Positionspapier des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener
e.V. zur Bioethik (2001)
Wir fordern Respekt vor der Menschenwürde. Sie ist zu achten.
Das Wohl jedes einzelnen Menschen hat Vorrang vor den Interessen
der Allgemeinheit. Darum ist Forschung am Menschen daran gebunden,
daß dieser vorher umfassend informiert wird und seine Einwilligung
freiwillig gibt.Die Einwilligung muß jederzeit rückgängig gemacht
werden können. Fremdnützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen
Menschen ist generell abzulehnen.
Wir wissen, daß Forschung am Menschen Grundlage des medizinischen
"Fortschritts" ist, verwahren uns aber dagegen, daß der Mensch
zum Objekt degradiert wird.
Wir weisen auf die Regeln, die im Nürnberger Kodex 1947 und 1997
formuliert worden sind, hin :" Die freiwillige Einwilligung der
Versuchsperson ist unbedingt erforderlich. Das heißt, daß der
Betreffende in der Lage sein muß, seine Einwilligung zu geben.
Er muß in der Lage sein, eine freie Entscheidung zu treffen, unbeeinflußt
durch Gewalt,Betrug, List, Druck,Vortäuschung oder eine andere
Form der Beeinflussung oder des Zwangs. Er muß genügend Kenntnis
von und Einsicht in die wesentlichen Fakten des betreffenden Versuchs
haben, um eine verstehende und aufklärende Entscheidung treffen
zu können.Diese letzte Bedingung macht es notwendig, daß der Versuchsperson
vor der Annahme ihrer zustimmenden Entscheidung das Wesen, die
Dauer und der Zweck des Versuchs klargemacht werden; sowie die
Methode und die Mittel, welche angewendet werden sollen, alle
Unannehmlichkeiten und Gefahren, welche mit Fug zu erwarten sind,
und die Folgen für ihre Gesundheit und ihre Person,welche sich
aus der Teilnahme ergeben mögen.Die Pflicht und die Verantwortlichkeit,
den Wert der Zustimmung festzustellen, obliegt jedem, der den
Versuch anordnet, leitet oder durchführt".
Wir fordern die Achtung unserer Persönlichkeitsstruktur in ihrer
Einzigartigkeit und das Recht, so zu sein wie wir sind. Die Debatten
darüber, ob behinderte Menschen lieber garnicht geboren werden
sollen, ist eine Beleidigung für Menschen unserer Art. Wir wünschen
uns ein buntes, selbstverständliches Miteinander aller Menschen.
Arbeitsgruppe Bioethik
des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e. V.