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 Rundbrief - Online-Sonderausgabe
1.9. - Gedenktag für die Opfer der Euthanasiegesetze

T4 – Gedenkveranstaltung, 1.Sept. 2007

Von Martin Marquard, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung der Stadt Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist gut, dass diese Veranstaltung heute – am 1. September – stattfindet und ich bin sehr froh, dass sich so viele namhafte Verbände und Initiativen sowie Persönlichkeiten hier an der Gedenktafel Tiergartenstraße 4 zusammen gefunden haben, um der Menschen zu gedenken, die Opfer der Erbgesundheitsgesetze und der Euthanasiepolitik des Nationalsozialismus wurden.

Diese Opfer dürfen nicht vergessen werden! Dafür zu sorgen ist unsere Pflicht.

Indem wir die Erinnerung an die furchtbaren Verbrechen an behinderten, kranken, hilflosen Menschen wach halten, rufen wir zugleich dazu auf, alles zu tun, dass sich eine solche menschenverachtende Politik nicht wiederholt. Denn wir wissen und beklagen, dass es schon längst wieder eine neue Euthanasiediskussion gibt.

Meine Vorrednerinnen und –redner haben alles gesagt. Bitte lassen Sie mich deshalb nur dieses hinzufügen:

Als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung in Berlin habe ich immer bedauert, dass es bisher keinen regelmäßig wiederkehrenden Gedenktag für die Opfer der Euthanasiepolitik gibt. Es fanden in der Vergangenheit zwar immer wieder mehr oder weniger große Veranstaltungen hier an der Gedenktafel in der Tiergartenstraße 4 statt, aber es entstand keine Kontinuität. Wechselnde Veranstalter, wechselnde Termine, wenig öffentliche Beachtung und vieles Andere mögen dazu beigetragen haben, dass es bis jetzt keine feste Gedenktradition an dieser Stelle gibt.

Vielleicht gelingt es uns heute zu verabreden, dieses zu verändern. Vielleicht können wir uns darauf verständigen, in jedem Jahr am 1. September eine solche Gedenkveranstaltung durchzuführen, um dem Satz, der über dem Aufruf steht,

Diese Opfer dürfen nicht vergessen werden!

tatsächlich gerecht zu werden.

Und vielleicht können wir uns auch gemeinsam dafür einsetzen, dass dieser Ort hier würdiger gestaltet wird – wenigstens auffälliger, damit Menschen, die hier vorbeigehen, aufmerksam werden, an welch einem historischen Ort menschenverachtender Politik sie sich hier befinden.

Dort an der Bushaltestelle – direkt neben der Philharmonie – können Sie blaue Markierungen auf dem Pflaster sehen. Schüler der Vermessungstechnik eines Oberstufenzentrums haben hier den exakten Grundriss eines Teils der ehemaligen Euthanasiezentrale vermessen, mit Messingpunkten fixiert und mit blauer Farbe gekennzeichnet. Das könnte ein Anfang sein.

Und vielleicht können wir mit dem heutigen Tage auch eine Art Patenschaft für die Gedenkplatte verabreden, die den Sinn haben soll, auf ein würdiges Erscheinungsbild der Gedenkstätte zu achten – sie in Ordnung zu halten, für Blumen oder Kränze zu sorgen oder über die Geschichte dieses Ortes zu informieren.

Es ist die tätige Erinnerung, die wir den Opfern schuldig sind und die wir an die Lebenden weitergeben wollen.

Vielen Dank!

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