeit wurde.
Aber auch als Ansprechpartner in konkreten Notsituationen.
|