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 Rundbrief
Ausgabe 2/2008

Der größte Schatz
Von Martin Pflaum

Wir kommen auf die Welt, wie. Wir wollen uns so wenig wie möglich von anderen unterscheiden. Was ist das Entscheidende für ein gutes Leben? Ein normales Leben. Was ist wichtig dafür? Menschen wollen gesund leben. Dazu gehören Familie mit Kindern, Erziehung, Bildung. Es ist uns jetzt bewusst geworden, dass bei aller Normalität unsere Kinder besonderer Beachtung bedürfen. Das heißt aber nicht, dass wir uns im konkreten Fall nicht Gedanken um unseren größten Schatz gemacht hatten. Wenn wir die Schule abgeschlossen hatten, einen Beruf ergreifen konnten - ob mit oder ohne, seelische Beschwerden wünschen wir uns eine Frau einen Mann dazu natürlich eigenen Nachwuchs. Trotz dieses Manko´s entschieden wir uns für Kinder- trotz der Bedrohung - dass wir GENETISCHE FEHLER weiter geben?! Und es war und ist nicht leicht. Das heißt, dass wir immer schon unserer Verantwortung bewusst waren.
Um so mehr die Verwunderung: Es wird eine Veranstaltung organisiert - richtiger weise - die sich des Problems annimmt: Kinder in Familien mit seelischen Beschwerden. Und WIR, die zu aller erst dafür verantwortlich, finden keinerlei Beachtung bei der Organisation dieses Forums. Viel mehr selbst bei konkreten inhaltlichen Festlegungen/Abstimmungen wurden wir überhaupt nicht beachtet, angesprochen. Dankenswerter weise viel das Dagmar auf. Sie intervenierte und protestierte deutlich, hartnäckig. Dagmar forderte nicht nur, dass wir dabei sind sondern entsprechend unserer Bedeutung! Ruth reagierte schnell und setzte neben Dagmars Vortrag im Plenum eine Arbeitsgruppe unter Federführung der psychiatrie-erfahrenen Eltern durch. Es war sehr kurzfristig für uns. Unsere schnelle Zustimmung und Mitarbeit beweißt, dass es uns nicht nur um Kritik bei der doch wieder althergebrachten Abhandlung geht. Wir sind hauptsächlich dankbar, dass dieser gesellschaftlich überaus dringend Aspekt die Mitte unserer Gesellschaft erreicht und getragen wird.
Schwerpunkt-Vortrag war Analyse eines Profis zu den Zuständen in solchen Familien!! Sicher viele bedenkenswerte Fakten. Aber eigentlich die meisten, die in anderen Familien ohne psychischen Hintergrund auch auftreten. Probleme die in sozialen Familien in so schlechten Zeiten gehäufter auftreten.
In einem Einleitungsvortrag sprach Wiebke Scherer, Tochter einer psychisch kranken Mutter über ihre schwere Kindheit. Ohne Zweifel für sie, für manch andere Kinder eine unerträgliche Belastung. Schwierigkeiten mit denen jedes Kind überfordert ist, Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf, nicht erfassbare Gefühlsschwankungen der Mutter, fehlende Wärme... Aber man darf nicht alle Probleme seines Lebens auf die Mutter abwälzen.
Dagmar Barteld-Paczkowski vom geschäftsführenden Vorstand des BPE schilderte anschließend aus der Sicht der Betroffenen Mutter, dass Mütter durchaus erfassen, viel mehr fühlen, wie schwer die seelischen Tiefpunkte unseren Kindern zusetzen.
Es wurden andere noch Vorträge zum Thema gehalten. Die eigentliche praktische Arbeit fand in den Arbeitsgruppen statt. Es waren ja vor allem Sozialarbeiter zur Tagung erschienen, die mit all den Problemen berufsmäßig konfrontiert werden. Sie haben die ehrliche Absicht, den Müttern helfen zu wollen. Damit sie trotz ihrer Schwierigkeiten ihre Kinder aufziehen können. Die Kinder sind in den allermeisten Fällen in den Familien am besten aufgehoben. Es gibt viele Beispiele, dass sie diesen Familien genauso glücklich aufwachsen, dass es passiert, dass durch eine familiäre Verarbeitung des Problems ein sehr reifer wertvoller Mensch in ihr heranwächst.
Ich berichte nur von unserem Workshop:
„Ohne viel Worte - Psychiatrieerfahrene Eltern berichten“
Im Gegenteil wir berichteten sehr ausführlich: Anfangs über uns, unser eigenes Leben. Dagmar hat drei Kinder groß gezogen. Auch als es ihr schlecht ging durch aus sich ihrer Verantwortung bewusst. Magdalena vier Kinder erzogen. Sie studieren bzw. erlernen einen Beruf. Mir war neben dem ähnlichen Erleben besonders wichtig zu erwähnen, dass es zumindest in meinem Fall durch weg falsch ist zu äußern, dass wir uns der schwere unserer Situation nicht bewusst wären. Mich hat der Fakt, ein psychisches Leiden vererben zu können, damals sehr belastet. Meine Frau nicht weniger. Was wussten wir? Und diese Drohkullise! Wir sind froh, dass wir uns doch für Kinder entschieden hatten, Aber leicht hatten wir es uns nie gemacht!
Es war für uns drei angenehm, dass Interesse im Workshop zu verspüren. Vor allem Frauen stellten konkrete Fragen: Wie sie zum Beispiel Familien erreichen, denen es im Moment gut geht? Wie man vor allem werdenden Müttern ihre Ängste nehmen kann, Ihnen zur Seite steht... Wir PE´s fühlten uns hier wirklich als Experten. Als bei mehreren Einschätzungen zum Wert des Treffens geäußert wurde: „Ich muss diese unbekannten Informationen erst mal sacken lassen. Ich muss sie verarbeiten.. Ist für uns eine aufrichtige Antwort, ohne Schmuß.
Wir waren froh, an der Tagung teilnehmen zu können. Es spätestens jetzt zu einem Schwerpunkt unserer langfristigen Arbeit wurde. Aber auch als Ansprechpartner in konkreten Notsituationen.

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